«The Daily» – ein schwieriges Geschäft
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 08.02.2012
Two22 eingestellt
Und noch eine Schlappe muss Rupert Murdoch an der Digitalfront hinnehmen. Das unter grösster Geheimhaltung lancierte Projekt Two22 wurde eingestellt, wie «The Independent» schreibt. Murdoch wollte Tablet-Inhalte für das Boulevard-Blatt «The Sun» anbieten. Im Fokus waren speziell aufbereitete Inhalte aus Unterhaltung und Sport. Die Zielgruppe war eine gehobenere Nutzerschicht, die mit der Printausgabe nicht angesprochen werden kann.
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Als Apple vor rund zwei Jahren das iPad lancierte, war für die Verleger klar: Das Tablet könnte ihre Waffe gegen die Digitalisierung sein, die ihrem Kerngeschäft arg zusetzt. Kostenpflichtige iPad-Angebote sollen ihre Zeitungen retten.
Als Pionier gilt Medienmogul Rupert Murdoch. Innert weniger Wochen realisierte sein Medienkonzern News Corp. ( 19.43 0.26%) zusammen mit iPad-Erfinder Steve Jobs das Projekt «The Daily», die erste digitale Tageszeitung, die ausschliesslich fürs iPad produziert wird. Murdoch investierte 30 Millionen Dollar in die Entwicklung. Seine Vision: Mit der neuartigen Zeitung sollen Konsumenten angesprochen werden, die bis anhin noch keine Zeitung lesen. Mit Fotostrecken, Multimedia und Videos zielt er auf jüngere Leser.
Bilanz ernüchternd
Nun ist es ein Jahr her, seit Murdoch mit grossem Tamtam die erste iPad-Zeitung vorstellte. Die «New York Times» nahm das Projekt genauer unter die Lupe und veröffentlichte am Montag eine erste Bilanz. Das Fazit nach zwölf Monaten: «After a Year, Tablet Daily Is a Struggle (Nach einem Jahr ist die Tablet-Tageszeitung ein Kampf)».
Von den Zahlen her ist das ambitionierte Projekt – 150 Leute arbeiten daran – noch kein Erfolg: Rund 100'000 Leser zahlen entweder wöchentlich 0,99 Dollar oder 39,99 Dollar jährlich für das Abo. Das ist, berücksichtigt man die Werbeeinnahmen, bei weitem nicht genug. Wie die «New York Times» vorrechnet, wird «The Daily» erst in fünf Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Das heisst: Die iPad-Zeitung benötigt in etwa die gleiche Zeit wie ein Printprodukt, um sich im Markt zu etablieren.
«The Daily»-Nutzer wohnen auf dem Land
Natürlich kann man einwenden, dass «The Daily» von Beginn an nicht darauf ausgelegt war, möglichst schnell Gewinn einzufahren. Es ging Murdoch sicher auch darum, das Feld als Innovationsführer zu besetzen und wichtige Erfahrungen für zukünftige Produktlancierungen zu sammeln. Und tatsächlich förderte «The Daily» Überraschendes zutage: So ist der durchschnittliche iPad-Nutzer von News-Angeboten nicht, wie allgemein vermutet, jung und aus städtischen Regionen. Ganz im Gegenteil: Der Grossteil der «The Daily»-Abonnenten ist zwischen 35 und 50 Jahre alt. 45 Prozent haben Kinder und 89 Prozent sind Hausbesitzer mit einem durchschnittlichen Einkommen von 118'000 Dollar.
Die Konsequenz daraus ist, dass «The Daily» nach sechs Monaten das Inhaltskonzept umkrempelte. Inhaltliche Tiefe ist bei dieser Zielgruppe offenbar weniger gefragt. Stattdessen liegt der Fokus auf kurzen Artikeln mit ländlichem Bezug.
«The Daily» bleibt nach einem Jahr ein interessantes Medienkonzept. Als Retter einer ganzen Branche taugt Murdochs Projekt allerdings nicht. Interessant wird sein, wie sich die Abo-Zahlen in den nächsten Monaten entwickeln, denn an der Consumer Electronics Show in Las Vegas kündigte News Corp. einen Deal mit dem Provider Verizon Wireless an. Verizon will auf allen Tablets von Samsung «The Daily» vorinstallieren.
Und noch eine Neuerung könnte «The Daily» neuen Schwung verleihen. Im Januar besuchte DerBund.ch/Newsnet die Redaktion in New York. Wie der stellvertretende Chefredaktor den besuchern erklärte, plant «The Daily» seine Inhalte als Livestream auf Facebook anzubieten. Man darf also gespannt sein, wie Murdoch mit «The Daily» den Spagat zwischen Gratis- und Bezahlinhalten schaffen will.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.02.2012, 15:47 Uhr
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