Wirtschaft

«Wir werden kein weiteres Geld nachschieben»

Aktualisiert am 19.10.2008

Peter Siegenthaler, der Direktor der Finanzverwaltung, war federführend bei den Verhandlungen der Staatshilfe an die UBS. In verschiedenen Medien hat er dazu Stellung genommen.

«Ich kann ihnen versichern, dass uns die UBS die Bedingungen für dieses Geschäft nicht diktiert hat»: Peter Siegenthaler.

«Ich kann ihnen versichern, dass uns die UBS die Bedingungen für dieses Geschäft nicht diktiert hat»: Peter Siegenthaler.
Bild: Keystone

Siegenthaler zeigte sich in einem Interview der «NZZ am Sonntag» überzeugt, dass das Massnahmenpaket das Vertrauen in die UBS und in das Schweizer Finanzsystem stärken könne. «Wir werden auch nicht weiteres Geld nachschieben», sagte er. Sollten die Beziehungen zwischen den Banken wider Erwarten weiterhin nicht funktionieren, müsste der Bund als Ultima ratio eher eine Garantie für das Interbankengeschäft abgeben.

Der Direktor der Finanzverwaltung hält das Rettungspaket für die UBS für viel weniger riskant als die Swissair-Massnahme. Falls die illiquiden Aktiven aber weiter an Wert verlören, ginge dieser Verlust zulasten der Nationalbank und damit über die geringeren Gewinnauszahlungen an Bund und Kantone zulasten des Steuerzahlers. «Aber wir rechnen damit, dass die Nationalbank diese Papiere mit Gewinn verkaufen kann», sagte Siegenthaler im «SonntagsBlick».

«Ich kann ihnen versichern, dass uns die UBS die Bedingungen für dieses Geschäft nicht diktiert hat», fügte er an. So habe die Bank bei den Pflichtwandelanleihen eine viel kürzere Laufzeit beantragt. Dass der Bund als Miteigentümer bei der UBS einsteigt, wäre für Siegenthaler aber keine Alternative gewesen. Der Bund sei verantwortlich für die Rahmenbedingungen des ganzen Finanzplatzes, wenn er auch noch massgeblicher Aktionär eines grossen Players wäre, käme es zu Interessenskonflikten, sagte Siegenthaler in der «Zentralschweiz am Sonntag».

Persönlich zeigte sich Siegenthaler enttäuscht, dass es so weit gekommen ist. Er habe in den vergangenen Wochen viel gearbeitet. «Vor allem aber schläft man nicht gut, wenn die Probleme so gross sind», sagte er. Angesprochen auf die Rolle von Marcel Ospel fügte Siegenthaler an: «Ich stelle nur fest, dass in der Zeit, die er verantwortete, grosse Fehler in dieser Bank passierten». Der moralische Appell, dass die UBS-Banker ihre Milliarden-Boni vom vergangenen Jahr zurückzahlen müssten, sei vertretbar, löse das Problem aber nicht. Es brauche einen Systemwechsel, dass die Aktionäre für die Entlöhnung zuständig seien, forderte Siegenthaler in einem Interview der Zeitung «Sonntag». (mbr/ap)

Erstellt: 19.10.2008, 12:38 Uhr

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