Wirtschaft

Umstrittene Gehälter gefährden Fusion der Bergbauriesen

Aktualisiert am 01.10.2012 7 Kommentare

Glencore und Xstrata sind bei ihrer Fusion zu einer Einigung gekommen. Nun müssen die Aktionäre über die erhöhte Glencore-Offerte entscheiden. Umstritten sind vor allem die hohen Boni für Xstrata-Manager.

Einigung bei der Fusion: John Bond und Thras Moraitis von Xstrata gehen nach einer Sitzung in Zug an Demonstranten vorbei. (September 2012)

Einigung bei der Fusion: John Bond und Thras Moraitis von Xstrata gehen nach einer Sitzung in Zug an Demonstranten vorbei. (September 2012)
Bild: Keystone

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Knapp acht Monate nach Ankündigung ihrer Fusion haben sich der Rohstoffhändler Glencore (GLEN 4.085 0.17%) und der Bergbaukonzern Xstrata auf die grundsätzlichen Bedingungen dazu geeinigt. Nun sollen die Aktionäre über den Deal entscheiden, der bis Ende Jahr im Trockenen sein soll.

Die strategischen Vorteile einer Fusion seien weiterhin überzeugend und die Transaktion habe das Potenzial, Wert für die Xstrata-Aktionäre zu generieren, erklärten die im steuergünstigen Kanton Zug ansässigen Konzerne. Die unabhängigen Xstrata- Direktoren empfehlen ihren Aktionären deshalb die aufgebesserte Offerte zur Annahme.

Glencore hatte Anfang September sein Angebot von 2,8 eigenen Anteilsscheinen je Xstrata-Papier auf 3,05 erhöht und damit den Aktienwert der zu übernehmenden Aktien auf rund 36 Milliarden Dollar gesteigert. Die Antwortfrist für Xstrata ist heute um 8.00 Uhr abgelaufen.

Weitere Zugeständnisse

Die Zustimmung kam allerdings erst zustande, nachdem Glencore weitere Zugeständnisse an Xstrata bei den Boni und den Machtverhältnissen im Management des neu entstehenden Megakonzerns gemacht hatte. Im Rahmen des sogenannten «Management Incentive Arrangement» sollen die Anstellungsbedingungen von Xstrata-Managern und führenden Kaderleuten verbessert werden.

Dies soll auch als Kompensation dafür gelten, dass Xstrata-Chef Mick Davis die Führung des neuen Konzerns bereits nach sechs Monaten an Glencore-Chef Ivan Glasenberg abgeben muss. Zum Zeitpunkt der Machtübergabe wird Davis im Führungsgremium nun durch einen anderen Xstrata-Manager ersetzt, womit Xstrata die Mehrzahl der Positionen in der Geschäftsleitung beibehalten wird.

Die unabhängigen Xstrata-Direktoren bestehen unter anderem auch deshalb explizit auf ihrem Anspruch, weil Glencore in den vergangenen Monaten den Eindruck hatte entstehen lassen, Topmanager von Xstrata aus dem fusionierten Unternehmen verdrängen zu wollen.

Gemäss dem neuen Fusionsplan können die Aktionäre von Xstrata der Fusion auch zustimmen, selbst wenn sie mit dem insgesamt 225 Millionen Dollar schweren Boni-Paket für die Xstrata-Manager nicht einverstanden sind. Beide Punkte sollen in gesonderten Abstimmungen behandelt werden.

Nun müssen die Aktionäre entscheiden

In der Folge werden nun die Aktionäre der beiden Konzerne an ausserordentlichen Generalversammlungen (GV) über den neu vorgelegten Fusionsplan abstimmen. Die entsprechenden Dokumente zum neuen Plan wollen Glencore und Xstrata im Laufe des Oktobers ihren Aktionären vorlegen. Wann genau die GVs stattfinden werden, ist noch nicht klar.

Die Aktionäre hätten eigentlich schon Anfang September abstimmen sollen. Einflussreiche Anteilseigner von Xstrata wie die Staatsfonds aus Katar und Norwegen oder die Vermögensverwalter Standard Life und Fidelity Worldwide Investment hatten aber Widerstand geleistet und bessere Konditionen verlangt. Ob sie mit dem aufgebesserten Angebot nun zufrieden sind, wird sich weisen.

Zudem steht die Fusion unter Vorbehalt der Zustimmung von internationalen Gremien wie der EU-Kommission, die bald über die genauen Fusionsbedingungen informiert werden soll. Der Bewilligungsprozess bei den Regulierungsbehörden in China und Südafrika ist bereits am Laufen. Geht es nach dem Willen der beiden Konzerne, soll der Zusammenschluss Ende 2012 unter Dach und Fach sein.

Mächtiger Weltkonzern in der Entstehung

Durch die Fusion wird ein Rohstoffgigant mit einem Börsenwert zwischen 85 und 90 Milliarden Dollar und einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar entstehen. Der neue Konzern würde die ganze Wertschöpfungskette im Rohstoffgeschäft von der Gewinnung bis zum Transport und dem Verkauf abdecken.

Er wäre damit ein mächtiger Weltkonzern mit Einfluss nicht nur auf den Handel von Bergbauprodukten und fossilen Energieträgern, sondern auch mit Industriegütern und Agrarerzeugnissen. Glencore, bereits jetzt der weltgrösste Rohstoffhändler, ist nämlich auch im Nahrungsmittelhandel stark präsent.

Derzeit ist das 1974 vom Schweizer Investor Marc Rich gegründete Unternehmen gerade dabei, das Getreidehandelsgeschäft des kanadischen Getreideriesen Viterra mit einem Jahresumsatz von nahezu 10 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Xstrata seinerseits ist der weltgrösste Kohleexporteur und besitzt auf der ganzen Welt ausserdem Kupfer- und Zinkminen. In der Bergbaubranche allein wäre der fusionierte Konzern die Nummer vier weltweit. Noch grösser sind der britisch-australische Konzern BHP Billiton, Vale aus Brasilien und der ebenfalls britisch-australische Konzern Rio Tinto. (rbi/mrs/sda/AFP)

Erstellt: 01.10.2012, 08:47 Uhr

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7 Kommentare

Fabian Meister

01.10.2012, 10:14 Uhr
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Alter Wein in neuen Schläuchen! Diese beiden Firmen waren zuvor bereits EIN Unternehmen; Marc Rich + Co, nun werden sie wieder zusammengeführt. Was soll der ganze Hype um diese Fusion?
Die alte Garde (Glasenberg und Co.), übernimmt wieder den ganzen Laden und Logo, die Beteiligten, schöpfen noch mehr Kapital am Markt ab und füllen Ihre bereits prall gefüllten Privatkassen! (Und zahlen wenig Steue
Antworten


will williamson

01.10.2012, 09:59 Uhr
Melden 32 Empfehlung 4

Was mich etwas wundert ist, dass man bisher nirgends etwas gelesen oder gehört hat, ob dieser Deal noch von irgendwelchen Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden muss. Hinzu kommt: Beide Konzerne haben ja bezüglich Umweltverhalten und Ethik nicht die beste Presse. Antworten



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