Wie gefährdet ist die UBS tatsächlich?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 25.01.2010
In einer Art Geiselhaft: Sitz der UBS an der Park Avenue in New York. (Bild: Keystone)
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UBS an Börse unter Druck
Nach dem Rückschlag bei der Amtshilfe an die USA ist die Aktie der UBS am Montagmorgen an der Schweizer Börse weiter unter Druck geraten. Der Titel notierte in den ersten Handelsminuten bei 14,71 Franken oder 1,47 Prozent tiefer als am vergangenen Freitagabend. Von den SMI-Titeln waren die Einbussen einzig bei der Swiss Re mit 1,56 Prozent noch etwas grösser. Der Swiss Market Index (SMI) lag im Eröffnungsgeschäft bei 6.456,35 Punkten oder 0,58 Prozent tiefer als Ende letzter Woche. (sda)
Im vergangenen Sommer hat die Schweiz aufgeatmet. Die Grossbank UBS (UBSN 11.15 -0.89%) schien durch den Vertrag des Bundes mit der US-Regierung gerettet. Dieser soll zur Herausgabe von 4450 Kundendaten führen. Ein Zivilprozess gegen die Bank wurde abgebrochen. Jetzt scheint dieser Vertrag wieder in Frage gestellt zu sein. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat in einem Pilotfall die Herausgabe von Kundendaten untersagt. Die alte Debatte bricht sofort wieder aus: Ist die Existenz der UBS gefährdet? Was droht dadurch der Schweiz? Wie weit soll die Politik gehen, um die Bank zu retten? Soll sie die Bank sogar fallen lassen?
Doch was steht tatsächlich auf dem Spiel? Für das Schreckensszenario eines Untergangs der Schweizer Grossbank spricht im Augenblick wenig. Bei der UBS ist man weniger beunruhigt als in der Politik, wie aus dem Umfeld der Grossbank zu vernehmen ist. Auch der Aktienkurs der Bank reagiert nicht so, wie das zu erwarten wäre, wenn an den Märkten mit dem Ende der UBS gerechnet werden würde. Die Aktie hat in den Tagen seit dem Urteil zwar nachgegeben, doch weniger als jene der Credit Suisse. Der wichtigste Grund für die Verluste liegt in den angekündigten Massnahmen der Obama-Administration zur Beschränkung der Aktivitäten im Investmentbanking.
«Überrissene Wahrnehmung der Situation»
Wenig Verständnis für Sorgen der Politik und der Medien hat auch der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer: «Mittlerweile herrscht eine völlig überrissene Wahrnehmung der Situation vor», sagt er. Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts zeigt für ihn, dass der Rechtsstaat in der Schweiz funktioniert. Die Gefahr einer Neuauflage des Prozesses der US-Steuerbehörden gegen die UBS sieht er nicht.
Wie Analysten erklären, geht man auf den Märkten auch deshalb nicht von einer Neuauflage des Prozesses gegen die UBS aus, weil die US-Steuerbehörden daran nicht mehr dasselbe Interesse haben, wie noch im letzten Sommer. Man rechnet sogar damit, dass die 10'000 Selbstanzeigen von Kunden der Schweizer Grossbank zusammengekommen sind, die laut Vertrag einen weiteren Prozess endgültig ausschliessen würden. Die genaue Zahl kennt nur die US-Steuerbehörde.
Trotz allem bleibt die UBS in einer Art Geiselhaft. Denn die Amerikaner könnten im schlimmsten Fall der Schweizer Grossbank den Hahn zudrehen, in dem sie ihr die Lizenz in den USA entziehen. Diese Möglichkeit ist es, die Politiker darüber nachdenken lässt, wie die UBS so organisiert werden kann, dass das Amerikageschäft fallengelassen werden kann.
Der «Worst Case»
Ein Lizenzentzug in den USA wäre für die UBS ein Desaster. In keinem anderen Land ausser der Schweiz ist die Grossbank derart stark vertreten: Ende September 2009 arbeiteten 23'440 Personen dort für die UBS (in Vollzeitstellen umgerechnet). In der Schweiz waren es mit 24'925 nicht viel mehr: Insgesamt beschäftigt die Grossbank 69'000 Personen.
Jedes Unternehmen kann Teile seines Geschäfts abstossen: verkaufen oder aufgeben. Doch ist das nicht unvorbereitet – sozusagen über Nacht – möglich. Bei der UBS sind die Geschäftstätigkeiten eng untereinander verzahnt. Zudem gibt es einen enormen Unterschied zwischen einer Loslösung von Geschäftsbereichen aus freien Stücken und einem Befehl durch die Justizbehörden im Falle eines Lizenzentzugs.
Ein solcher hätte auch Auswirkungen auf die Bank in allen anderen Weltregionen und in der Schweiz. Der Ruf von Solidität ist für eine Bank überlebensnotwendig. Kaum ein internationales Unternehmen würde mit einem Finanzinstitut Geschäfte treiben wollen, dass in den USA als Paria gilt. Die Reichen der Welt würden die Bank ebenfalls meiden. Die tragenden Säulen der Bank würden schmelzen wie Schnee in der Sommerhitze.
Der ungeordnete Zusammenbruch einer der beiden Grossbanken würde in der Schweizer Wirtschaft zu einem Erdbeben führen. Immerhin dominieren die Credit Suisse und die UBS über die Hälfte der Finanzlandschaft in der Schweiz. Kommt dazu, dass alle Banken durch Schulden und Guthaben untereinander eng verzahnt sind. Das bedeutet, dass in einem solchen Fall gleich der ganze Finanzsektor in eine schwere Krise geraten würde. Die Kreditversorgung aller Institute wäre genauso gefährdet wie die Auszahlungen der Einlagen. Der Staat als Retter wäre hier überfordert, denn er verfügt nicht über die Mittel, um den Totalausfall einer Grossbank zu kompensieren. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2010, 12:53 Uhr
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