Wirtschaft
Valora steht unverhofft ohne Chef da
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 09.05.2012 4 Kommentare
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Valora (VALN 186 1.09%) geht es nicht gut. Gleich zweimal musste der Kiosk- und Handelskonzern seine ehrgeizigen Ziele zurückstecken, zuletzt Ende März die Mittelfristziele bis 2015. Letztes Jahr wirkte sich der massive Einbruch im Pressegeschäft negativ aus: Dort fiel der Umsatz wegen der rasanten Verbreitung von Smartphones und Tablets um 15 Prozent. Zudem leidet Valora als Importeurin von Markenartikeln unter dem hohen Franken: Nutella, Kellogg’s und andere Marken kaufen viele Schweizer im Ausland ein.
Und nun geht der Chef, Thomas Vollmoeller. Der 44-jährige Deutsche, der seit Amtsantritt im Juni 2008 für die Arbeitswoche jeweils von Hamburg an den Valora-Sitz in Muttenz BL pendelte, will wieder näher bei seiner Familie sein. Die Töchter sind 11 und 14 Jahre alt, Ehefrau Ulrike ist Marketingleiterin bei Nivea-Hersteller Beiersdorf (Vollmoeller selbst wollte bis 2015 bei Valora jede vierte Managementfunktion übrigens mit einer Frau besetzen). Bis anhin stellte die Wochenendbeziehung für ihn kein Problem dar: «Diese Situation passt für uns», sagte Vollmoeller noch im letzten September.
Das war vor der ersten Korrektur der Prognosen von Valora. Seither hat sich die Lage verdüstert, und da fiel es Vollmoeller wohl nicht schwer, das Angebot als Chef der Netzwerkfirma Xing mit Sitz in Hamburg anzunehmen. «Vor ein paar Wochen wurden wir über die Pläne informiert», sagt Rolando Benedick, Präsident des Verwaltungsrats. Man habe ihm Zeit zum Überdenken gelassen, aber es sei dabei geblieben. «Das bedauern wir sehr, verstehen es aber.»
Noch hat Valora keinen Nachfolger. Interimistisch übernimmt Benedick die Leitung und setzt die eingeleitete Wachstumsstrategie fort. Vollmoeller wird im August bei Xing anfangen, bis dann steht er Benedick beratend zur Seite.
Agosti hält keine Aktien mehr
Für den früheren Manor-Chef Benedick ist die Rolle des «Active Chairman» nicht neu: Bereits 2008, als der damalige Valora-Chef Peter Wüst zurücktrat, hatte der Tessiner den Konzern vorübergehend geführt. Eine von Adriano Agosti und seiner Zuger Beteiligungsfirma Golden Peaks angeführte Gruppe von Investoren hatte damals monatelang Druck auf Management und Verwaltungsrat ausgeübt und mit Benedick schliesslich den Wunschkandidaten an die Spitze des Verwaltungsrats gebracht.
Agosti, der inklusive Optionen zeitweise 4,5 Prozent an Valora hielt, ist seit 2011 nicht mehr beteiligt. «Im April haben wir fast alles verkauft, kurz darauf den Rest», sagt er dem TA. Agosti geht jeweils von einer Restrukturierung von drei bis fünf Jahren aus, «um dann die reifen Trauben zu ernten», wie er sich in einem Interview mal ausgedrückt hat. Die Trauben, die waren Anfang 2011 tatsächlich reif, stieg der Börsenkurs doch auf knapp 350 Franken (siehe Grafik).
In zwei Schritten hatte die aktionärsfreundliche Valora auch ihre Dividende von 9 auf 11.50 Franken erhöht – und daran auch dieses Jahr festgehalten, trotz Umsatz- und Gewinnrückgang. Ein Zückerchen für die Aktionäre, liegt doch der Kurs heute gut ein Viertel unter jenem von Mitte 2008, als Vollmoeller als Chef angetreten war.
Keine Abgangsentschädigung
Management und Verwaltungsrat müssen derweil nicht darben. 2009 hat Valora einen aktienbasierten, langfristig ausgelegten Long Term Plan (LTP) eingeführt, der laut Geschäftsbericht ein integrierter Bestandteil der Gesamtentschädigung ist. Er soll die langfristige Ausrichtung auf die Unternehmensinteressen fördern. Dadurch kann sich die Gesamtentschädigung, die bei Vollmoeller für 2011 zum Beispiel knapp 1,1 Millionen Franken betrug, stark erhöhen.
Laut einem früheren Artikel der «SonntagsZeitung» waren Vollmoeller Anfang 2009 gut 10'000 Aktien mit gut zweijähriger Sperrfrist zum damaligen Kurs von 148.05 Franken angerechnet worden. Hätte Vollmoeller diese Anfang 2011 verkauft, hätte er den Anfangswert von 1,5 Millionen mehr als verdoppelt. Da Vollmoeller selber gekündigt hat, muss er nun jene Aktien aus dem Plan, die noch gesperrt sind, der Valora zum Einstandspreis zurückverkaufen. Weil der Kurs gefallen ist, kann dieser Betrag aber durchaus höher sein als der heutige Wert. Eine Abgangsentschädigung erhält Vollmoeller laut Valora-Sprecherin Stefania Misteli nicht.
Konzern mit vielen Baustellen
Vollmoeller geht zum ungünstigen Zeitpunkt: In Deutschland hat Valora jüngst 1300 Kioske und Tabakfachgeschäfte übernommen, die Retailchef Andreas Berger möglichst alle auf das bekannte Format K Kiosk umstellen will. Eine Reorganisation ist eingeleitet. Selbst für jemanden wie Berger, der 17 Jahre bei Aldi gearbeitet hat, ist das eine Herkulesaufgabe. Zudem hat Hanspeter Büchler, Chef des Bereichs Presse und Buch und früher bei Thalia, den Konzern unlängst verlassen. Und schliesslich steht Valora mit den Gewerkschaften im Clinch, weil die Kioskfrauen via Franchise das Geschäftsrisiko übernehmen sollen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.05.2012, 08:08 Uhr
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4 Kommentare
Wenn er sich für Valora so sehr eingesetzt hätte, wie an gesellschaftlichen Anlässen sein Netzwerk zu pflegen, dann sehe die Situation für den CH-Konzern heute besser aus. Aber für Ihn ging ja alles supi auf.... - Typischer Schönwetter-Manager - Antworten
Valora sollte erst mal das Kerngeschäft mit den Schweizer Kiosken richtig betreiben, bevor sie ins Auslandgeschäft einsteigen. Seit Jahren verscherbelten sie die kleinen, wenig rentablen Kioske oder bieten sie den Kioskfrauen zum Franchising an um damit das Risiko auf diese zu übertragen. Wie sollen die privatisierten Kioske über die Runden kommen, wenn es die mächtige Valora nicht schafft? Antworten
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