Wirtschaft
Wieso selbst Schneider-Ammann bei Serono nichts ausrichten kann
Aktualisiert am 25.04.2012 60 Kommentare
«Ich mahne das an»: Schneider-Ammann zur - seiner Ansicht nach - nicht angemessenen Informationspolitik von Merck. (Bild: Keystone )
Update Mittwoch, 14 Uhr
Noch am Dienstag spürte Unia-Regionalsekretär Alessandro Pelizzari wenig Widerstandswillen bei den Serono-Angstellten in Genf. Dieses Bild allerdings änderte sich am Mittwochmittag. «Ich sehe Leute, die etwas bewegen wollen», sagt der Gewerkschafter, der sich zum Serono-Hauptsitz begab, am Handy. Unia will nun bis am Freitag - dann trifft man sich mit der Belegschaft - beim Genfer Serono-Gebäude Position halten und die Mitarbeiter zur Teilnahme an der Versammlung bewegen.
«Der Fall Serono ist anders als bei Novartis»: Alessandro Pelizzari. (Bild: Keystone )
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«Nein, ich bin nicht im Voraus informiert worden», sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann in der «Tagesschau» zum Kahlschlag bei Serono in Genf. 1250 Jobs verliert die Rhonestadt. Das ist ein «Schock», wie es weitherum hiess. Schneider-Ammann liess aber auch seinen Ärger über die Situation durchblicken: «Ich mahne das an», so der frühere Unternehmer. Er hätte offenbar erwartet, dass die Landesregierung zumindest über die Vorkommnisse vorinformiert wird.
Wenn auch die Ausgangslage nicht dieselbe ist: Der Fall erinnert an die von Novartis im Herbst 2011 angekündigte Schliessung eines Werks in Nyon. Bundesrat Schneider-Ammann schaltete sich damals in die Angelegenheit ein und bat die beteiligten Parteien – inklusive Novartis-Präsident Daniel Vasella – an einen Tisch. Schliesslich erreichte man, dass der Schliessungsentscheid rückgängig gemacht wurde. Schneider-Ammann sagte mit Genugtuung dazu, die gefundene Lösung habe vielleicht sogar Beispielcharakter.
Könnte sich also im Fall Serono Ähnliches wiederholen? Dass sich der Schliessungsentscheid unter vereinten Kräften von Belegschaft, Gewerkschaften, Kantonsregierung und Landesregierung rückgängig machen lässt? Alessandro Pelizzari, Regionalsekretär der Gewerkschaft Unia, ist skeptisch: «Der Fall Serono ist anders als bei Novartis.»
Die Wissenschaftler-Karawane zieht weiter
Damals, als der Basler Pharmamulti die Schliessung des Werks in Nyon inklusive des Abbaus von über 300 Stellen ankündigte, sei es zu einem massiven Aufstand gekommen. Belegschaft und Gewerkschaft zusammen hätten Druck auf die Kantonsregierung gemacht und diese so ins gleiche Boot geholt.
Im Fall Serono spürte Pelizzari aber gestern noch wenig Widerstand bei der Belegschaft. Der Gewerkschafter sagt dazu: «Das sind hochqualifizierte Leute, sie kommen aus der ganzen Welt und sind international ausgerichtet. In der Regel sind solche Arbeitskräfte nicht gewerkschaftlich organisiert.» Klar, wer gut ausgebildet, gewandt in Fremdsprachen und familiär nicht gebunden ist, zieht einfach weiter.
Die Gewerkschaft will ein Mandat der Belegschaft
Trotzdem will Pelizzari das Mögliche versuchen: «Wir möchten ein Mandat der Belegschaft für das Konsultationsverfahren.» Am Freitag treffen sich Angestellte und Gewerkschaft, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ob ein Mandat für die Gewerkschaft daraus resultiert, das macht Pelizzari von der Teilnahme abhängig.
Im Konsultationsverfahren mit Merck (MRK 47.16 -0.36%) selber ginge es um drei mögliche Verhandlungspunkte: Erstens um eine Alternative zur Schliessung, zweitens um Alternativen zu den Entlassungen und drittens um den Sozialplan. Wobei sich der Gewerkschafter zu Punkt eins keine Illusionen macht: «Daraus wird wohl nichts.»
«Genf hat keine echte Wirtschaftspolitik mehr»
Sollte man kein Mandat erhalten, will sich Unia politisch weiter engagieren. «Wir wollen über das Kantonsparlament die Regierung dazu bringen, wenigstens einen Teil der Serono-Jobs in der Region zu halten», sagt Pelizzari.
Überhaupt macht er die Genfer Regierung mitverantwortlich dafür, dass die deutsche Merck nun den Serono-Hauptsitz an der Rhone schliesse. «Genf hat keine echte Wirtschaftspolitik mehr.» Der Gewerkschafter erinnert daran, dass die Region noch in den 80er-Jahren einen starken Industriezweig aufzuweisen hatte. Aber statt diesen zu pflegen, habe man internationale Konzerne mit Steuererleichterungen angezogen. «Die aber sind rasch wieder weg, wenn die Bedingungen nicht mehr stimmen.»
Schneider-Ammann will verstehen
Dass Schneider-Ammann nun noch etwas ausrichten könne, das hält Pelizzari für wenig wahrscheinlich. «Wenn, dann hätte der Bundesrat doch damals 2007 beim Verkauf von Serono durch Ernesto Bertarelli intervenieren müssen.» Dessen Versprechungen – die Arbeitsplätze blieben in der Region Genf – hätten sich jetzt ja als leere Worthülsen herausgestellt.
Wie Wirtschaftsminister Schneider-Ammann auf das Management von Merck-Serono zugeht, bleibt unklar. Der Bundesrat sagte gestern nur: Der Entscheid von Merck habe möglicherweise «volkswirtschaftlich Signalwirkung» und er wolle in den nächsten Stunden und Tagen «gut verstehen, warum das nötig war».
Beobachter munkeln auch, der damalige Verkauf sei bewusst an einen ausländischen Konzern erfolgt. Ein solcher hätte es nötigenfalls einfacher, Stellen abzubauen oder gar ganze Standorte zu schliessen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.04.2012, 14:00 Uhr
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60 Kommentare
Der Unterschied könnte darin liegen,dass diese Firma im 2006 an einen deutschen Konzern verkauft wurde u.somit die Zentrale nach Deutschland abzieht. Somit ist diese Firma in deutschen Händen,wo CH Gewerkschaften inkl.CH-Wirtschaftsminister wenig bis vielleicht gar nichts ausrichten können! Antworten



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