Totgesagte leben länger: Helvetia baut ihr Netz aus
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 03.05.2011 2 Kommentare
Kunden schätzen einen Ansprechpartner vor Ort: Stefan Loacker, CEO Helvetia Gruppe, waehrend einer Medienkonferenz im März 2010 in Zürich. (Bild: Keystone )
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Kurz vor Weihnachten 1998 malte der Vertreter einer Versicherungsgeneralagentur in der «Weltwoche» ein düsteres Bild: «Den kleinen Agenten geht es ans Brot.» Er lag falsch. Trotz dem Direktverkauf von Versicherungsprodukten übers Telefon und Internet hat der Berufsstand der Agenten überlebt. Und daran dürfte sich in naher Zukunft wenig ändern. Die Helvetia gab gestern bekannt, dass sie ihr Vertriebsnetz in der Schweiz um sechs Generalagenturen und sieben Hauptagenturen erweitern werde. Damit schafft sie 140 neue Stellen im Aussendienst.
Ganz überraschend kommt dieser Schritt nicht, hat die Helvetia 2010 doch von der Allianz Suisse die beiden Gesellschaften Alba und Phenix übernommen. Die Vertriebsnetze dieser beiden Versicherer werden aufgelöst. Im Gegenzug baut die Helvetia ihr bisheriges Netz aus – vor allem in der Westschweiz. Die Stellen besetzt sie mit übernommenen Mitarbeitenden der Alba und Phenix.Das Vorgehen zeigt, dass mit der Übernahme nicht bloss Synergien gesucht, also Agenturen geschlossen und Agentenstellen abgebaut werden. Die Helvetia investiert in diesen Vertriebskanal. Philipp Gmür, Chef von Helvetia Schweiz, sagt: «Für ein gutes Image, Nähe zu den Kunden und eine hohe Beratungsqualität ist der eigene Aussendienst unverzichtbar.»
Telefonversicherer scheiterten
Andere Gesellschaften läuteten in den Neunzigerjahren das vermeintliche Ende der klassischen Verkaufsagentur ein. Im Gefolge der Liberalisierung des Versicherungsmarktes und inspiriert durch die angelsächsischen Märkte, gründeten sie die ersten Direktversicherer. Das waren damals Callcenter, über die der Kunde telefonisch Policen abschliessen konnte – auf direktem Weg, am Agenten vorbei.
Züritel startete 1994 als erster Schweizer Direktversicherer. Im gleichen Jahr folgte Coop Tele. 1996 starteten Profitline (eine gemeinsame Tochter von Rentenanstalt, heute Swiss Life, und UBS) und Swissline (Winterthur, heute Axa). Keine der vier Gesellschaften überlebte in der damaligen Form. Züritel wurde später neu aufgestellt und erhielt mit Zurich Connect einen neuen Namen. Coop Tele ist heute eine Tochter der Nationale Suisse und heisst Smile Direct. Profitline und Swissline sind verschwunden. Ihre Betreiber hatten den Markt und die Psyche der Schweizer Kundschaft falsch eingeschätzt – zur Erleichterung der Agenten. Urs Marolf, Geschäftsführer des Verbandes der Versicherungsgeneralagenten, sagte damals gegenüber «Cash» selbstbewusst: «Hierzulande lassen sich keine Versicherungen übers Telefon verkaufen.»
Übers Telefon vielleicht nicht, doch das Internet eröffnete einen weiteren neuen Vertriebskanal, der manchem Agenten schlaflose Nächte bereitete. Auch diese Sorge erwies sich weitgehend als unbegründet. Zwar werden heute einfachere Produkte wie Motorfahrzeugversicherungen über das Internet abgesetzt. Aber auch dieser Kanal lief den Agenten den Rang in keiner Weise ab. Amos Winteler von der Basler Versicherung sagt: «Das Agenturnetz ist und bleibt unser primärer Vertriebskanal.» Dies vor allem deshalb, weil die Komplexität der Produkte zunehme und damit auch die Intensität der Beratungstätigkeit. Die Axa Winterthur hat mit 300 Standorten heute das dichteste Agenturnetz. Das sage alles über deren Bedeutung, sagt Sprecher Olivier Michel.
Auch Städter mögen Agenten
Das Internet hat nach wie vor eine eher geringe Bedeutung. Bei der Basler holen die Agenten um die 70 Prozent des Neugeschäfts herein, bei der Mobiliar 80?Prozent. Helvetia-Chef Gmür bestätigt: «Der Aussendienst der Helvetia macht je nach Branche zwischen 50 und 90 Prozent der Prämien in der Schweiz aus und ist damit der mit Abstand wichtigste Vertriebskanal.» Das erklärt, weshalb die Helvetia ihr Agenturnetz ausbaut. Interessant ist, dass sie das auch in städtischen Gebieten tut – etwa mit neuen Agenturen in Bern und beim Genfer Flughafen. «Auch in Städten schätzen es die Kunden, wenn sie einen Ansprechpartner vor Ort haben», kommentiert Helvetia-Sprecher Urban Henzirohs. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.05.2011, 11:34 Uhr
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2 Kommentare
Toll zu lesen, dass es einem traditionellen schweizerischen Unternehmen derart gut geht. Insbesondere hat sich die Helvetia Versicherung, als Unternehmen in der Finanzbrache, auch hervorragend durch die Finanzkrise geschlagen.
Daumen hoch für die schweizer Qualität!
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