Wirtschaft

Swiss muss für Lufthansa bluten

Von Olivia Raths, Pia Wertheimer. Aktualisiert am 03.05.2012 17 Kommentare

Lufthansa schlägt einen harten Sparkurs ein. Unter anderem sollen 3500 Vollzeitstellen abgebaut werden. Auch Konzerntochter Swiss muss einen Beitrag zum Sparprogramm leisten.

1/9 Von insgesamt 3500 Stellen konzernweit werden allein in Deutschland 2500 abgebaut. Wieviele dieser insgesamt 3500 Jobs in der Schweiz gestrichen werden, ist derzeit unklar: Maschinen der Swiss und der Lufthansa.
Bild: Keystone

   

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Lufthansa (LHA 16.23 1.00%) will in den kommenden Jahren 3500 Vollzeitstellen abbauen. Der deutsche Konzern, der im ersten Quartal 2012 einen Verlust von 381 Millionen Euro eingefahren hat, will sein Ergebnis bis 2014 um insgesamt 1,5 Milliarden Euro verbessern – davon 500 Millionen Euro mit besagtem Stellenabbau.

Vom Sparprogramm der Lufthansa ist auch die Konzerntochter Swiss betroffen, die im ersten Quartal 2012 einen operativen Verlust von 4 Millionen Franken «eingeflogen» hat. Die Airline soll sich laut Lufthansa-CEO Christoph Franz mit 95 Millionen Euro daran beteiligen.

«Bereits heute schlanker Admin-Bereich»

Bei der heimischen Fluggesellschaft sieht man die Situation aber nicht so dramatisch: Der angekündigte Stellenabbau betreffe primär Konzernfunktionen in Deutschland, sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann zu DerBund.ch/Newsnet. Im administrativen Bereich sei die Airline «bereits schlank aufgestellt». Sie fügt aber hinzu: «Anpassungen in diesem Bereich können bei der Swiss nicht ausgeschlossen werden.» Wie diese aussehen, kann Mühlemann noch nicht beurteilen. «Die konkreten Massnahmen werden derzeit noch erarbeitet.»

Dass es bei der Swiss zu einem markanten Stellenabbau kommt oder administrative Jobs ins Ausland verlagert werden, glaubt man bei der Gewerkschaft des Bodenpersonals nicht. Die Jobstrukturen seien bereits heute sehr schlank, meint Philipp Hadorn, Präsident des Verbands Groundstaff Aviation Technics and Administration (SEV-GATA), gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Eine Auslagerung ist nicht nötig und lohnt sich längerfristig nicht. Käme es dennoch dazu, würde die Swiss langsam, aber sicher zu stark von der Lufthansa gesteuert.»

Zudem befürchtet der Solothurner SP-Nationalrat Hadorn, dass bei einer Stellenauslagerung der Hub Zürich an Bedeutung verlieren würde. «Nicht zu vergessen sind auch die milliardenschweren Investitionen in die ehemalige Swissair durch die Schweizer Steuerzahler, um Arbeitsplätze in der Schweiz zu retten.»

«Die Swiss muss eine Perle bleiben»

Obwohl es derzeit keine konkreten Hinweise für Entlassungen beim Swiss-Flugpersonal gebe, haben die schlechten Nachrichten von heute Morgen die Flugbegleiter aufhorchen lassen. Das Grounding sitzt den Mitarbeitern noch immer in den Knochen. «Wir sind sensibilisiert», sagt Valérie Hauswirth, Präsidentin der Gewerkschaft der Flugbegleiter Kapers. Sie begrüsst, dass die Swiss-Führung offenbar nicht überreagiere, obwohl die Airline seit 2006 kein vergleichbares Ergebnis erzielte. Für Hauswirth steht fest, dass das Kabinenpersonal bereits «ausgeblutet» wurde. «Bei uns ist nichts mehr zu holen.» Die Gewerkschaft spüre aber den Rückhalt des Managements. «Sie wissen, dass Swiss eine Perle ist und dass sie das bleiben muss.»

Die Pilotengewerkschaft Aeropers vertritt das Cockpitpersonal der Swiss. Die Zahlen des ersten Quartals der Swiss und der Lufthansa seien für das fliegende Personal zwar eine schlechte Nachricht, aber kein Drama, sagt Aeropers-Sprecher Henning M. Hoffmann. «Wir kennen die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich die Swiss bewegt.» Er denke da etwa an die hohen Treibstoffpreise und den steigenden Druck, welchen die Airlines aus der Golfregion auf die Luftfahrtgesellschaften allgemein und somit auch auf die Swiss ausübten. «Sie sind faktisch subventioniert und treten darum mit anderen Wettbewerbsvoraussetzungen an.»

Für Hoffmann steht fest: «Die Swiss muss mit guten Leistungen und Qualität dagegen antreten, darin ist sie stark.» Die Fluggäste würden erkennen, wenn das Produkt stimme. Trotz den von der Swiss im Personalbereich angekündigten Sparmassnahmen glaubt Hoffmann nicht, dass es bei den Cockpitbesatzungen zu Entlassungen kommen werde. «Unter dem Strich hat die Swiss immer noch zu wenig Piloten, und um Geld zu verdienen, müssen die Flugzeuge fliegen.» Er hofft indes, dass es auch in den anderen Bereichen keinen Abbau geben wird, und glaubt, dass sich die wirtschaftliche Situation im Laufe des Jahres entschärfen werde.Link (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2012, 12:56 Uhr

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17 Kommentare

Peter Meier

03.05.2012, 16:33 Uhr
Melden 28 Empfehlung 0

Was für ein dämlicher Titel! Aber leider typisch für die Schweizer Medienlandschaft, die stets bemüht ist den Puls des einfachen Fussvolks anzuheizen. Mit seriösen Nachrichten hat das längst nichts mehr zu tun! Antworten


Volker Leiste

03.05.2012, 17:10 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Swiss ? Ach ja, der Nachfolger der pleitegeangenen Swissair, die durch Hunter-Strategie und "hochbegabte" schweizer Führungskräfte ruiniert wurde. Was gäbe es denn heute, wenn die Reste der bankrotten Swissair nicht von der Lufthansa aufgekauft worden wäre? Antworten



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