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Wie viel Kredit hat Dougan noch?
Aktualisiert am 24.04.2012 16 Kommentare
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«Die Credit Suisse (CSGN 26.41 0.38%) überschätzt sich» – «die Credit Suisse hat ihren Vorsprung verspielt». Dergleichen lauteten die Schlagzeilen, unter denen die Finanzpresse in den letzten Wochen über die CS berichtete. Über dem Mann, der bei der Grossbank die Fäden in der Hand hat, steht dabei ein grosses Fragezeichen. «Ein Jahr auf Bewährung für Brady Dougan», titelte vor Monatsfrist etwa der «Tages-Anzeiger». Der CS-Konzernchef präsentierte zuletzt ernüchternde Zahlen und braucht dringend einen Lichtblick.
Keine zwei Milliarden Franken Gewinn konnte die Credit Suisse 2011 verbuchen. Im letzten Quartal resultierte sogar ein Verlust. Die Finanzwelt wird deshalb sehr genau hinschauen, wenn die Grossbank morgen (DerBund.ch/Newsnet berichtet live ab 7 Uhr) ihre ersten Quartalsergebnisse für 2012 präsentiert: Ein ansehnlicher Gewinn muss mittelfristig her, soll Brady Dougan weiterhin das Vertrauen der Investoren geniessen. Am Freitag wird der Amerikaner zudem vor die Aktionäre treten, um an der Generalversammlung Rechenschaft abzulegen.
Trotz Verlusten ein solider Start
Erwartet wird fürs Erste, dass die Credit Suisse einen weiteren Verlust bekannt geben wird. Allerdings spielen Sondereffekte in diese Rechnung hinein: Durch die höhere Bewertung ihrer eigenen Schulden verliert die Bank etwa 1,7 Milliarden Franken, 500 Millionen Franken werden für ein Vergütungsprogramm ausgegeben. Die beiden Effekte hängen mit der Sicherheit der Bank zusammen: Ist die buchhalterische Neubewertung der Schulden Ausdruck der gestiegenen Solidität, so soll das Vergütungsprogramm (PAF2) weitere Risiken aus der Bankbilanz entfernen.
Analysten gehen somit von einem um Sondereffekte bereinigten Vorsteuergewinn in der Region von knapp zwei Milliarden Franken aus – «ein solides Quartal», wie Andreas Venditi von der ZKB sagt. Das Startquartal von Grossbanken fällt traditionell höher aus, weil Investmentbanken in diesem Zeitraum viele Deals abschliessen können. Um das Investmentbanking der CS kreisen allerdings auch Bedenken: Eine Schrumpfkur der an den Finanzplätzen von London und New York weniger profitabel gewordenen Sparte ist angezeigt. Den Analysten ist nicht klar, warum die Credit Suisse ihr Investmentbanking an der Wallstreet nicht noch stärker herunterfährt.
Der Ausbau in der Krise
Restrukturierungen stehen bei der Credit Suisse an – sowohl in der Schweiz als auch in Übersee. Zwar hat Konzernchef Brady Dougan bereits Kostensenkungsprogramme angekündigt. Dass Dougan der richtige Mann ist, um den Wandel bei der CS einzuleiten, daran wird in der Finanzwelt jedoch gezweifelt: Eigentlich müsste er längst ersetzt werden, heisst es. Dougan verkörpert wie kein Zweiter den Händlertypus des US-Investmentbankers. 1990 zur Credit Suisse First Boston gestossen, brachte er es bis zum CEO der Investmentbank, ehe er nach Oswald Grübels überraschendem Rücktritt 2007 den Posten des Konzernchefs übernahm.
Grübels Erbe war kein leichtes: Euphorisiert durch die Tatsache, dass während der Finanzkrise weder Staatshilfe noch zusätzliches Investorenkapital gebraucht wurden, galt die Credit Suisse als Musterschüler unter den Grossbanken. Dougan durfte sich als Gewinner feiern und hohe Boni auszahlen lassen, Marktanteile flogen der CS zu. Als wenig substanziell erwiesen sich indes die Ankündigungen, welche die Bank dem Publikum in der Folge immer wieder zukommen liess. Angetreten mit dem Ziel, die gewonnenen Marktanteile zumindest zu halten, enttäuschte Dougan in den Augen von Analysten insgesamt. Als symptomatisch für die Fehleinschätzungen erscheint, dass die CS seit der Finanzkrise nicht Personal abgebaut, sondern – im Gegenteil – gesamthaft leicht an Mitarbeitern zugelegt hat. Dies drückt nun auf die Gewinnzahlen der Bank.
Nur noch Zweckoptimismus
Hinter vorgehaltener Hand wird auch der Verwaltungsrat als schwach beschrieben: Zu wenig Leute im Gremium hätten wirklich eine Ahnung vom Geschäft. Zwar stärkte VR-Präsident Urs Rohner seinem CEO in der Samstagsausgabe von «Le Temps» den Rücken: Brady Dougan sei der richtige Mann in dieser Situation, daran gebe es keinen Zweifel. Mit der Kostenreduktion im Umfang von 2 Milliarden Franken sei man auf gutem Weg. Wie sich das angekündigte Sparprogramm bei der Grossbank in den nächsten Quartalen auf den Gewinn auswirken wird, ist den Analysten indes noch nicht klar. Auch dies zu erklären, wird an der kommenden GV eine der Aufgaben der Bankführung sein.
«Ich bin optimistischer als die Mehrheit», sagte Brady Dougan im August letzten Jahres in einem Interview. Wer weiss, wie viele Gelegenheiten der CS-Chef für solche Demonstrationen seiner legendären Zuversicht noch haben wird. Auch Präsident Urs Rohners positives Denken könnte wohl in Zweckoptimismus begründet sein: Allem Anschein nach steht gegenwärtig kein valabler Ersatzkandidat bereit, der den einstigen Musterschüler Credit Suisse im Jahrzehnt nach der Finanzkrise zurück auf den Boden der Tatsachen holt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.04.2012, 15:06 Uhr
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16 Kommentare
"...Zu wenig Leute im Gremium hätten wirklich eine Ahnung vom Geschäft". Na, aber vom Handaufhalten dafür umso mehr. Offenbar kann man fehlende Fähigkeiten nicht immer mit einem schneidigen Mundwerk flottmachen. Für diese Erkenntnis gebührt der CS sicher noch der Wirtschaftsnobelpreis. Antworten
Kosten senken heisst doch Personal entlassen. Höhere Gewinne dank riskanteren Geschäften anstreben? Dieser Artikel ist rein aus der Sicht der Anleger und Investoren geschrieben. Wenn wir seriösere, nachhaltigere Geschäftspolitik fordern können wir eine Bank nicht nur den ausgewiesenen Gewinnen beurteilen. Antworten
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