Wirtschaft

Wie eine Gruppe brasilianischer Banker von der UBS profitierte

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 06.03.2010

Der Gründer der brasilianischen Investmenbank Pactual verkaufte sein Bank für viel Geld an die Schweizer Grossbank – und verdiente an dem Geschäft gleich noch ein zweites Mal.

Für 4 Milliarden Franken an die UBS verkauft: André Esteves in einem brasilianischen Magazin (rechts), UBS-Chef Oswald Grübel (links).

Für 4 Milliarden Franken an die UBS verkauft: André Esteves in einem brasilianischen Magazin (rechts), UBS-Chef Oswald Grübel (links).
Bild: Keystone

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Beim UBS-Debakel haben längst nicht alle verloren. Es gab auch eine ganze Reihe von Gewinnern. Allen voran André Esteves. Er war bis 2006 mit 30 Prozent an der Bank Pactual beteiligt, der Rest der Bank gehörte seinen Partnern. Dann verkaufte Esteves seine Bank der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) für 3,1 Milliarden Dollar, damals entsprach dies gut 4 Milliarden Franken. Damit wurde Esteves Milliardär, und die Pactual hiess UBS Pactual.

Die UBS war euphorisch und sprach von einer sehr guten Gelegenheit, sich in einen Wachstumsmarkt einzukaufen. Pactual war die grösste Investmentbank Brasiliens. Chef der UBS-Investmentbank war zu dieser Zeit der Amerikaner Huw Jenkins, einer der UBS-Spitzenverdiener, der zweistellige Millionenbeträge nach Hause brachte.

Für 2,5 Milliarden verkauft

Doch Jenkins kaufte nicht nur die Pactual, er kaufte für die UBS auch noch für 50 Milliarden Dollar amerikanische Subprime-Hypotheken (CDOs) und war so für etwa die Hälfte der UBS-Verluste verantwortlich. Er unterliess es zudem, die Bankenkommission über die Risiken zu informieren. Darum wurde er Ende 2007 auf Druck der EBK entlassen und bekam trotzdem eine Abgangsentschädigung von gegen 20 Millionen Franken. Esteves arbeitete nach der UBS-Übernahme weiter bei Pactual, Jenkins war bis zu seiner Entlassung sein direkter Vorgesetzter. 2008 verliess auch Esteves die UBS und gründete in London die Investmentfirma BTG.

Letztes Frühjahr beschloss nun Oswald Grübel, unter Druck der dünnen Eigenkapitaldecke und den Aufsichtsbehörden, die Pactual zu verkaufen. Unter anderem wegen des fallenden Dollarkurses wurde der Preis mehrmals nach unten gedrückt. Schliesslich resultierte ein Verkaufspreis von noch 2,5 Milliarden Dollar. Dies zu einem Kurs von nahezu eins zu eins. «Wir haben in Verbindung mit dem Verkauf von UBS Pactual einen Verlust von 1,4 Milliarden Franken verbucht», bestätigt UBS-Sprecherin Sabine Jaenecke. Oswald Grübel sagte dazu in der englischen Finanzzeitschrift «The Banker», er sei nicht stolz auf den Verkauf.

Günstig zurückgekauft

Stolz ist aber vermutlich André Esteves. Er war es, der zusammen mit seinen Partnern, praktisch alles ehemalige Partner der Pactual und Ex-UBS-Kaderleute, die Bank wieder zurückkaufte. Nun heisst sie BTG Pactual. Vor einer Woche kam dann folgende Meldung: Huw Jenkins wird Partner von BGT Pactual. Sein Büro hat er künftig in London. Und auf der Webseite von Pactual wird stolz auf seine frühere Funktion als CEO der UBS-Investmentbank verwiesen. Die halbe ehemalige Führungscrew der UBS Investmentbank hat dasselbe getan, und alle zusammen konkurrenzieren sie nun die UBS-Investmentbank in London.

Arthur Rutishauser (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2010, 15:12 Uhr

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