Wirtschaft
Wie die Swiss 100 Millionen auftreiben soll
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 05.05.2012 47 Kommentare
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Die Lufthansa-Tochter Swiss soll für den Mutterkonzern die Quadratur des Kreises schaffen. Nach 7,2 Millionen Franken Verlust der Swiss will die Lufthansa von der Schweizer Tochter mehr als 110 Millionen Franken haben. Wie soll das funktionieren?
Die Lufthansa habe in einem ersten Schritt von den Landesgesellschaften nur wissen wollen, welche Summen die jeweiligen Firmenchefs beitragen könnten, sagt ein Sprecher. Swiss-Chef Harry Hohmeister soll infolgedessen rund 95 Millionen Euro angegeben haben. Planbudgets seien im übrigen nicht gefährdet, heisst es weiter. Immerhin mehr als 30 Flugzeuge sollten laut Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann bis 2016 bestellt werden, laut Geschäftsbericht auch die technische Routinewartung ausgebaut und weitere 500 Mitarbeiter neu eingestellt werden. Wenn an diesen Plänen festgehalten wird, stellt sich erneut die Frage: Woher kommt das Geld für Sparmassnahmen und Projekte?
Eindeutige Antworten darauf gibt es nicht. Dafür jede Menge Spekulationen und Gerüchte: So könnten über Teilauslagerungen und -verkäufe einige Millionen hereingebracht werden, meinen Branchenkenner. Die Swiss betreibt über Teilgesellschaften etwa die Pilotenausbildung (Swiss Aviation Training), entwickelt Aviation Software, mischt mit Swiss World Cargo im Frachtgeschäft mit und kooperiert mit der Schweizer Freizeit-Airline und Lufthansa-Tochter Edelweiss. Ob es hier zu Auslagerungen oder einem Stellenabbau kommen wird, ist unklar, wird von der Swiss aber nicht ausgeschlossen.
Ausgliederung in Leasinggesellschaften
Die Lufthansa hat bereits Teile des Kabinenpersonals in Leasinggesellschaften ausgegliedert. So etwas wäre auch bei Swiss denkbar. «Ich sehe allerdings einen Konflikt mit der etablierten Arbeitsphilosophie in der Schweiz und allem was damit traditionellerweise zusammenhängt», sagt Aviatik-Experte Kurt Hofmann von Aviation & Consulting.
Hofmann hat erst im Dezember mit Swiss-Chef Hohmeister gesprochen. Dieser hat zu diesem Zeitpunkt offenbar längst gewusst, was auf sein Unternehmen und die Belegschaft zukommt. «Hohmeister sagte, dass die Swiss im Europaverkehr die Kosten um bis zu 20 Prozent senken müsse, um profitabler zu werden.» Dafür gebe es keine Schonfrist mehr. Gestern hiess es von Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann gegenüber DerBund.ch/Newsnet: «Im Mai und Juni wird im Rahmen von Score über erste konkrete Projekte entschieden.» Score lautet das Sparprogramm der Lufthansa, das auch für die Swiss gilt.
Höhere Preise, niedrigere Löhne
Für die Swiss sieht der Sparkurs laut Hofmann aller Voraussicht nach so aus: «Einzelne Flottenteile werden ausrangiert, und es wird auf Kurzstrecken langsamer geflogen werden, um Kerosin zu sparen. Das Weihnachtsgeld für die Swiss-Belegschaft könnte ein weiteres Mal gestrichen werden, Saläre könnten gesenkt und letztlich Stellen abgebaut werden.» Und: An höheren Preisen für die Kunden führe ohnehin kein Weg vorbei.
Das hiesse nicht nur höhere Preise bei Swiss, sondern auch beim Freizeit-Airliner Edelweiss. «Das ist natürlich schwierig umzusetzen, wenn Airlines wie Easy Jet, Ryan Air und Emirates durchwegs billiger fliegen, weil sie die hohen Ticketsteuern und Flughafengebühren in Kontinentaleuropa eher vermeiden können», so Hofmann.
