Wirtschaft

Swiss verliert nach Lufthansa-Deal in London an Bedeutung

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 23.12.2011 22 Kommentare

Mit dem Verkauf der Lufthansa-Tochter British Midland an die International Airlines Group gehen der Swiss Routenkapazitäten nach Heathrow verloren. Konkurrent Easyjet reibt sich bereits die Hände.

1/5 Mit dem Kauf von British Midland wird British Airways einen weiteren Konkurrenten los.
Bild: Reuters

   

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die Eigentümerin der British Airways (BA), International Airlines Group (IAG), hat gestern bekannt gegeben, British Midland International (BMI) von der Lufthansa zu kaufen. Betroffen ist vor allem die Flugroute Basel–Heathrow. Der Preis für BMI liegt bei einer Viertelmilliarde Franken. Der Deal sorgt in der Branche gehörig für Wirbel.

Der «Euroairport» weist darauf hin, dass sinkende Passagieraufkommen und Umsätze nicht auszuschliessen sind. Auch der Lufthansa-Tochter Swiss schmeckt der Deal der Muttergesellschaft Lufthansa gar nicht. Insgesamt geht es um 56 Slots am Londoner Flughafen Heathrow, die komplett auf die BA übergehen sollen. «British Midland ist London-basiert und kann damit ihre Position am Hub in Heathrow weiter stärken», sagt Flugexperte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen. Ob die Kooperation der Swiss mit BMI in einer anderen Form fortgesetzt wird, ist fraglich. Die Swiss gehört der Star Alliance an, British Airways dem Flugverbund Oneworld.

Reaktiviert Swiss London-City-Flüge?

Lufthansa-Sprecherin Claudia Lange: «Wir können erst dann nähere Angaben dazu machen, wenn das Codeshare-Abkommen zwischen BMI und der Swiss gekündigt wird.» Internen Gerüchten bei der Swiss zufolge laboriert die Unternehmensführung aber bereits an zwei Varianten: Entweder Heathrow wird in Zukunft auf eigene Rechnung von Swiss angeflogen, oder es werden Flüge zum Landeplatz London City für Businessreisende reaktiviert.

Die Fluggesellschaft BMI wiederum könnte auch komplett von der Bildfläche verschwinden. «IAG gab einen Hinweis darauf», sagt Analyst Alex Brignall bei der UBS in London. Das Routensystem soll auf Langstrecken umgestellt werden, indem kleinere Maschinen schrittweise durch grössere ersetzt werden. Die Marke BMI wird damit im internationalen Flugverkehr überflüssig. Was das für die Belegschaft von rund 3800 Mitarbeitern bedeutet, das wird sich weisen.

Billigflieger spitzen auf Routen

Bei Billigfliegern wie Easyjet, Ryan Air oder Aer Lingus ist der Deal schon jetzt ein Grund zum Jubeln. «Am Hub London Heathrow werden mit diesem Schritt Kurzstreckenkapazitäten im Billigsegment frei, die von IAG in Langstreckenrouten überführt werden.» Für Easyjet schrumpft damit die Konkurrenz von Kurzstreckenbetreibern aus London, die auch den Schweizer Markt bedienen. Easyjet selbst operiert von Gatwick aus. Vor allem die Billigairline Easyjet dürfte sich in der Folge darum bemühen, mit einigen Flügen mehr die Angebotslücke zwischen der Schweiz und Grossbritannien zu füllen, glaubt UBS-Analyst Brignall.

Branson wettert gegen Monopol

Zuvor muss der Deal aber noch von der Europäischen Kommission abgesegnet werden. Vor allem Virgin-Atlantic-Airlinechef Richard Branson pocht darauf. Der Selfmademilliardär hat für die BMI mitgeboten und ist schliesslich abgeblitzt. Jetzt schäumt er vor Wut und teilt auf Anfrage via Communiqué mit, den Deal mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen. «British Airways führt die Konsumenten hinters Licht und schränkt das Angebot ein», poltert dieser. BA baue mit diesem Deal sein bereits bestehendes Monopol am Flughafen Heathrow weiter aus.

Der Virgin-Chef spekuliert darauf, mit seinem Argument das Geschäft mit Unterstützung der Wettbewerbsbehörden noch zu Fall zu bringen. IAG kontert mit Fakten und verweist auf die Situation an anderen internationalen Flughäfen: So habe die Lufthansa in Frankfurt eine Marktmacht von 66 Prozent. Air France/KLM belege am Pariser Flughafen Charles de Gaulle 59 Prozent der Slots, und die US-Fluglinie Delta Airlines unterhalte sogar 76 Prozent am Flughafen von Atlanta. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2011, 19:03 Uhr

22

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

22 Kommentare

Fritz Meier

23.12.2011, 20:04 Uhr
Melden 73 Empfehlung

Vielleicht könnte die Swiss am Flughafen Heathrow ein paar überzählige Schoggi/Käse Brettchen verteilen.
Über den so gewonnenen Goodwill bekommt man eventuell noch ein paar Routenkapazitäten zugelost.
Antworten


Peter Mueller

23.12.2011, 19:25 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Wen interessiert das, Gatewick ist sowieso besser. Sahen wir doch im letzten Winter - Heathrow kann nicht mal Schnee räumen. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!