Wirtschaft

Was den Grossbanken aus Basel droht

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 09.09.2010 5 Kommentare

Ob die Schweizer Grossbanken gut kapitalisiert sind, hängt von umstrittenen Definitionen ab. Die geplanten neuen Vorschriften lassen sie deutlich schlechter aussehen. Eine Klärung im Begriffswirrwarr.

Wo am Sonntag entschieden wird, wie gut die Banken aussehen: Hauptsitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.

Wo am Sonntag entschieden wird, wie gut die Banken aussehen: Hauptsitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.
Bild: Keystone

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Die konkreten Zahlen zu den neuen Kapitalvorschriften aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel liegen offenbar auf dem Tisch. Sie werden das neue Regelwerk Basel III für die Banken weltweit begründen. An diesem Sonntag werden Vertreter der Zentralbanken und der nationalen Aufsichtsbehörden diese Vorschläge in Basel debattieren und Beschlüsse fassen.

Die Definition, was als Eigenkapital zu gelten hat und wie viel davon mindestens gehalten werden muss, sollen mit den neuen Regeln deutlich verschärft werden. Der Zweck: Die Banken sollen in einer nächsten Krise über mehr Puffer verfügen, um Verluste zu absorbieren. Eine Rettung durch den Staat wird damit weniger wahrscheinlich.

Der Teufel steckt im Detail

Doch diese höheren Puffer bedeuten, dass die Banken sich viel mehr Mittel beschaffen müssen. Dadurch sinkt ihre Eigenkapitalrentabilität, da sich ihr Gewinn auf eine grössere Summe an Eigenkapital bezieht. Die Banken haben daher bereits mit volkswirtschaftlichen Nachteilen gedroht. Die künftig niedrigere Eigenkapitalrentabilität ist allerdings bloss Ausdruck davon, dass die Banken weniger gefährdet sind. Risikobereinigt ändert sich daher weder für Banken noch für ihre Kapitalgeber etwas, ausser, dass sie beide die implizite Subvention der Steuerzahler verlieren: In Form der faktischen Staatsgarantie im Krisenfall. Die höhere Sicherheit soll ausserdem laut Studien der BIZ mittelfristig sogar positive Wachstumswirkungen auf die Volkswirtschaft haben.

Ein Problem der ganzen Auseinandersetzung ist, dass das Eigenkapital der Banken keine einheitliche Grösse ist. Es existieren eine ganze Reihe von Definitionen, mit sehr unterschiedlicher Bedeutung für das Bild, dass sie über den Gesundheitszustand eines Finanzinstituts vermitteln. So betonen zum Beispiel die beiden Schweizer Grossbanken bei jeder Gelegenheit, dass sie in Bezug auf ihre ausgewiesene Kapitalquote international zur Spitze gehören. Gleichzeitig hat die Schweizerische Nationalbank in ihrem Bericht zur Finanzmarktstabilität geschrieben, die beiden Grossbanken würden nach einer anderen Betrachtung international betrachtet unterdurchschnittlich mit Kapital ausgestattet sein.

Die Kapitalstärke hängt von der Definition ab

Setzen sich die herumgereichten vorgeschlagenen neuen Kapitaldefinitionen der BIZ tatsächlich durch, müssten laut einer Berechnung der «NZZ» beide Grossbanken Kapital im Umfang von 25 bis 30 Milliarden Franken aufnehmen, um diese Standards zu erfüllen. Ihren Spitzenplatz an Kapitalstärke würden sie dadurch verlieren. Weil die Schweizer Regulierungsbehörden wegen dem überdurchschnittlich grossen Risiko, das ein Konkurs einer Grossbank für die Schweizer Wirtschaft zur Folge hätte, die Kapitalvorschriften darüber hinaus verschärfen wollen, wird der Kapitalbedarf noch höher ausfallen.

