«Teilzeit und Home Office sind erlaubt»

Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Die Chefs von Mobiliar, Microsoft Schweiz, Post und Swisscom sprechen über ihre Vorstellungen.

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«Problematik des Überfordertseins» Markus Hongler, Mobiliar-Chef

Sie haben am Mobiliar-Hauptsitz in Bern ein grosses Chefbüro – das Gegenteil von flexiblem Arbeiten . . .
Ich ziehe jetzt gerade mit meinen Stabsmitarbeitern in ein Grossraumbüro um. Wir sitzen alle zusammen, es gibt aber Gruppenarbeitsräume und spezielle Zellen, in denen man telefonieren kann. In meinem alten Büro war ich sowieso praktisch nur noch, wenn ich Gäste empfangen habe.

Die anderen Unternehmen, welche die Work-smart-Initiative mittragen, wollen damit auch Werbung für ihre digitalen Angebote machen. Was ist Ihr Interesse dabei?
Wir sind der grösste Schweizer Versicherer für KMU. Wir wollen unsere Kunden etwa bei der Wiedereingliederung von Angestellten mit einem Burn-out unterstützen. Dies senkt die Krankheitskosten und so die Versicherungsprämien.

Was hat das mit Work smart zu tun?
Wenn man flexibel arbeitet, gibt es die Problematik des Überfordertseins. Wir wollen auch die negativen Seiten neuer Arbeitsformen verstehen und mithelfen, gute Modelle umzusetzen.

Was tut die Mobiliar dagegen, dass die eigenen Mitarbeiter das Gefühl haben, immer auf Abruf sein zu müssen?
Als Arbeitgeberin haben wir kein Inte­resse an überarbeiteten Mitarbeitenden. Deshalb müssen sie nur in Ausnahmefällen ausserhalb der Bürozeiten erreichbar sein. Vorab dann, wenn unsere Kunden uns brauchen, zum Beispiel bei einem Schadenfall.

«Noch 20% werden ausgedruckt» Petra Jenner, Microsoft-Schweiz-Chefin

Wer viel unterwegs ist, kann keine Ordner mit sich herumschleppen. Wie weit sind Sie schon mit dem papierlosen Büro?
Wir sind schon sehr weit gekommen. Für Meetings haben wir überhaupt keine Unterlagen mehr auf Papier. Insgesamt sind wohl 80 Prozent der Dokumente ­digital und 20 Prozent auf Papier – das sind jene Dokumente, die wir aus rechtlichen Gründen aufbewahren müssen.

Sie sind Teil eines internationalen Konzerns. Können Sie in der Schweiz Teilzeitlösungen anbieten?
Ja, im Management kann auch 90 oder 80  Prozent gearbeitet werden, und wir haben auch Mitarbeiter, die zu 70 oder 60  Prozent angestellt sind. Kleinere Pensen bieten wir in der Regel nicht an – auch aus Fairness. Denn es gibt die Gefahr, dass Mitarbeiter mit Pensen von 50  Prozent oder weniger de facto mehr arbeiten, als sie eigentlich sollten.

Wenn die Kollegen nicht im gleichen Raum arbeiten, schreibt man ihnen E-Mails. Wie begegnen Sie der heutigen ­E-Mail-Flut?
E-Mail ist nur ein Teil der Kommunikation. Wir arbeiten mit Videotelefonie und mit Plattformen, auf denen gemeinsam an Dokumenten gearbeitet werden kann. Zudem nutzen wir ein firmen­internes soziales Netzwerk.

Eine Art Facebook im Intranet?
Genau, das ist eine Lösung namens Yammer. Mitarbeiter können dort Inhalte posten, Likes vergeben oder sich in Projektgruppen einklinken. In der Schweiz nutzt etwa ABB den Dienst.

«Nun kommt der schwierigere Teil» Susanne Ruoff, Post-Chefin

Am neuen Post-Hauptsitz im Wankdorf haben Sie den festen Arbeitsplatz abgeschafft. Wählen die Mit­arbeiter tatsächlich jeden Morgen einen neuen Platz und räumen am Abend alles wieder zusammen?
Viele Teams sitzen immer zusammen, aber jeden Tag an einem anderen Ort. Andere arbeiten allein und immer wieder an einem anderen Platz, einige gehen immer an den gleichen Arbeitsplatz – diese sprechen wir aber darauf an.

Wie weit ist das Staatsunternehmen Post mit modernen Arbeitsformen?
Wir haben Reglemente, die Teilzeit und Home Office erlauben. Die Voraussetzungen sind da, nun kommt der schwierigere Teil: die Mitarbeitenden dazu zu bringen, die Angebote zu nutzen.

Briefträger können kein Home Office machen. Es sind Angebote für die gut verdienenden Wissensarbeiter.
Das glaube ich nicht. Wir wollen nicht, dass im Unternehmen ein digitaler Graben entsteht. Natürlich können die Briefträger nicht von zu Hause aus arbeiten, aber sie nutzen nun auch Smartphones für ihre Arbeit.

Gleitende Arbeitszeit heisst doch auch, dass man immer online sein muss . . .
Wir haben eine Arbeitszeitkontrolle. Und die Teams sollen sich auch selbst beobachten und jemanden darauf ansprechen, wenn er immer wieder nachts um elf E-Mails verschickt. Wir bilden unsere Führungskräfte auch so aus, dass sie auf solche Dinge achten und ihre Mitarbeiter entsprechend coachen.

«Gehe vorher nicht noch ins Büro» Urs Schaeppi, Swisscom-Chef

Wie flexibel können die Swisscom-Angestellten heute arbeiten?
Rund 10'000 Mitarbeiter arbeiten heute mobil, viele von ihnen ohne fixen Arbeitsplatz. Wer sehr lokal arbeitet, etwa in der Buchhaltung, hat noch ein eigenes Pult.

Sie auch?
Ich habe keinen festen Arbeitsplatz mehr und nutze bei Bedarf ein Besprechungszimmer am Hauptsitz in Worb­laufen. Mein Arbeitsplatz ist meine Mappe. Die meiste Zeit verbringe ich unterwegs – es gibt Wochen, in denen ich nie nach Worblaufen komme.

Erwarten Sie, dass Swisscom-Angestellte am Abend E-Mails lesen?
Das erwarte ich nicht, auch nicht am Wochenende. Aber es ist eine sehr individuelle Geschichte. Es gibt Firmen, die sperren am Wochenende ihre E-Mail-Server. Wir haben das auch diskutiert, uns aber dagegen entschieden. Ich bereite mich gerne am Sonntagabend auf die kommende Woche vor.

Work smart heisst auch, dass man später ins Büro kommen darf. Ist das in der Praxis akzeptiert?
Bei uns ist das hochgradig akzeptiert. Man muss schon schauen, dass man eine feste Arbeitsstruktur hat. Aber wenn ich um 9 Uhr eine externe Sitzung habe, dann lese ich meine E-Mails oder telefoniere zu Hause und gehe nicht noch ins Büro.

Und auswärts, etwa in einem Café, zu arbeiten – ist das erlaubt?
Das ist erlaubt. Aber im Café an einer Telefonkonferenz teilnehmen, das geht aus Gründen der Vertraulichkeit nicht. (Der Bund)

(Erstellt: 10.06.2015, 11:26 Uhr)

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