Warum die Swatch-Gruppe besser ist als die Konkurrenz

Von Nicole Tesar. Aktualisiert am 12.03.2010

Konzernchef Nick Hayek bewahrte im Krisenjahr Ruhe. Er liess seine Mitarbeiter fürs Lager produzieren, anstatt sie zu entlassen. Dank stabilem Personalbestand ist man nun für den Aufschwung gerüstet.

Es ist schon erstaunlich. Das Krisenjahr 2009 liegt noch nicht lange zurück, und schon steuert der weltgrösste Uhrenkonzern auf ein Rekordjahr zu. Swatch profitiert deutlich stärker von der weltweit anziehenden Nachfrage als die Konkurrenz. Die gesamte Uhrenbranche legte bei den Verkäufen in der Schweiz im ersten Monat nur leicht zu. Die Swatch-Gruppe hingegen weist für die Monate Januar und Februar «Wachstumszahlen im hohen einstelligen Bereich» aus – und das erst noch im Vergleich zum Rekordjahr 2008, wie Swatch-Konzernchef Nick Hayek gestern vor den Medien in Biel sagte. Das ambitiöse Ziel für das laufende Jahr lautet: «Wir streben einen Rekordumsatz und einen Rekordgewinn an.»

Die Kennzahlen für das letzte Jahr publizierte die Swatch-Gruppe bereits im Februar. Die Umsätze brachen bei Swatch markant weniger stark ein als beim Gesamtmarkt. Trotz Wirtschaftskrise und Umsatzrückgang kam es bei der Swatch-Gruppe nicht zu Massenentlassungen. Der Personalstock blieb stabil. Die Führungscrew liess sich nicht verunsichern durch die Rezession. Hayek bewahrte kühlen Kopf und warnte vor Überreaktionen. Derweil Konkurrenten wie Cartier (Richemont) Kurzarbeit einführten und es im Jurabogen zu massiven Kündigungen in der Uhrenindustrie kam – etwa bei Frank Muller, Zenith, Roger Dubuis oder Ebel –, versprühte Hayek Optimismus.

Trotz Krise kaum Kurzarbeit

Ganz verschont blieb Swatch jedoch nicht von Kurzarbeit. Betroffen war die Swatch-Tochter Universo, die in La Chaux-de-Fonds Zeiger produziert. Jedoch nicht für lange. Gerade einmal für drei Monate reduzierte man die Arbeitszeit für 285 der 350 Beschäftigten.

«Um die Leute zu halten, produzierten wir mehr für eigene Marken und für das Lager», so Hayek. «Das ging zulasten der Margen», aber das sei «akzeptabel». Zudem habe man Neuentwicklungen schneller vorantreiben können. Damit verfüge Swatch über eine volle Pipeline für die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, die kommende Woche beginnt. Für die bereits einsetzende Erholung in der Uhrenbranche ist Swatch nun bestens gerüstet. Die Fachleute bekleiden immer noch ihre Stelle – die Gruppe muss kein Geld in die Ausbildung neuer Arbeitskräfte investieren.

Zugute kommt der Swatch-Gruppe mit Sitz in Biel zudem, dass sie mit den 19 Marken von der günstigen Swatch-Uhr bis zur Luxusmarke Omega in allen Preissegmenten vertreten ist. Eine Swatch kostet zwischen 50 und 200 Franken. Im obersten Segment klettern die Preise massiv. Beim Berner Uhren- und Schmuckgeschäft Gübelin ist gegenwärtig eine Breguet für 55 000 Franken im Laden erhältlich. Die teuerste Omega-Uhr im Geschäft hat einen Preis von über 20 000 Franken. Je nach Rohstoff klettern die Preise in Höhen von mehreren Hunderttausend Franken. Nebenbei: Swatch verarbeitet jährlich 10 Tonnen Gold. Der gestiegene Goldpreis führe dazu, dass Swatch die Preise erhöhen werde, so Hayek.

Swatch setzte früh auf China

Die Swatch-Gruppe ist in über 50 Ländern tätig. Diese Diversifikation hilft, die temporären Schwankungen in den einzelnen Segmenten und Ländern auszugleichen. Besonders profitiert der Konzern davon, dass er – anders etwa als Rolex – sehr früh auf China gesetzt hat. Hayek hat den Ausbau dort stark vorangetrieben. Inzwischen dürfte die Bieler Gruppe jeden fünften Umsatzfranken in China machen – und sie profitiert davon, dass der chinesische Markt von der Krise kaum betroffen war.

Mit 750 eigenen Verkaufsstellen weltweit verfügt Swatch über ein gutes Sensorium für Branchen-Trends. Täglich erfährt Hayek für jede eigene Verkaufsstelle die Zahl der verkauften Uhren samt Rabatten. Das hilft – gerade in Krisenzeiten –, auf dem Boden der Realität zu bleiben. (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2010, 10:33 Uhr

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