Welchen Anteil die Fluglinie Edelweiss zum Sparkurs beitragen wird, ist offen. «Dass die Rentabilität bei uns besser sein könnte, lässt sich nicht von der Hand weisen», sagt Edelweiss-Vertriebschef Peter Spring im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet. Für ihn gibt es drei wesentliche Faktoren, welche die Kosten im Flugbetrieb beeinflussen: die Auslastung, den Flugpreis und die Kosten des Flugzeuges. «Wir analysieren derzeit unsere Prozesse.» Ob Edelweiss unter besonderem Zugzwang steht, will Spring nicht kommentieren.
Laut Firmenregister hat die Airline mit 250 Mitarbeitern einen Umsatz von 116 Millionen Franken im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftet. Vertriebschef Spring dementiert diese Zahl, korrigiert sie aber auch nicht. «Wie der Umsatz berechnet wird, hängt stark davon ab, ob beispielsweise die Codeshare-Flüge mit Swiss eingerechnet werden oder nicht.» Doppelspurigkeiten gebe es jedenfalls nicht.
Mehr Daseinsberechtigung als die AUA
Wie auch immer die Konsolidierung von Edelweiss und Swiss aussehen wird, in der Branche wird der Swiss trotz den Marktturbulenzen eine gute Überlebenschance attestiert. Laut den Experten handle es sich um einen starken Brand, und die Lufthansa wäre laut Hofmann nicht gut beraten, diesen zu eliminieren. Wenn aber eine Fluglinie wirtschaftlich keinen Sinn mehr hat, dann muss der Mutterkonzern wohl früher oder später die Reissleine ziehen. «Austrian Airlines habe so gesehen weit weniger Daseinsberechtigung als die Swiss.» Die AUA ist so wie die Swiss eine Tochter der Lufthansa. Deren Quartalsverlust lag mit 67 Millionen Euro bei mehr als dem Zehnfachen der Swiss.
Unterdessen dürften die grossen Airline-Chefs auf Zeit spielen, bis einige Billig-Airlines eher früher als später pleitegehen, weil zu viel Kapazität im Markt ist. «Dann wird es wiederum leichter, höhere Preise zu verlangen, wenn die Konkurrenz der Billig-Airlines schwächer wird», schätzt Hofmann. Mit einem Wermutstropfen: Die verbleibenden Billig-Airlines können ihre Ticketpreise im selben Ausmass erhöhen wie die Grossen und letztlich immer noch deutlich billiger anbieten. «Deswegen ist es so wichtig, dass vor allem die Kosten heruntergebracht werden», sagt Hofmann.
Die Finnair als Fluglinie eines Hochpreislandes macht vor, wie zum Beispiel auch eine Swiss im Europaverkehr viel Geld sparen könnte. Rund 40 Prozent will Airline-Chef Mika Vehviläinen hereinholen, indem er mit der Billigfluglinie Air Berlin kooperiert und den gesamten Europaverkehr von der Fluglinie abdecken lässt. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.05.2012, 17:35 Uhr
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47 Kommentare
Das Problem ist, dass deutsche Konzerne in Deutschland nur sehr sehr wenig Spielraum haben, um Ineffizienzen abzubauen. ist es in der Schweiz einfach ein Kinderspiel: Siehe Merck in Basel... , jeweils Allianz in der CH und jetzt die Swiss...
Und wenn alles nichts nützt, dann schickt der Herr Steinbrück vom grossen Kanton dann einfach die Kavallerie..
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Die spendefreudige Schweiz wird bestimmt, ihrer alten Gewohnheit folgend einige Milliönchen Fränklis locker machen. Ob jetzt das Scherflein einmal an die DB oder an die Lufthansa fliesst spielt keine Rolle. Hauptsache sei, wir dürfen Spenden? Antworten
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