Wirtschaft

Weko ermittelt in fünf Fällen

Aktualisiert am 24.04.2012

Viele Unternehmen geben die Währungsvorteile immer noch nicht an ihre Schweizer Kunden weiter, klagt die Wettbewerbskommission. Derzeit laufen mehrere Verfahren, unter anderem gegen BMW und Jura.

Die Schweizer Kunden benachteiligt: Der Autohersteller BMW steht im Fokus der Weko.

Die Schweizer Kunden benachteiligt: Der Autohersteller BMW steht im Fokus der Weko.
Bild: Keystone

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Von den Wechselkursvorteilen durch die Frankenstärke profitieren die Schweizer Konsumenten erst teilweise. Weil die Preisdifferenzen nach wie vor gross seien, will die Wettbewerbskommission (Weko) weiterhin für Druck sorgen.

Derzeit laufen fünf Verfahren der Weko wegen fehlender Weitergabe von Währungsvorteilen. Betroffen sind der Autohersteller BMW, der Musikvertrieb, die Garantiepolitik der Kaffeeautomaten-Herstellerin Jura, Kosmetikprodukte sowie der Sanitärgrosshandel, wie die Weko an ihrer heutigen Jahresmedienkonferenz in Bern mitteilte.

Bereits mit 12,5 Millionen Franken gebüsst wurde der japanische Kamerahersteller Nikon, weil er Parallelimporte behindert und damit den Schweizer Markt abgeschottet hat. In Sachen Frankenstärke leitete die Weko zudem 6 Vorabklärungen und 14 Marktbeobachtungen ein, unter anderem wegen der Preispolitik der Sportartikel- Produzenten Adidas und Nike.

Viele Beschwerden unbegründet

Bei der Weko gingen rund 400 Meldungen von Konsumentinnen und Konsumenten sowie Unternehmen ein, die sich über nicht gewährte Preisreduktionen trotz veränderter Wechselkurse beschwerten. Davon betrafen 56 Kleider, 47 Zeitschriften und 42 Autos respektive Motorräder.

94 Prozent der Meldungen seien beantwortet oder - insbesondere im Fall der Zeitschriften - an den Preisüberwacher weitergeleitet worden. Viele Beschwerden seien unbegründet gewesen. So stellte die Weko laut Jahresbericht etwa bei Nivea-Creme weniger hohe Preisdifferenzen fest, als geltend gemacht wurden.

Einkaufstourismus machte Druck

Die Lage habe sich durch den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken zwar etwas entschärft, hielt Weko-Direktor Rafael Corazza fest. So sanken die Importpreise bis November 2011 verglichen mit Dezember 2009 im Schnitt um 6 Prozent. «Wir haben aber nach wie vor grosse Preisdifferenzen», sagte Corazza. Weitere Verfahren seien möglich.

Der Einkaufstourismus im Ausland habe notwendigen Druck auf die einheimischen Preise ausgeübt, sagte Corazza. So seien bei den Autos nach einem gewährten Euro-Bonus verbreitet die Listenpreise gesenkt worden. Auch hätten ausländische Markenartikelhersteller ihre Preise im Schweizer Detailhandel gesenkt, teils nach vorübergehender Verbannung aus den Regalen.

Vorsorgliche Massnahmen gegen Swatch

Stark beansprucht wurde die Weko im letzten Jahr auch bei den Kooperationen zum Bau und Betrieb von Glasfasernetzen. Die meisten Vorhaben zwischen den Elektrizitätswerken und der Swisscom seien gemäss den Einwänden der Weko zugunsten der Konsumenten angepasst worden, hiess es. Bei einzelnen Kooperationen sind die Diskussionen noch im Gang.

Weko-Präsident Vincent Martenet strich zudem die verhängten Bussen gegen 17 Unternehmen hervor, die sich bei öffentlichen Aufträgen im Strassen- und Tiefbau im Kanton Aargau abgesprochen haben. Bei Uhrwerken habe die Weko mit vorsorglichen Massnahmen gegen die Swatch Group den Wettbewerb geschützt.

Mit einer Untersuchung gegen Electrolux und V-Zug hätten die Wettbewerbshüter die Grundlage für weitere Verfahren gegen die Beschränkung des Online-Handels gelegt, sagte Martenet weiter.

Seit Februar läuft zudem die bislang wohl komplexeste Untersuchung: Die Grossbanken UBS und CS sollen zusammen mit zehn ausländischen Instituten die Referenzzinssätze LIBOR und TIBOR sowie Derivate manipuliert haben. (fko/sda)

Erstellt: 24.04.2012, 17:23 Uhr

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