Wirtschaft

Wie der Gripen-Deal die Schweizer Industrie beflügelt

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 02.12.2011 57 Kommentare

Saab kündigt ein Auftragsvolumen von mehr als drei Milliarden Franken für Firmen an. Wir erklären, wie das Gegengeschäft funktioniert.

1/8 Vorläufer des neuen Kampfjets der Schweizer Armee: Ein Gripen vom Typ Saab JAS 39 C/D, hier bei einem Testflug am 29. Juli 2008 in der Schweiz.
Bild: Sigi Tischler/Keystone

   

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Der Bundesrat hat beschlossen, 22 Kampfflugzeuge des Typs JAS-39 von der schwedischen Firma Saab (SAAB B 16.507 -2.02%) zu kaufen. Kostenpunkt: 3,1 Milliarden Franken. Diesen Preis bezeichnet das Eidgenössische Departement für Verteidigung (VBS) als «tragbar». Insbesondere deshalb, weil auch Unternehmen in der Schweiz profitieren würden. Das ist die Voraussetzung für die Vertragsunterzeichnung zwischen der VBS-Abteilung Armasuisse und Saab.

Der Kaufpreis von 3,1 Milliarden Franken muss demnach zu hundert Prozent über Gegengeschäfte, sogenannte Offset-Deals, kompensiert werden. An der Ausgestaltung der Offset-Geschäfte ist der Verband der Maschinen- und Metallindustrie (Swissmem) massgeblich beteiligt. Für die Kompenstion ist laut Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann ein Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen. In dieser Periode sollen zahlreiche Unternehmen über elf Branchen hinweg mit Aufträgen des schwedischen Rüstungsherstellers eingedeckt werden. Profitieren sollen etwa die Uhrenindustrie, Maschinenbauer, Luftfahrtunternehmen und die Forschungsabteilungen der Schweizer Hochschulen.

Zusätzliche Geschäfte

Die Aufträge sind völlig neue Geschäfte, die der Schweizer Wirtschaft zusätzlich zugutekämen. Pro ausgehandeltem Kompensationsgeschäft stellt Armasuisse sicher, dass 51 Prozent der Wertschöpfung im Inland bleiben. Liegt das Wertschöpfungspotenzial darunter, wird der Vertrag zurückgewiesen oder aufgelöst. Dazu hat Armaswiss die ausdrückliche Befugnis.

Ein Kaufpreis und Offset-Wert von insgesamt 3,1 Milliarden Franken bei einem inländischen Wertschöpfungsanteil von 51 Prozent bedeutet, dass 1,6 Milliarden Franken auf die Schweizer Industrie entfallen. Die anderen 49 Prozent bzw. 1,5 Milliarden Franken können auch ins Ausland fliessen. «Das kann zum Beispiel der Rohstoffanteil im Einkauf eines Schweizer Unternehmens sein», erklärt Zimmermann.

Doppelte Kompensation

Saab weist darauf hin, dass eine Kompensationsquote von 100 Prozent die Untergrenze sei. «Wir wollen ein Portfolio von 200 Prozent präsentieren», sagt Saab-Manager Richard Smith gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Das entspricht einem Auftragsvolumen von mehr als drei Milliarden Franken.

Der für die Vermarktung des Gripens in der Schweiz zuständige Regionalmanager hat bis Weihnachten einen dichten Terminplan. In den nächsten Wochen wird er in der Schweiz mit Vertretern der Politik, der Rüstungsfirmen Ruag und GRPM (Groupe Romand pour le Matériel de Défense et de Sécurité) sowie des US-Elektrotechnikgiganten General Electric zusammentreffen. In dieser Phase soll erörtert werden, wie die inländische Wertschöpfung zustande kommen sollen.

Schwer zu berechnen

Damit könnte der Deal ähnlich ausfallen wie im Nachbarland Österreich. Dort sehen die Gegengeschäfte mit dem europäischen Rüstungskonsortium EADS über einen Zeitraum von 15 Jahren ebenfalls die doppelte Kompensationsquote vom Kaufpreis für den Eurofighter vor. Ob der Deal in Österreich am Ende aufgeht, das ist seit 2003 Gegenstand heftiger innenpolitischer Debatten. Denn das Problem solcher Deals ist generell, dass sie sich nur schwer beziffern lassen. Die Kombination aus Warenabnahmen, Technologietransfers und der Schaffung von Arbeitsplätzen gehört zu den Kernpunkten eines solchen Gegengeschäfts.

Für die Schweiz rechnet Zimmermann jedenfalls nicht nur mit mehr Aufträgen und mindestens hundert Prozent Kompensationsquote, sondern auch mit neuen Arbeitsplätzen. Denn: «Die Kapazitätsauslastung der Schweizer Industrie liegt bereits heute bei 90 Prozent. Für die Aufträge aus Schweden müssten sowohl zusätzliche Kapazitäten als auch Jobs geschaffen werden, um das Pensum zu bewältigen», erklärt der Swissmem-Sprecher. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2011, 19:12 Uhr

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57 Kommentare

christian mueller

01.12.2011, 17:15 Uhr
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1. die kompensationsgeschäfte der FA18 unterschritten 50% deutlich. 2. wenn ein flugzeug kaufen mehr geld bringen würde, als es kostet, dan sollte die schweiz ja nur noch flugzeuge kaufen. 3. wenn man das geld direkt in die schweizer wirtschaft pumpen würde, hülfe man den menschen in diesem mehr, und das erst noch langfristig. 4. sind kompensationsgeschäfte der letze schrei des 'freien' marktes? Antworten


Thomas Meier

01.12.2011, 17:23 Uhr
Melden 88 Empfehlung 0

Was für eine sinnlose Argumentation. Die Jets sind dann einfach eine Subvention für einzelne Bereiche der CH Wirtschaft, aber wer sagt, dass das ausgerechnet die besten Bereich sind? Das bezweifle ich schwer. Da investieren wir lieber in Forschung und neue Technologien als die Rüstungsindustrie. Die sollte CH ohnehin besser ab- als aufbauen... Antworten



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