Wirtschaft

Weitere 310 Millionen für Swissair-Gläubiger

SAirGroup-Sachwalter Karl Wüthrich hat über den neusten Stand seiner Arbeit informiert. Es gibt wieder Geld für die Gläubiger und der Preis für die Marke Swissair ist bekannt.

Gut acht Jahre nach dem «Grounding» der Swissair hat der Liquidator des einstigen Holdinggesellschaft SAirGroup, Karl Wüthrich, am Mittwoch ein weiteres Mal über den Stand seiner Arbeiten orientiert. Daraus geht hervor, dass die bisher abgeschlossenen Anfechtungsverfahren nach Abzug der Kosten der SAirGroup in Nachlassliquidation rund 310 Millionen Franken eingebracht haben. Mit diesen so genannten paulianischen Anfechtungsklagen werden im Sinne einer Gleichbehandlung der Gläubiger Zahlungen zurückgefordert, die noch kurz vor dem Zusammenbruch der Swissair im Herbst 2001 geflossen sind.

Weitere Anfechtungsverfahren sind noch hängig, so etwa die Klage gegen die Fortis Banque, wie aus dem Schreiben an die SAirGroup-Gläubiger hervorgeht. Das Zürcher Handelsgericht hatte am vergangenen 2. März die Anfechtungsklage für eine Zahlung an die Fortis Banque vom 27. September 2001 - fünf Tage vor dem Swissair-»Grounding» am 2. Oktober 2001 - von 39,6 Millionen Franken gutgeheissen. Die Bank hat diesen Entscheid an das Kassationsgericht und das Bundesgericht weitergezogen. Das Kassationsgericht hat noch nicht entschieden, und bis dahin bleibt das Verfahren beim Bundesgericht sistiert.

Klage wegen Kapitalspritze an Sabena

Hängig sind auch Verantwortlichkeitsansprüche, wie Wüthrich weiter festhält. Dazu gehört die Schadenersatzklage gegen zehn ehemalige Verwaltungsratsmitglieder der Luftverkehrsholding SAirGroup wegen einer Kapitalspritze von 150 Millionen Euro an die belgische Sabena von Anfang 2001. Das Bezirksgericht Zürich hatte diese Klage im Juni 2009 abgewiesen, die SAirGroup hat diesen Entscheid beim Obergericht des Kantons Zürich angefochten.

Ebenfalls vor dem Zürcher Obergericht hängig ist ein Freispruch des Bezirksgerichts im Zusammenhang mit der Roscor-Transaktion. Es geht dabei um die im Dezember 2000 erfolgte Fusion der überschuldeten SAirLines mit der Roscor, die am elektronischen Flugreservationssystem Galileo beteiligt war. Die Roscor war eine SAirGroup-Tochtergesellschaft, erhielt aber bei der Fusion keine Gegenleistung von SAirLines.

Verkauf der Marke Swissair

Die definitiven Nachlassdividenden der SAirGroup, der SAirLines und der Swissair stehen laut Wüthrich nach wie vor nicht fest. Den SAirGroup-Gläubigern mit anerkannten Forderungen in der 3. Klasse im Nachlassverfahren winkt aber eine zweite Abschlagszahlung von 2,1 Prozent. Die Auszahlungen laufen frühestens Ende Monat an. Wegen der zahlreichen Gläubiger werde das Prozedere einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wüthrich gab in weiteren Details zum Ende 2008 vereinbarten Verkauf der Marke Swissair an die Swiss bekannt. Die Übertragung der Rechte erfolgt im Rahmen einer Forderungsverzichtsvereinbarung, die auf der Basis des aktuellen Kenntnisstandes mindestens sieben Millionen Franken bewertet wird. Weil trotz mehrerer Versuche kein Käufer für die Marke Swissair gefunden worden sei, der einen höheren Betrag bezahlt hätte, sei das Ergebnis als angemessen zu bezeichnen, hält Liquidator Wüthrich fest. (cpm/sda/)

Erstellt: 02.12.2009, 14:13 Uhr

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