Wem ein Tamoil-Boykott in der Schweiz wirklich schadet
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 26.10.2009
«Ein Schweizer Unternehmen»: Ein Arbeiter kontrolliert Ölfässer in der Tamoil-Raffinerie in Collombey. (Bild: Keystone)
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Geduld und Vernunft haben nichts gebracht. Noch immer sitzen die zwei Schweizer Geschäftsleute in Libyen fest. Kein Wunder, fordert man in der Schweiz eine härtere Gangart. Auch die Stimmen, die ein Boykott der Schweizer Tamoil-Tankstellen fordern, werden wieder lauter. So forderte kürzlich SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, nicht mehr bei Tamoil zu tanken. Und unter Stop-kleber.ch verkaufen gar Privatpersonen Sticker mit einem Boykott-Aufruf.
Bei Tamoil Suisse hat sich der Widerstand aber noch nicht in den Absatzzahlen manifestiert: «Die Kunden wissen, dass es sich bei Tamoil Suisse um ein Schweizer Unternehmen handelt. Und dass unsere Angestellten nicht politisch handeln», sagt Sprecher Laurent Paoliello.
Kein Kontakt zu Libyen?
Es bestehe kein Kontakt zwischen der Tamoil Suisse und dem libyschen Staat. «Die Tamoil Suisse S.A. gehört zu 100 Prozent der Oilinvest Netherlands B.V. », erklärt Paoliello. Was er verschweigt: Diese befindet sich wiederum in der Hand des libyschen Staates.
Zwar sollte 2007 die amerikanische Investmentfirma Colony Capital dem libyschen Staat für 5,4 Milliarden Dollar einen 65-Prozent-Anteil an der Ölfirma Oilinvest abkaufen. Der Deal kam aber nie zustande.
Dennoch sprechen weitere Gründe dafür, dass ein Tamoil-Boykott nur über Umwege Libyen treffen könnte. So wurde laut der Schweizer Erdölvereinigung 2009 gar kein Öl mehr aus Libyen in die Schweiz exportiert. Und auch wenn: Die zwei Schweizer Raffinerien werden aus verschiedenen Ländern beliefert. Die Folge: Es entsteht ein Rohöl-Mix aus den unterschiedlichsten Herkunftsnationen. «Wir können Rohöl beziehen, von wo wir wollen», sagt denn auch Tamoil-Sprecher Paoliello.
Schwieriger Boykott
Ferner gehen nur 20 Prozent des in der Tamoil-Raffinerie in Collombey aufgewerteten Erdöls an die Tamoil Tankstellen. Der grosse Rest verteilt sich auf andere Anbieter wie Shell oder Migrol. Wer also libysches Erdöl boykottieren will, darf auch an keiner anderen Tankstelle Benzin zapfen.
«Ein Boykott gestaltet sich schwierig», weiss denn auch Paoliello. Selbst wenn die Raffinerie stoppte, würde man damit nur Schweizer Arbeitsplätze gefährden, meint er. Tamoil betreibt in der Schweiz rund 330 Tankstellen und beschäftigt zirka 1500 Mitarbeiter. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2009, 15:07 Uhr
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