Weko könnte sich bald Händler vorknöpfen
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 15.08.2011 75 Kommentare
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Die Opferrolle des Detailhändlers Coop stösst den Wettbewerbshütern sauer auf. «Wir haben gesagt, die grossen Detailhändler wie Coop und Migros können sich sehr wohl zur Wehr setzen, sie müssen es nur wollen. Diese Milliardenkonzerne haben schon eine gewisse Verhandlungsmacht. Auf einem Markt wie der Schweiz hat das Auslisten eines Produkts durch einen grossen Detailhändler grosse Wirkung», sagt Patrik Ducrey, Sprecher der Wettbewerbskommission (Weko).
Händler müssten Daten liefern
Die Weko habe in einem Brief die beiden Grosshändler Coop und Migros ersucht, die ihre Bezugskonditionen offenzulegen. Sonst könne man gegen Lieferanten nicht tätig werden, weil es dazu den Verstoss gegen das Kartellgesetz in Form einer Abrede oder eines Ausnützens einer marktbeherrschenden Stellung brauche. Andernfalls könne man auch keine Hausdurchsuchungen bei Importeuren und Lieferanten durchführen.
Damit die Weko einen allfälligen Marktmissbrauch der Markenlieferanten untersuchen kann, müssten die beiden Detaillisten umfangreiche Daten dazu liefern. Tun sie dies, dann müssten sich die Detaillisten allerdings auch in die Bücher schauen lassen. Und das wollen Coop und Migros tunlichst vermeiden, meinen Branchenkenner.
Darüber hinaus könnten die Überprüfungen für die Detaillisten zum Problem werden, weil die Weko explizit nicht ausschliessen will, dass auch die Händler von den aktuellen Währungsgewinnen profitieren. Eine Studie von Promarca aus dem Jahr 2010 belegt, dass Schweizer Detailhändler eine der höchsten Bruttomargen Europas haben. Der Studie zufolge betrage die Marge allein beim Detailisten Coop rund 34 Prozent.
Markenhersteller überrascht
In der bisherigen Diskussion um die Weitergabe von Währungsvorteilen an die Konsumenten hat Coop den Grund für die hohen Preise stets auf die Importeure abgewälzt. «Seit Monaten fordern wir von unseren Lieferanten, ihre Wechselkursgewinne über Preissenkungen an unsere Kunden weiterzugeben. Viele Grosskonzerne und Importeure weigern sich heute, dieser Forderung nachzukommen», heisst es in einer Mitteilung des Detailhändlers. In einer ersten Reaktion hat Coop 95 Markenartikel aus dem Sortiment genommen, darunter Produkte von Herstellern wie L'Oréal, Mars oder Ferrero.
Die Hersteller wurden offenbar überrascht: L' Oréal etwa nimmt die Reaktion von Coop «zur Kenntnis». Und fügt hinzu: «Im Zusammenhang mit dem starken Schweizer Franken haben wir unsere Rabatte und somit die Lieferpreise an den Handel bereits deutlich verbessert.» Der Kosmetikkonzern wolle «in voller Transparenz» mit dem Handel «faire Preise» für die Verbraucher anbieten. Mars sagt zu den «laufenden Verhandlungen» nichts. Nur soviel: «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Handelspartnern auch im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine konstruktive Lösung anstreben und finden können.»
Bis es so weit ist, hat auch die Migros angekündigt, beim Auslisten einzelner Markenprodukte mitzuziehen. Eine Entscheidung dazu soll es laut Migros-Sprecher Urs Peter Naef in den nächsten Tagen geben. Zwischen den beiden grössten Schweizer Detailhändlern gibt es allerdings einen gravierenden Unterschied: Coop führt ungleich mehr Markenartikel im Sortiment als die Migros, die daher weit weniger davon betroffen ist. Mehr als 90 Prozent des Migros-Sortiments sind Eigenmarken, nur etwa zehn Prozent sind Markenprodukte oder Exklusivmarken.
Discounter bleiben verschont
Derweil lacht sich der Discount-Handel ins Fäustchen. «Wir führen fast ausschliesslich Eigenmarken. Eine Diskussion über die Vergünstigung von bestimmten Markenartikeln berührt uns deshalb nur am Rande», sagt etwa Aldi-Schweiz-Sprecher Sven Bradke. Ungeachtet der aktuellen Preisdebatte habe Aldi in der Schweiz im vergangenen Jahr über das gesamte Sortiment einen Preisnachlass gegeben. Das sei für Discounter leichter durchzuführen, weil der Einkauf über das eigene Verteilernetz erfolge und die Discounter nicht auf die Markenlieferanten angewiesen seien.
Damit alle Schweizer Detaillisten nicht nur von einem Importeur abhängig sind, will der Bundesrat in seiner wöchentlichen Konferenz das Wettbewerbsrecht erneuern. Das soll es den Konzernen ermöglichen, künftig eigenständig im Euroraum einzukaufen, ohne von nur einem Importeur die Waren beziehen zu können, so lautet ein mögliches Verhandlungsziel.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.08.2011, 19:33 Uhr
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75 Kommentare
Solange Schneider-Ammann`s Familienmitglieder Währungsgewinne von bis zu 192% einstreichen können, solange wird sich der Bundesrat keinen deut um dieses Geschäft kümmern, ganz nach der Devise, zuerst füllen wir unseren Sack, dann kommen eventuell die andern dran. Antworten
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