Die Unklarheit über die Eigenkapitalquoten ist von zwei Definitionen abhängig. Von jener, was vom Anlagekapital (den Aktiven) in die Berechung einfliesst und von jener, was zum Eigenkapital der Bank gezählt wird. In der Regel wird nicht auf den gesamten Anlagebestand abgestellt, sondern es werden nur gefährdete Posten erfasst und diese nach dem Risiko gewichtet. Das Eigenkapital selbst wird nach mehreren Stufen (Tier) unterschieden. Wobei in der Praxis das Tier-1-Kapital, das so genannte Kernkapital, mit Abstand die grösste Bedeutung hat.

Ohne Hybridkapital sieht alles anderes aus

Das Tier-1-Kapital umfasst erstens das klassische Aktienkapital, das die Anleger in die Bank einbezahlt haben, plus die einbehaltenen Gewinne. Dazu kommen noch einige sogenannt «hybride», schuldähnliche Positionen, bei denen man bis zur Krise davon ausging, dass sie die gleiche Funktion haben, wie das klassische Eigenkapital: Insbesondere dass sie – anders als das rückzahlbare Fremdkapital (Kredite und Depositen) – für Verluste der Bank geradezustehen haben. Das Verhältnis dieses Tier-1-Kapitals zu den risikogewichteten Anlagen ergibt das bisher wichtigste Eigenkapitalverhältnis der Banken: die Tier-1-Ratio, beziehungsweise die Kernkapitalquote.

Je nachdem, wie man nun die Gewichtungen der Anlagen ändert oder welche «hybriden» Kapitalbestandteile man zum Tier-1-Kapital zählt, verändert sich die Kernkapitalquote – teilweise sogar dramatisch. Die schlechtere Eigenkapitalposition der Grossbanken im Stabilitätsbericht der Nationalbank ergibt sich zum Beispiel daraus, dass sie das Tier-1-Kapital ins Verhältnis zum gesamten, also nicht risikogewichteten Kapital gesetzt und dieses Verhältnis dann international verglichen hat.

Wie die Eigenkapitalquote von 16 auf unter 6 Prozent fällt

Die Basel-III-Regeln setzen gleich an mehreren Enden an. Die Risikogewichtung des Anlagevermögens der Banken soll strenger ausfallen, so dass die Anlagesumme der Banken steigt, zu denen das Eigenkapital ins Verhältnis gesetzt wird. Andererseits soll aber auch das Tier-1-Kernkapital enger gefasst werden und weniger «hybrides» Kapital mitgezählt werden dürfen. Immer mehr findet zum Beispiel der Begriff «Core Tier 1» Beachtung. Zu Deutsch: «hartes Kernkapital». Hier wird nur noch das klassische Eigenkapital gemessen: Das Aktienkapital und die einbehaltenen Gewinne.

Das höher bewertete Anlagekapital und das enger gefasste Kernkapital lassen beide die ausgewiesene Kapitalquote schrumpfen. Zudem soll die Kernkapitalquote, die eine Bank mindestens einhalten muss, auch noch erhöht werden (siehe Artikel zum Thema). Laut der Rechnung der «NZZ» würde die hohe Kernkapitalquote der beiden Grossbanken von aktuell 16 Prozent mit den neuen Regeln bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) auf 6 Prozent und bei der CS noch tiefer und damit unter die neuen Erfordernisse von Basel III fallen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2010, 15:01 Uhr

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5 Kommentare

Ernst Strickler

09.09.2010, 15:34 Uhr
Melden

Wie Helmut Kohl immer zu sagen pflegte: Entscheidend ist was hinten dabei rauskommt! Das wird jetzt anscheinend noch verdaut. Antworten


Reto Huber

09.09.2010, 16:05 Uhr
Melden

Banken sind und waren immer unnötig auch als sie noch seriös gearbeitet haben. Es hätte sich ja die Erkenntnis durchsetzen können, dass der Geldverkehr und die Kreditvergabe wirtschaftlich zu wichtig sind als dass diese Geschäfte in private Hände gehören. Aber die Chance wurde von der Politik nicht gepackt. Warum wohl ??? Antworten



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