Wirtschaft
Warum der Chef ein Ausländer ist
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 04.04.2012 201 Kommentare
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Wer Ausländer ist und noch dazu gut ausgebildet, der hat gute Karten in der Schweiz. Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften ist hoch, das gilt insbesondere für Kaderpositionen. Die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte von global tätigen Industriekonzernen aus der Schweiz haben in den vergangenen Jahren einen massiven Zuwachs von Ausländern erfahren. Gemäss den Zahlen des Unternehmensberaters Guido Schilling aus dem Jahr 2011 ist der Anteil von Nicht-Schweizern in den Chefetagen seit 2006 von 36 Prozent auf 45 Prozent gestiegen. Fast die Hälfte der Konzernchefs sind keine Schweizer. Woran liegt das?
Ein Land, mehrere Sprachen
Einmal an den Sprachen, wovon die Schweiz gleich drei für das Wirtschaftsleben bedeutende auf ihrem Staatsgebiet vereint: Deutsch, französisch und italienisch. Somit haben nicht nur Schweizer Chancen am heimischen Arbeitsmarkt, sondern auch Franzosen, Italiener, Deutsche und Österreicher – allesamt Nachbarstaaten. Stéphane Garelli, Professor an der Universität Lausanne und 13 Jahre lang operativer Chef des World Economic Forum (WEF), spricht aus Erfahrung: «Ich bin in der Romandie tätig und kann sagen, dass eine Vielzahl der CEOs in der Romandie aus Frankreich kommt. Ähnliches gilt für Deutsche und Österreicher in der Deutschschweiz und für Italiener im Tessin.»
Aber nicht nur die Sprache qualifiziert Führungskräfte für die obersten Gremien in Schweizer Unternehmen. Auch auf einzelne Branchen bezogen gibt es gute Gründe: «Die meisten Geschäftsleiter von aufstrebenden IT-Firmen kamen lange Zeit aus Italien», sagt Garelli. In der Entstehungsphase dieser Branche brauchte es viele junge, fleissige und kreative Leute, um international nicht den Anschluss zu verlieren. «Im Gegensatz dazu sind die traditionellen Industrien in der Schweiz mehr prozessorientiert, wozu es einen pragmatischeren Zugang braucht.» Das wiederum locke zusätzlich zu den vorhandenen Schweizern Deutsche und Österreicher ins Land. «Wobei das natürlich Stereotypen sind, die je nach Entwicklungsstand der Branche zum Vorschein kommen.»
Nicht genügend Schweizer
Stefan Steger, seines Zeichens Österreicher und Geschäftsführer des Personalberaters Korn/Ferry Schweiz, fühlt sich wohl hier: «Die Schweiz ist ein angenehmer und attraktiver Lebensort. Und auch die Schweizer profitieren vom Arbeitskräfte-Austausch, der viel Know-how und Erfahrung ins Land bringt.» Steger findet, dass Österreicher von ihren kulturellen Eigenheiten her möglicherweise besser mit den Charakteristika der Schweizer umgehen können als zum Beispiel Deutsche.
Sörge Drosten, Geschäftsführer des grössten deutschen Personalberaters Kienbaum weiss, «wie unterschiedlich Deutsche und Schweizer sein können». Die gemeinsame Sprache alleine reiche nicht als einigendes Merkmal. «Deutsche Manager wirken oft sehr forsch und versäumen es manchmal, ihre sehr pragmatischen Anliegen sensibler zu kommunizieren und mehr auf der Beziehungsebene mit den Schweizer Kollegen zusammenzuarbeiten.» Das sollten deutsche Manager in der Schweiz seiner Ansicht nach unbedingt berücksichtigen.
«Die Welt ist grösser als sie selbst»
Nebst sprachlicher und kultureller Gemeinsamkeiten gibt es auch einen handfesten Grund für die wachsende Ausländerzahl in Führungsgremien: Es gibt schlicht nicht genügend Schweizer. Jedenfalls nicht genügend, um die vielen Kaderpositionen von so global aufgestellten Riesenkonzernen wie Nestlé, UBS oder Credit Suisse zu besetzen.
Die Geburtenrate der Schweizer hält mit der Wirtschaftsleistung des Landes nicht Schritt. Laut dem HSG-Forscher und Institutsleiter Winfried Ruigrok sind unter anderem deshalb die örtlichen Personalressourcen zu gering. Und: «Je internationaler ein Unternehmen agiert, desto mehr wird im Ausland rekrutiert. Die hochkarätigen Schweizer Bildungseinrichtungen allein können nicht so viele Uni-Abgänger produzieren, wie es Führungspersonal in den Weltkonzernen aus der Schweiz braucht.» Also suchen diese Konzerne ihr Personal international, was früher oder später dazu führt, dass ein Ausländer Teil der Unternehmensführung wird.
Dabei ist es nicht nur für die ausländischen Mitarbeiter eine Herausforderung, sich in das Land und das Unternehmen einzugliedern. Auch Schweizer Firmen gelingt es Ruigrok zufolge besser als etwa Unternehmen aus Deutschland, ihre ausländischen Kollegen zu integrieren. «Die Schweizer wissen um ihr kleines Land und verstehen oft besser, dass die Welt grösser ist als sie selbst.» Im Gegensatz zu den Deutschen, denen man gerne ein forscheres Verhalten unterstellt, seien die Schweizer konsensorientierter. «Das spart auch Kosten, weil die Eingliederung ausländischer Mitarbeiter hohe Investitionen in den Anpassungsprozess bedeutet.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.04.2012, 13:20 Uhr
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201 Kommentare
Ziemlich verlogen. Es gäbe genügend Nachwuchskräfte in der Schweiz. Es ist aber einfacher fixfertig erfahrene Manager aus dem Ausland sprich Deutschland einzustellen, als jemanden nachzuziehen. Zudem ist die Schweiz mit Ausländern bereits so unterwandert, dass diese solidarisch untereinander Jobs vergeben und Schweizer das Nachsehen haben. Vielleicht zu einfache Sicht für viele, aber Fakt. Antworten
Es gibt überhaupt keinen Grund, Chef von Ausland zu holen. Diese sind nicht kompetenter, sind nicht intelligenter und vor allem bei den Sozial-Kompetenzen sind sogar schlechter. Sehr oft sprechen diese nur eine Sprache (English). Sehr gerne würde ich eine nachvollziehbare Erklärung erhalten. Antworten
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