Wirtschaft

«Wir waren eine Airline, die noch Geld verdient hat»

Von Rahel Koerfgen. Aktualisiert am 21.01.2011 9 Kommentare

Swiss-Chef Harry Hohmeister erläutert seine Strategie für den Flughafen Basel. Und gibt bekannt, welches Flugzeug er sich als nächstes anschaut.

Rückkehr: Die Fluggesellschaft Swiss ist auf dem EuroAirport nach langer Zeit wieder auf dem Vormarsch.

Rückkehr: Die Fluggesellschaft Swiss ist auf dem EuroAirport nach langer Zeit wieder auf dem Vormarsch.
Bild: Keystone

Harry Hohmeister, die Swiss baut ihr Angebot ab Basel im Sommerflugplan stark aus. Ist das eine Kampfansage an EasyJet? Wir orientieren uns nicht an EasyJet oder an anderen Fluggesellschaften. Dort, wo wir Markt- und auch Entwicklungspotenzial sehen, bauen wir aus. Was die Konkurrenz macht, spielt für uns keine Rolle.

Die neuen Verbindungen Kopenhagen und Rom werden aber bereits von EasyJet angeflogen. Haben Sie da nicht ein wenig abgeschaut? Wir kopieren nicht. Aber wenn Sie unbedingt vergleichen wollen: Wir fliegen die genannten Destinationen sechsmal die Woche an, EasyJet nur jeden zweiten Tag.

Warum kommt der Ausbau gerade jetzt? Wenn man das Beispiel EasyJet anschaut, bestand das Potenzial ab Basel offensichtlich schon länger. EasyJet ist ab Basel sehr erfolgreich. Swiss hatte bereits 2006 einen Strategiewechsel in Basel beschlossen. Ziel war es, ab 2009 stark auszubauen. Diese Pläne mussten wir dann aber leider zurückstellen wegen der Finanzkrise. Mit der Erholung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr ist 2011 der ideale Zeitpunkt, um sich in Basel weiterzuentwickeln und um an der ursprünglichen Strategie auch festzuhalten.

Bedeutet das, dass Swiss bei der nächsten Krise wieder abbaut? Vernünftige Fünfjahresprognosen kann man heutzutage ja gar nicht mehr machen. Aber wir haben 2009 und 2010 bewiesen, dass wir etwas von Krisenmanagement verstehen: Wir waren einige der wenigen Airlines in Europa, die noch Geld verdient haben. Ich hoffe doch, dass wir diese Kompetenzen nicht verlieren. Ich sehe also keinen Grund, bei der nächsten Krise in Basel wieder einzupacken. Im Gegenteil: Die jetzige Strategie ist darauf angelegt, in Basel weiter auszubauen.

Was sind Ihre Ziele bei den Marktanteilen? EasyJet war mit 44 Prozent im vergangenen Jahr die dominante Airline, Swiss gehört mit sieben Prozent eher in die Rubrik «unter ferner liefen». Wir kommen 2011 zusammen mit unseren Partnerairlines auf 20 Prozent. Wir bieten dabei mehr Frequenzen an als jede andere Airline in Basel. Und mit London Heathrow oder Kopenhagen erhalten die Kunden Anschluss an grosse Hubs. Basel ist mit unserem Ausbau so gut an die Welt angebunden wie noch nie.

Geschäftsreisende werden es bedauern, dass Sie London City nicht mehr weiterführen. Warum dieser Schritt? Banker nutzen diese Verbindung gerne. Weil die Branche in Basel aber nicht so stark ist wie in Zürich, fand London City hier nicht einen so grossen Anklang. Wir gehen davon aus, dass Heathrow für die in der Region ansässigen Pharma- und Chemieunternehmen um einiges interessanter ist als London City.

EasyJet hat die Geschäftsreisenden für sich entdeckt: Die Airline will den Markt nach eigenen Aussagen «härter» bearbeiten. Ist das für Swiss gerade in Basel eine beunruhigende Entwicklung? Dem Wettbewerb muss man sich nun mal stellen. Wir sind meiner Meinung nach aber deutlich besser aufgestellt als EasyJet: Swiss hat einen hervorragenden Service. Und bei Verspätungen und Annullationen können wir auf das Netzwerk von Partnerairlines zurückgreifen. Gerade Geschäftsreisenden ist es wichtig, dass sie sich auf eine Fluggesellschaft verlassen können.

Die Jumbolinos der Swiss in Basel sollen ab 2013 mit den Bombardier- C-Series ersetzt werden. Ab Zürich kommen auf Kurz- und Mittelstrecken die Airbusse A320 zum Einsatz. Im Schnitt ist diese Flotte 13 Jahre alt. Wäre es hier nicht auch an der Zeit, über einen Ersatz nachzudenken? Nein, das ist noch zu früh. Heute hält ein hoch entwickeltes Flugzeug locker 25 Jahre und ist dabei noch auf gutem technischen Stand, zumal es alle sechs Jahre eine komplette Überholung erhält.

Es wird aber gemunkelt, dass Lufthansa über eine grössere Bestellung der neu lancierten A320 neo nachdenkt. Darüber ist mir nichts bekannt. Für mich stellt sich die Frage, wie viel Effizienz- und welchen ökologischen Vorteil dieses neue Flugzeug bringt. So genau habe ich mir diese Maschine aber noch nicht angeschaut.

Wirklich nicht? Wirklich nicht. Ich werde das aber bald nachholen. Wir warten aber sicher die erste Generation dieses Flugzeugtyps ab. Dann würden wir bei der zweiten, besseren Generation vielleicht einsteigen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.01.2011, 11:43 Uhr

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9 Kommentare

Hans Osterwalder

21.01.2011, 12:15 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Schade an Basel Airport ist einfach, dass er mit dem ÖV total schlecht erschlossen ist. Ich bezweifle daher ob Basel als Tor zur Flugwelt um soviel attraktiver wird, wie Herr Hohmeister im Interview sagt. Antworten


Peter Schmucker

21.01.2011, 12:57 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Der EuroAirport in Basel wird seinen Provinzcharakter/Unattraktivität nicht verlieren, solange er nicht besser mit dem ÖV zu erreichen ist. Eine Anbindung an den Bahnhof Basel SBB mit Bahn oder Tram wäre ideal, eine Express-Nonstop-Busline zumindest kurzfristig machbar. Antworten



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