Wirtschaft

Vom Investmentbanker zum Ökobauern

Von Anita Merkt. Aktualisiert am 30.10.2012

Die destruktiven Seiten des Investmentbanking sind bereits mehrfach zutage getreten. Der massive Jobabbau bei der UBS bietet einer abgehobenen Zunft die Chance zum Nachdenken.

Die Jobchancen entlassener Investmentbanker stehen schlecht: Banker beim Bratwurstessen vor dem UBS-Hauptsitz in der Bahnhofstrasse.

Die Jobchancen entlassener Investmentbanker stehen schlecht: Banker beim Bratwurstessen vor dem UBS-Hauptsitz in der Bahnhofstrasse.
Bild: Keystone

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«Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spiesse zu Sicheln machen», weissagte einst der Prophet Micha. Eine vergleichbare Wandlung könnten zumindest einige der UBS-Investmentbanker durchmachen, die in den nächsten Jahren bei der UBS (UBSN 17.82 1.65%) ihren Job verlieren. Nach einhelliger Meinung von Personalexperten der Branche werden sich viele Investmentbanker umorientieren müssen. «Auf dem Platz Zürich wird es für den klassischen Händler eng», sagt Pascal Hahn, Headhunter und bei der Zürcher Jobwork Solution AG auf die Rekrutierung von Bankpersonal spezialisiert.

«Investmentbanker, die in der Corporate Finance tätig waren, können mit Glück in einem grossen Unternehmen wieder etwas finden. Andere müssen sich umorientieren und auf tiefere Gehälter einstellen», so Hahn. Der Frankfurter Personalberater Thomas Schüller von der Unternehmens- und Personalberatung Junges & Schüller geht davon aus, dass Investmentbanker auch ausserhalb von Zürich nur schwer eine neue Stelle finden werden. «Die UBS ist zwar stärker betroffen als zum Beispiel die Deutsche Bank, doch auch die DB wird im besten Fall einen Einstellungsstopp verfügen», schätzt Schüller. «Der Pfeil im Investmentbanking zeigt nach unten.»

Zweites Leben als Biobauer

Schüller war selbst fünfzehn Jahre als Händler tätig und ist in der Branche gut vernetzt. «Einige orientieren sich komplett um», sagt der Berater. Die Situation bringe sie zum Nachdenken über die Sinnhaftigkeit ihres Tuns. «Einige Auswüchse wie der Mikrosekundenhandel nützen ja nur noch wenigen Händlern und haben die Märkte bereits mehrfach in Schwierigkeiten gebracht», so Schüller. Der Berater weiss von Investmentbankern, die anfingen, sich Gedanken zu machen und sich für ein zweites Leben als Biobauer entschieden haben.

Das Kapital für einen Neustart müsste eigentlich vorhanden sein bei jungen Männern mit Jahresgehältern von einer halben Million Franken und mehr. «Wer ein bisschen schlau war, hat sich ein Polster zugelegt, doch bei der Mehrheit standen wohl Luxusautos und teure Wohnungen im Vordergrund», schätzt Hahn. Auch Schüller bezweifelt, dass die Rücklagenbildung bei den erfolgsverwöhnten Investmentbankern im Vordergrund stand. «Doch selbst in New York oder Singapur werden sie jetzt nicht ohne weiteres eine Stelle finden. Die Finanzplätze sind global vernetzt, der Zyklus geht nach unten.»

Klumpenrisiko Finanzplatz

Die anstehende Massenentlassung bei der UBS zeigt Laut Schüller auch, wie wichtig es für eine Volkswirtschaft ist, breit aufgestellt zu sein. In der Schweiz, aber auch in Grossbritannien, sei die Wirtschaft einseitig vom Wohl und Wehe der Finanzbranche abhängig. «Da sind wir in Deutschland ganz froh, dass wir auch noch reale Dinge produzieren und nicht nur virtuelle Finanzprodukte.» Auch Hahn findet, dass es «gewissen Investmentbankern nicht schaden würde, wieder auf dem Boden der Realität zu landen». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2012, 18:55 Uhr

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