UBS baut 10'000 Jobs ab, 2500 in der Schweiz

Die UBS schrumpft ihren Investmentbankbereich drastisch. Das Quartalsresultat wird von den Folgen verhagelt.

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Die UBS will im Zuge einer Neuausrichtung weltweit in den nächsten drei Jahren rund 10'000 Stellen abbauen. Mit der Verkleinerung ihrer Investmentbank gibt sich die UBS ein neues Gesicht. Die heute noch über 63'745 Mitarbeiter zählende Bank soll 2015 noch etwa 54'000 Stellen aufweisen, wie am Dienstag bekannt gegeben wurde. Die Bank will zusätzlich zu den bereits angekündigten Massnahmen jährlich 3,4 Milliarden Franken einsparen, wodurch die Kosten bis 2015 jährlich um 5,4 Milliarden Franken sinken sollen.

Die UBS-Aktie startete mit einem Plus von knapp drei Prozent in den Dienstagshandel und lag nach zehn Minuten bereits knapp sechs Prozent im Plus. Dies, nachdem das Papier bereits gestern um über sieben Prozent zulegte. Gerüchte über den bevorstehenden Abbau hatten den Börsenkurs schon am Montag befeuert.

Die UBS verkleinert ihr Investmentbanking deutlich. Vor allem zieht sich die Bank aus Teilen des Handels mit Obligationen und strukturierten Produkten zurück. Dies ist jener Teil der Investmentbank, in dem 2007 die Milliardenabschreiber ausgelöst wurden, die zur Finanzkrise führten. Stattdessen sollen sich die Investmentbanker künftig auf Beratung, Marktanalysen sowie den Handel mit Aktien, Devisen und Edelmetallen konzentrieren.

Schweiz, New York, London, Singapur

Der Abbau trifft das Ausland stärker als die Schweiz. Der Konzernchef versprach aber, dass die UBS von der Entlassung betroffene Mitarbeiter unterstützen werde. «Der grosse Teil der Kürzungen erfolgt in der Investmentbank, und unser Hub ist in London», sagte Ermotti vor den Medien in Zürich. Die rund 2500 Stellen, die in der Schweiz wegfielen, beträfen daher vor allem die Unterstützungsfunktionen der Investmentbank.

In der heutigen UBS kämen auf einen Investmentbanker statistisch 1,4 Mitarbeiter in den Unterstützungsfunktionen. Prozentual sei die Schweiz aber unterdurchschnittlich vom Abbau betroffen, sagte der Konzernchef: «Das Zentrum der Investmentbank ist nicht die Schweiz.»

Coaching-Programm

Der Abbau laufe über drei Jahre. Die UBS wolle dabei die natürliche Fluktuation ausnützen, um Entlassungen zu vermeiden. Betroffenen werde die Möglichkeit gegeben, eine neue Ausbildung zu machen, um in andere Sparten der Bank wechseln zu können oder extern eine Stelle zu finden.

Auch für das vierte Quartal erwartet die UBS einen Reinverlust. Dies wegen ausserordentlicher Kosten, die mit dem Umbau verbunden sind. Über die Dividende will die Bank Ende Jahr entscheiden.

Kengeter wird durch Orcel ersetzt

Andrea Orcel wird mit sofortiger Wirkung alleiniger Chief Executive Officer der Investmentbank. Carsten Kengeter zieht sich aus der Konzernleitung zurück und übernimmt die Verantwortung für die Bewirtschaftung der nicht weitergeführten Geschäfte und Positionen. In dieser Funktion wird er direkt dem Group CEO unterstellt sein.

Die Investmentbank der UBS werde weiterhin Firmen, Staaten, Institutionelle und Finanzsponsoren als Kunden betreuen. Gleichzeitig müsse sie zum langfristigen Wachstum innerhalb des Konzerns beitragen, indem sie sämtlichen Unternehmensgruppen von UBS inklusive dem Wealth Management als starker Partner diene.

Geht die UBS voran?

Ermotti ist überzeugt, dass das Management nur Entwicklungen vorgreife, welche den Rest der Bankenindustrie noch beschäftigen werde. Schon im November 2011 hat Ermotti mit der Verkleinerung der Investmentbank begonnen. Das regulatorische Umfeld sei seitdem noch strenger, aber auch klarer geworden, sagte Ermotti.

Viele Investmentbankgeschäfte, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren profitabel gewesen seien, seien unter dem nach der Krise eingeführten Regelwerk Basel III nicht mehr gewinnträchtig, sagte Ermotti. «Die Bank ist derzeit überdimensioniert für die neuen Gegebenheiten», sagte Ermotti.

Milliardenverlust

Die Bank will mit ihren Massnahmen jährlich 3,4 Milliarden Franken einsparen, wodurch die Kosten bis 2015 jährlich um 5,4 Milliarden Franken sinken sollen. Zunächst bürdet die Restrukturierung der Bank aber Wertberichtigungen von über drei Milliarden Franken auf, die in der Rechnung des dritten Quartals 2012 zu einem massiven Verlust führen.

