Wirtschaft
US-Klagen blockieren deutsche Mega-Fusion
Aktualisiert am 08.09.2011 2 Kommentare
Die Fusion von VW und Porsche braucht mehr Zeit. (Bild: Keystone )
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Es ist gerade einen Monat her, da schätzte Porsche (PAH3 62.81 0.29%) die Wahrscheinlichkeit einer Verschmelzung mit Volkswagen (VW 164 0.15%) noch in diesem Jahr auf 50 Prozent. Doch je älter das Jahr wurde, desto deutlicher wurde auch: Die in den USA und Deutschland anhängigen Verfahren gegen ehemalige Porsche-Manager machen das Ziel immer unwahrscheinlicher. Am späten Abend mussten beide Konzerne einräumen: Der Zeitplan zur Verschmelzung ist gescheitert.
Der VW-Vorstand sei nach Gesprächen mit der Porsche Automobil Holding SE zu der Überzeugung gelangt, dass die angestrebte Verschmelzung bis Ende des Jahres nicht zu erreichen sei, teilte Volkswagen mit. Alle Beteiligten hielten dennoch an dem Ziel fest, den integrierten Automobilkonzern mit Porsche zu schaffen und seien davon überzeugt, dass dies gelingen werde.
Wegen rechtlicher Probleme sei es noch immer nicht möglich, die wirtschaftlichen Risiken einer Verschmelzung zu beziffern und damit eine Bewertung der Porsche SE für die Ermittlung des Austauschverhältnisses aus Sicht von Volkswagen vorzunehmen, teilte VW weiter mit.
Rechtsstreitigkeiten stehen Verschmelzung im Weg
Die Unsicherheiten ergeben sich insbesondere aus den laufenden Verfahren beziehungsweise Klagen gegen ehemalige Porsche-Manager in Deutschland und den USA wegen Marktmanipulation und Betruges im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW. Unter anderem wird gegen den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ermittelt. Porsche weist alle Anschuldigungen zurück.
Der VW-Vorstand werde in den kommenden Wochen analysieren, ob neben den in der Grundlagenvereinbarung fest vereinbarten Put-/Call-Optionen noch Handlungsmöglichkeiten bestehen, um das Ziel des integrierten Automobilkonzerns mit Porsche zu erreichen, hiess es. Die Ergebnisse sollten dem Aufsichtsrat noch in diesem Jahr erläutert werden.
Bisher war immer die Rede von den zwei Möglichkeiten: Die favorisierte Verschmelzung beider Konzerne oder die Übernahme von Porsche durch VW mittels der Call-Optionen.
Letztere waren bisher sozusagen der Plan B, falls die Verschmelzung scheitern würde. In dem Fall könnte VW eine Call-Option ziehen und die im Besitz von Porsche SE verbliebenen Anteile von 50,1 Prozent an dem Zuffenhausener Sportwagenbauer für den festgeschriebenen Preis von 3,9 Milliarden Euro erwerben. Andersherum kann Porsche die Anteile über eine Put-Option andienen.
Dazu öffnen sich im Zeitraum vom 15. November 2012 bis zum 31. Januar 2015 vier vertraglich vereinbarte Zeitfenster. Welche anderen Handlungsmöglichkeiten bestehen könnten, wollten beide Konzerne zunächst nicht kommentieren.
«Das ist kein Rückschlag»
Eine VW-Sprecherin betonte, der ganze Prozess laufe jetzt unaufgeregt ab. «Das ist gar kein Rückschlag», versicherte sie. Der Weg sei jetzt zwar offen, aber das Ziel stehe nach wie vor.
Allerdings hatte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch stets betont, dass gemeinsame Synergien etwa über Einkauf und Entwicklung erst vollständig gehoben werden könnten, wenn Porsche bei VW integriert sei. Die bereits entstandenen Synergien bezifferte er im Frühjahr auf 700 Millionen Euro jährlich.
Zudem hat der gescheiterte Zeitplan auch Auswirkungen auf die Bilanzen beider Unternehmen. Die Porsche SE erwartet deswegen ein negatives Konzernergebnis für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres. Der buchhalterische Effekt wirkte sich auch schon im ersten Halbjahr negativ auf Porsche aus, weil das Unternehmen durch den Absatzboom mehr wert war, als VW bei Ziehen der Option zahlen müsste. Da blieb aber immerhin noch ein Plus von 149 Millionen Euro. VW erwartet in der Bilanz nach neun Monaten dagegen ein deutlich positives Ergebnis. (pbe/dapd)
Erstellt: 08.09.2011, 23:58 Uhr
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