Wirtschaft

Warum die Börsen absacken

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 23.04.2012 41 Kommentare

Europäische Indizes sinken um mehrere Prozente, das Vertrauen in die Wirtschaft sinkt. Braut sich an den Märkten ein neuer Sturm zusammen?

Konjunkturempfindliche Branchen müssen europaweit Stärke beweisen – die Börsen misstrauen der Leistungsfähigkeit der Realwirtschaft: Ein betrübter Händler in Frankfurt. (Archivbild)

Konjunkturempfindliche Branchen müssen europaweit Stärke beweisen – die Börsen misstrauen der Leistungsfähigkeit der Realwirtschaft: Ein betrübter Händler in Frankfurt. (Archivbild)
Bild: Keystone

Dax

  • Dax
[Alt-Text]

SMI

  • SMI
[Alt-Text]

Artikel zum Thema

Bildstrecke

So sah der Aufwärtstrend 2011 aus - kann sich das wiederholen?

So sah der Aufwärtstrend 2011 aus - kann sich das wiederholen?
Treiber für die Börsenhausse waren Konjunktur- und Unternehmensdaten sowie geldpolitische Massnahmen der EZB und des Fed.

Teilen und kommentieren

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Kurz währte das Frühlingslüftlein, das die Konjunktursorgen der europäischen Wirtschaft seit Anfang Jahr verfliegen liess. Jetzt stehen die Zeiten wieder auf Sturm: Sämtliche Aktienindizes, Unternehmenstitel und Bankaktien sind tiefrot. Der Euro-Stoxx ist um mehr als zwei Prozent gesunken, der Euro-Stoxx-Bankenindex sogar um mehr als vier Prozent. Die Preise für Industriemetalle sackten ab wie etwa bei Kupfer, weil China das Metall aufgrund schlechterer Konjunkturaussichten weniger nachfragt. Gold gab nach, weil der Dollar wieder steigt.

Getrübte Aussichten

«Der Geschäftsklimaindex für Frankreich sieht nicht gut aus», sagt Jan Amrit Poser, leitender Volkswirt der Bank Sarasin. Und: «Die Einkaufsmanagerindizes der Wirtschaftslokomotive Deutschland sowie der gesamten Eurozone sind auch besorgniserregend.» Zudem stecke Spanien in der Rezession. Sind das die Vorboten einer neuen Abwärtsspirale in Europa?

Die Ökonomen beantworten diese Frage mit einem «Jein»: Chefvolkswirt David Kohl von der Bank Julius Bär bestätigt, dass es «in Teilbereichen» um Europas Wirtschaft nicht gut bestellt ist. Spanien ist innert kurzer Zeit zum Sorgenkind Europas avanciert und hat Italien abgelöst. Allerdings müsse man dem Land zugutehalten, dass sich dessen Handelsbilanz wieder zu erholen beginnt. «Vom Rekordtief zur bald fast ausgeglichen Bilanz.» Und Italien ist zwar Netto-Importeur, dies aber hauptsächlich wegen der Energieeinfuhren. «Wenn man diese herausrechnet, steht auch Italien nicht so schlecht da.»

Frankreich hingegen könnte noch weit mehr Probleme bekommen, als es heute schon hat. «Das Land ist ein Spezialfall», meint Kohl, «die Verschuldung der öffentlichen und privaten Haushalte ist in eine Schieflage geraten.» Da sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Zinsen für den Staat empfindlich steigen.

Zusätzlich getrübt wird das konjunkturelle Umfeld durch eine Regierungskrise in den Niederlanden, das als eines der wenigen Euro-Kernländer gilt, sowie eine gescheiterte Regierung im EU-Land Tschechien. Zuguterletzt sind Zinsen für irische Staatsanleihen wieder auf Werte jenseits der Schmerzgrenze von sechs Prozent geklettert. Keine guten Voraussetzungen also, Europas Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen, die Arbeitslosigkeit erfolgreich zu drücken oder die weitere Flucht in den Schweizer Franken zu bremsen.

Ökonomen einig

Laut Vontobel-Chefökonom Ralf Wiedenmann ist die Zeit reif für eine Korrektur der Konjunkturaussichten. Auch Bär-Ökonom Kohl spricht von einer Konsolidierung, die seit Anfang Jahr erwartet wird: «Der Aufschwung der vergangenen Monate fand an den Börsen statt. Das muss die Realwirtschaft jetzt erst einmal liefern.» Dass dies in Zweifel gezogen werde, wird nun anhand der Negativentwicklung an den Börsen deutlich.

Den Teufel an die Wand malen will Wiedenmann deswegen nicht: «Griechenland hat die grössten Abschreiber hinter sich. Und Grossbritannien und die USA kommen bei der Staatskonsolidierung ähnlich schlecht voran wie einzelne Staaten der Eurozone.» Er glaubt, dass es zu einem Paradigmenwechsel kommen wird: «Die Budgetkonsolidierung wird als nicht mehr so dringlich gewertet werden. In einer Rezession ist das nämlich Selbstmord.» Auch die Wahlen in Frankreich will er nicht überbewerten: «Eine mögliche Wahl Hollandes zum Staatspräsidenten wird vielleicht kurzfristig zu Turbulenzen führen, aber das Rad wird auch er nicht neu erfinden.»

Ein Problem bleibt die mangelnde Feuerkraft des Euro-Rettungsschirms: Dieser reicht nach wie vor nicht für Italien oder Spanien, sagt Jan Amrit Poser. Für ihn waren die bisher wirksamsten Massnahmen die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank. «Das war ein Game Changer, der bewirkte, dass Banken und Regierungen im Krisenfall nicht mehr gleichzeitig betroffen sind.» Möglicherweise ist der Zenit der Krise damit überwunden, meint der Sarasin-Ökonom. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.04.2012, 16:48 Uhr

41

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

41 Kommentare

Andre Studer

23.04.2012, 16:58 Uhr
Melden 65 Empfehlung 0

Gewinnmitnahmen heisst das einkassieren. Die Profis wissen eben dass die Geldmengen jeweils Strohfeuer entfachen, nutzen dies. Nur die TV hobby Spekulanten glauben den Parolen der Invesler. Die Staatsverschuldungen und abgewürgte Vollkswirtschaften lassen sich nicht schönschwätzen. Antworten


Frank Zuffnik

23.04.2012, 18:05 Uhr
Melden 31 Empfehlung 0

Hat jemand Erbarmen mit jenen die im Casino spielen, mit Geld, das sie nachweislich nicht zum Leben brauchen, was sich ja daran zeigt, dass es in irgendwelchen Anlagen gelandet ist und nicht gebraucht wurde? Gibts denn neuerdings ein Menschenrecht auf immerwaehrendes Wachstum und Gewinn? Gibts ein Gesetz, das uns nicht nur das garantiert was wir verdienen, sondern auch das was wir gerne haetten? Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Seit 15 Jahren steigt die Anzahl Ferienwochen für Arbeitnehmer leicht an. Profitieren Sie davon?




Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Alles für Abonnenten und Abonnentinnen

Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Genusswelt

Entdecken Sie Weine, Spirituosen, Zigarren und vieles mehr!

Benegast

Benegast® die erste ganzheitliche Marke für alle Verdauungsprobleme.