Wie frisch ist Frischfleisch?

Die vom «Kassensturz» in einer Coop-Filiale aufgedeckten Missstände werfen die Frage auf, wie gut im Offenverkauf die Fleischqualität sichergestellt wird.

«Kurz vor Ablauf des Verkaufsdatums»: In einer Coop-Filiale sei Fleisch aus den Selbstbedienungs-Kühlregalen im Offenverkauf als Frischfleisch angeboten worden.

«Kurz vor Ablauf des Verkaufsdatums»: In einer Coop-Filiale sei Fleisch aus den Selbstbedienungs-Kühlregalen im Offenverkauf als Frischfleisch angeboten worden. Bild: Keystone

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Sie sind nicht gerade appetitanregend, die Praktiken im Umgang mit Fleisch in einer Coop-Filiale im Kanton Freiburg, über die der «Kassensturz» am Dienstag berichtete. Abgepacktes Fleisch sei aus den Selbstbedienungs-Kühlregalen geholt, ausgepackt und dann im Offenverkauf als Frischfleisch verkauft worden, sagten ehemalige Coop-Mitarbeiter. Dies sei regelmässig vorgekommen, teilweise kurz vor Ablauf des Verkaufsdatums.

Sie hätten auf Anweisung von Vorgesetzten beispielsweise Pouletbrüste aus der Verpackung geholt, diese geschnetzelt, mit anderem Fleisch vermischt und in die Theke für den Offenverkauf gelegt, sagten die früheren Mitarbeiter der Coop-Filiale, die offenbar im Streit gingen. So sei in einigen Fällen auch ausländisches Fleisch als Schweizer Ware verkauft, herabgesetzte Ware kurz vor Ablauf des Verkaufsdatums im Offenverkauf wieder zum höheren Preis angeboten worden; und es sei vorgekommen, dass Fleisch Tage nach Ablauf des Verbrauchsdatums verkauft worden sei, so die Ex-Mitarbeiter.

Gesetz lässt viel Spielraum

Coop hat diese Vorwürfe vehement bestritten, aber umgehend reagiert: Es sei künftig schweizweit «generell verboten, Selbstbedienungsware auszupacken und über den Offenverkauf zu verkaufen». In der Migros gilt ein solches Verbot in einzelnen Genossenschaften wie der Migros Zürich schon länger, in anderen wird Frischfleisch «nur in absoluten Ausnahmefällen wieder ausgepackt und in der Theke angeboten». Ein striktes Auspackverbot gibt es bei Manor und Volg, nicht aber bei Spar.

Wobei klarzustellen ist, dass das Lebensmittelrecht es erlaubt, abgepacktes Fleisch bis zum Ablauf des Verkaufsdatums im Offenverkauf als Frischfleisch anzubieten. So ist es zulässig, etwa Pouletbrüste auszupacken, sie als Geschnetzeltes oder mit Marinade versehen im Offenverkauf anzubieten. Überschüsse in der Selbstbedienung dürfen auch bis zum letzten zulässigen Verkaufstag ausgepackt, bis zu zwei Monaten eingefroren und erst dann verkauft werden. In letzterem Fall müssen aber Hinweise wie «aufgetaut» oder «nicht mehr einfrieren» angebracht werden.

Auf Verkäufer angewiesen

Das Gesetz schreibe nicht vor, wie lange Fleisch als haltbar gelte, sagt ein Kantonschemiker. Verbindlich seien bloss die Ablaufdaten auf der Verpackung. Diese dürften in keinem Fall überschritten werden. Anders als in Deutschland dürfte in der Schweiz davon auszugehen sein, dass Grossverteiler, Warenhäuser und Metzger Fleisch korrekt abpacken und nach Ablauf des Verkaufsdatums nicht umdatieren. In der Selbstbedienung kann der Käufer sich wohl darauf verlassen, dass die auf der Verpackung aufgedruckten Ablaufdaten für Verkauf und Verzehr korrekt sind.

Wie aber sollen Konsumenten dies im Offenverkauf kontrollieren? Hier sind sie gänzlich auf die Auskünfte des Verkaufspersonals angewiesen. Eine Sache des Vertrauens. «Befindet sich das Fleisch im Verkaufsbuffet, steht die laufende Qualitätsprüfung auf Geruch, Aussehen und Konsistenz durch das Fachpersonal im Vordergrund», heisst es dazu bei Coop. Zudem würden Frische und Hygiene im Offenverkauf mehrmals jährlich geprüft, unangekündigt Proben genommen und im Labor untersucht.

Hackfleisch täglich frisch

Bei der Migros wird Frischfleisch vom Produzenten mit einem Verpackungsdatum angeliefert und im Offenverkauf innerhalb von «klar definierten Rotationsfristen» verkauft, um die Produktqualität sicherzustellen. Charcuterie werde nur bis zum «deklarierten Verkaufsdatum» angeboten.

Rasch Verderbliches wie Gehacktes und Geschnetzeltes stellen Coop und Migros im Laden täglich her. Coop verkauft Gehacktes innert 24 Stunden, Geschnetzeltes spätestens am Tag nach der Herstellung. Migros verkauft beides «innerhalb von einem Tag nach dem Herstellungstag», was aufs selbe hinausläuft. Beides sei spätestens am Tag nach dem Kauf zu verzehren, so Coop. Grössere Fleischstücke hielten im Kühlschrank bei maximal 4 Grad Celsius 2 bis 3 Tage. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2011, 21:48 Uhr

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