UBS über den Tisch gezogen

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 10.09.2010

Die UBS verlor mit BTG Pactual 1,4 Milliarden. Heute ist die Bank siebenmal mehr wert als vor einem Jahr.

Dass es beim UBS-Debakel nicht nur Verlierer gab, das ist klar, seit bekannt wurde, wie hoch die Abgangsentschädigungen für die ehemaligen Manager waren. Aber was sich im Moment bei BTG Pactual abzeichnet, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Warum? Heute ist über die Agenturen die Meldung verbreitet worden, GIC, ein Staatsfonds aus Singapur, wolle für 2,5 Milliarden Franken 15 Prozent der brasilianischen Bank BTG Pactual kaufen.

Die BTG Pactual wurde 1983 gegründet als kleine Finanzboutique. 1998 machte André Esteves, der Sohn des Gründers, aus der Pactual eine Investmentbank, die zum grössten Institut seiner Art in Brasilien wurde. 2006 forcierte Huw Jenkins, damals CEO der UBS-Investment-Bank, den Kauf der Banco Pactual. Der Deal kam zustande, 4 Milliarden Schweizer Franken zahlte die UBS. Esteves, der 30 Prozent der Aktien hielt, wurde zum Milliardär und zum hoch bezahlten UBS-Mitarbeiter mit zweistelligem Millionengehalt, genau wie Jenkins. Drei Jahre später verkaufte die geschwächte UBS dieselbe Bank demselben Esteves für 2,5 Milliarden Franken. Die UBS-Pressestelle bestätigte damals einen Verlust von 1,4 Milliarden auf der Beteiligung. Ein Klacks, denn Jenkins, der mit seiner Abteilung für 50 Milliarden Schrottpapiere zusammenkaufte, verursachte noch viel höhere Verluste.

Ein Fall für die Historikerkommission

Kurz nach dem Rückkauf von Pactual durch Esteves heuerte Jenkins bei Pactual an und wurde dort einer der Teilhaber, zusammen mit einigen seiner Ex-UBS-Kollegen. Wenn heute 15 Prozent der Bank Pactual 2,5 Milliarden Franken wert sind, dann hat die ganze Bank einen Wert von 16,6 Milliarden oder fast siebenmal mehr als vor einem Jahr. Nun mag das ja eine gute Bank sein, ihr Gewinn belief sich im ersten Halbjahr auf 200 Millionen Franken, aber der rechtfertigt die Wertsteigerung nie und nimmer. Die UBS wurde über den Tisch gezogen. Vielleicht wäre das ein Fall für die Historikerkommission, die die UBS einst einsetzen wollte.

GIC ist übrigens jener Fonds, der 2008 10 Milliarden in die UBS steckte und seither die Hälfte verlor. Über Jenkins fand sich die letzte Meldung vor zehn Tagen im «SonntagsBlick». Da stand zu lesen, dass er sich im Gespräch mit UBS-Präsident Kaspar Villiger dazu habe bewegen lassen, die letzte Tranche seiner Abfindung nicht anzunehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2010, 06:20 Uhr

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