Trotz Finma-Intervention gibts für die KPT-Mitarbeiter einen Geldsegen
Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 05.04.2012 1 Kommentar
121 – auf diese Zahl waren alle gespannt. Wie die Berner Krankenversicherung KPT gestern bekannt gab, wird sie die 2006 bis 2010 ausgegebenen Mitarbeiteraktien für 121 Franken pro Stück zurückkaufen. Es sind Aktien der KPT Versicherungen AG, jenes Teils der KPT, welcher die Zusatzversicherungen anbietet. Angesichts des Ausgabepreises von zuerst 28 und später 34 Franken stellt der gestern mitgeteilte Preis eine traumhafte Rendite von mindestens 250 Prozent dar.
Doch eigentlich hätte es für die Aktionärinnen und Aktionäre noch besser ausgehen sollen: Eine Rendite von über 1700 Prozent wollte der KPT-Verwaltungsrat den Aktionären im Sommer 2010 zugestehen. Für 600 Franken hätte die KPT die Aktien zurückgekauft, als das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm im Zuge der geplanten Fusion mit der Sanitas hätte aufgelöst werden sollen. Den hohen Rückkaufpreis setzte das Gremium nicht ohne Eigennutz fest, denn die grössten Aktionäre waren die KPT-Verwaltungsräte selbst.
Doch die Finanzmarktaufsicht (Finma) schritt ein, bevor es zur Auszahlung kam. Ihre Untersuchung, die sich von Sommer 2010 bis Januar 2012 erstreckte, brachte zutage, dass das Geld für den Rückkauf der 92 000 Mitarbeiteraktien aus versicherungstechnischen Rückstellungen hätte finanziert werden sollen – insgesamt hätte die KPT dafür über 50 Millionen Franken aufwenden müssen. Die Finma deckte auch weitere «schwere Pflichtverletzungen» des Verwaltungsrates auf: So hatten Verwaltungsräte noch kurz vor der Ankündigung der Fusion mit der Sanitas im Mai 2010 Aktien gekauft. Zudem liessen sich die Verwaltungsräte neben den üblichen Honoraren zusätzlich über Beratungsmandate ohne besondere Gegenleistung bezahlen.
«Wertsteigerung» als Hauptgrund
Für jene 18 000 Aktien, welche Verwaltungsrat und Management 2010, kurz vor der Fusionsankündigung, kauften, bezahlt die KPT nun nicht jene 121 Franken, sondern lediglich den Einstandspreis von 34 Franken. Für die restlichen 74 000 Aktien, die auf 378 Aktionärinnen und Aktionäre verteilt sind, bezahlt die KPT 6,4 Millionen Franken. Und dies aus Gewinnreserven der letzten Jahre und nicht aus Rückstellungen. Mit diesem Vorgehen ist die Finma einverstanden, wie Sprecher Tobias Lux bestätigt. Den Rückkaufpreis an sich habe die Finma nicht beurteilt.
Dass die KPT die Aktien zum 3,5-Fachen des Ausgabepreises zurückkauft, erklärt KPT-Sprecher Reto Egloff mit der «Wertsteigerung der KPT Versicherungen AG in den vergangenen Jahren». Man habe die Differenz zwischen Ausgabepreis und Rückkaufpreis anhand dieser Wertsteigerung – und gemäss Reglement der Mitarbeiterstiftung – berechnet. Dass sich der Wert der Aktien mehr als verdreifacht hat, führt Egloff auch darauf zurück, dass die Aktien zu günstig ausgegeben worden seien.
Ein Stück weit profitieren alle KPT-Mitarbeiter von den günstigen Aktien und von deren rascher Wertsteigerung: Ende 2009 erhielten damals alle Angestellten einen Bonus in Aktienform. Für einfache Angestellte gab es 25 Aktien, wofür sie nun 3025 Franken erhalten werden. Den Kaderangestellten schenkte die KPT damals bis zu 200 Aktien (34 000 Franken).
Darüber hinaus konnten die Mitarbeiter in verschiedenen Runden zu besagten 28 bis 34 Franken Aktien kaufen. Besonders fleissig deckten sich die Verwaltungsräte ein. Wie der «Blick» berichtete, hatten sieben Verwaltungsrats- und fünf Geschäftsleitungsmitglieder je rund 2000 Aktien gekauft. Beim ursprünglich geplanten Rückkaufpreis wären sie damit zu Millionären geworden. Auch mit den nun bezahlten 121 Franken würde bei 2000 Aktien ein Gewinn von 170 000 Franken resultieren.
Gegen den Rückkauf der Aktien können sich die heutigen und früheren Angestellten und Mandatsträger nicht wehren – die KPT hat diese Möglichkeit im Reglement der Mitarbeiterstiftung verankert. Sobald der Rückkauf über die Bühne gegangen ist, soll die umstrittene Stiftung liquidiert werden.Mitarbeitern, die bis zur Sistierung des Programms durch die Finma Mitte 2010 die Krankenkasse verliessen, bezahlte die KPT lediglich 34 Franken pro Aktie. Dies ist laut der KPT auch beim ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Roland Schaer der Fall, von dem Insider sagen, er habe sich seinen 2009 vom Verwaltungsrat erzwungenen Abgang mit rund 2 Millionen Franken versüssen lassen.
Geld für Ex-VR wird einbehalten
Jenen ehemaligen Verwaltungsratsmitgliedern, welche die Finma zur Rückzahlung der doppelten Honorare verdonnert hat, wird die KPT vorerst jedoch keinen Rappen auszahlen. «Wir werden die Beträge einbehalten und mit unseren Forderungen verrechnen», sagt KPT-Sprecher Egloff.
Die Finma-Verfügung vom Januar hatten die ehemaligen Verwaltungsräte Walter Bosch und Bernhard Liechti umgehend angefochten. Ihnen wurde neben der Honorarrückzahlung auch ein vierjähriges Berufsverbot auferlegt. Schlussendlich wird wohl das Bundesgericht über die Rechtmässigkeit der Verfügung entscheiden müssen.
(Der Bund)
Erstellt: 05.04.2012, 07:08 Uhr
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