Unter dem Strich steht für die Monate Juli bis September ein Minus von 2,17 Milliarden Franken. Operativ lief es für die UBS aber besser als im Vorquartal. Unter Ausklammerung von Sondereinflüssen hat die UBS in den Monaten Juli bis September vor Steuern 1,4 Milliarden Franken verdient.

Operative Verbesserungen

Die globale Vermögensverwaltung steigerte ihren Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorquartal um 20 Prozent auf 600 Millionen Franken. Die separat geführte Vermögensverwaltung in Amerika, lange ein Verlustgeschäft, verbesserte ihr Ergebnis vor Steuern um zehn Prozent auf 219 Millionen Franken.

Die Kundengelder der Vermögensverwaltungssparten stiegen von 2,16 Billionen Franken auf 2,24 Billionen Franken. Die Vermögensverwaltung nahm im dritten Quartal 7,7 Milliarden Franken Netto-Neugeld entgegen, das Amerika-Geschäft 4,6 Milliarden Franken und die Anlagenverwaltung für institutionelle Kunden (Asset Management) 1,7 Milliarden Franken.

Das Asset Management lieferte 124 Millionen Vorsteuergewinn ab, fünf Prozent mehr als im Vorquartal. Das Klein- und Firmenkundengeschäft verbesserte sich um drei Prozent auf 409 Millionen Franken. Die Investmentbank wiederum erzielte ohne Sonderlasten vor Steuern 178 Millionen Franken Gewinn, nach einem Verlust von 130 Millionen Franken im Vorquartal.

UBS-Finanzchef Tom Naratil betonte während einer Telefonkonferenz am Dienstagmorgen, dass sich die UBS-Sparten im dritten Quartal operativ verbessert hätten. Die Bank habe zudem Mittel für eine Dividende für das Jahr 2012 reserviert. 2011 war das erste Jahr seit 2006 gewesen, in dem die Aktionäre überhaupt einen Anteil vom Gewinn der Bank erhalten hatten.

Wenig Handel

Mitte November 2011 hatte Ermotti bereits eine Verkleinerung der Investmentsparte angekündigt. Die Vermögensverwaltung für reiche Kunden auf der ganzen Welt soll demnach das Hauptgeschäft der Grossbank werden. Die Investmentbank soll ihr Anlagegeschäft stärker auf die Bedürfnisse der Privatkunden ausrichten.

Ende Juli hatte Konzernchef Ermotti gesagt, die reichen Kunden seien «gelähmt» von der Angst, an den Finanzmärkten Geld zu verlieren, und gäben der Bank daher weniger Handelsaufträge.

* mit Material der Agenturen SDA und DAPD (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.10.2012, 05:24 Uhr)

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Sergio Ermotti zum Umbau bei der UBS. (Video: Keystone)

Das sagt Ermotti

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti bezeichnet die am Dienstagmorgen angekündigte Verkleinerung der Investmentbank als eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Sowohl das makroökonomische Umfeld wie auch die regulatorischen Vorgaben hätten sich geändert und nun müsse sich die UBS fit für die Zukunft machen.

«Für die UBS besteht die Möglichkeit, gestärkt aus diesem Prozess herauszukommen», sagte Ermotti im Interview mit der Nachrichtenagentur SDA. Die UBS wolle weiterhin die weltweit führende Vermögensverwaltungsbank und die Nummer 1 in der Schweiz bleiben. Dies sei eine Geschäftsposition, die von Konkurrenten auch nicht einfach kopiert werden könne.

Nach dem Umbau werde die UBS eine fokussiert operierende, weniger komplexe, weniger kapitalintensive und damit weniger risikoreiche Investmentbank haben, die zu 100 Prozent zum Geschäftsmodell der UBS in der Vermögensverwaltung und im Geschäft mit Firmenkunden und institutionellen Anlegern passe.

Angesichts der regulatorischen Vorschriften sieht Ermotti keine Möglichkeit, wie ein Investmentbanking, wie man es die letzten zehn oder fünfzehn Jahre gekannt hat, in Zukunft profitabel geführt werden kann. Eine Veränderungen des Geschäftsmodells dränge sich deshalb auf. «Die UBS ist weltweit die einzige Bank, die sich dank ihrer Position einen solchen Schritt auch leisten kann», sagte Ermotti.

Gemäss dem UBS-Konzernchef ist die Reduktion der Kosten um jährlich weitere 3,4 Milliarden Franken und den damit verbundenen Abbau der Arbeitsplätze der letzte Schritt der Neupositionierung der UBS. «Der Prozess hat vor einem Jahr begonnen, und er wird noch zwei weitere Jahre dauern. Doch heute war der richtige Zeitpunkt, um Klarheit über die Zukunft zu schaffen», so Ermotti. (sda)

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