Wirtschaft

Sunrise entlässt 140 Angestellte

Aktualisiert am 24.10.2012

Der zweitgrösste Telecomkonzern der Schweiz entlässt 7 Prozent seines Personals. Die Gewerkschaft Syndicom sagt, Sunrise habe glaubwürdig aufzeigen können, dass der Abbau nötig sei und kritisiert die Weko.

Sunrise wollte die Berichte bisher nicht kommentieren: Hauptsitz der Firma in Zürich. (Archivbild Keystone)

Sunrise wollte die Berichte bisher nicht kommentieren: Hauptsitz der Firma in Zürich. (Archivbild Keystone)

Sunrise am Standort Biel

Am Standort Biel wird kein Personal abgebaut. «Dort beschäftigen wir vorwiegend Angestellte, die im Call Center arbeiten. Und der Kundendienst ist der einzige Bereich, der vom Personalabbau nicht betroffen is»t, sagte Tobias Kistner , Mediensprecher von Sunrise auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet.

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Sunrise nimmt einen harten Sparschnitt vor: Der zweitgrösste Telecomkonzern der Schweiz entlässt 140 Angestellte. Für diese gibt es einen Sozialplan. Verschont werden Lehrlinge und der Kundendienst. Alle übrigen Geschäftsbereiche müssen dagegen bluten.

Nach dem Stellenabbau wird Sunrise noch 1685 Mitarbeiter und 89 Lehrlinge beschäftigen, wie das Unternehmen heute Mittwoch bekannt gab. In den vergangenen Tagen hatten bereits verschiedene Medien über den Aderlass bei Sunrise berichtet. Der gesamte Arbeitsplatzabbau ist aber noch deutlich grösser. Ende Juni hatte der Telecomanbieter noch gut 2000 Vollzeitstellen (mit Lehrlingen). Man habe in der letzten Zeit bereits durch Fluktuationen und Pensionierungen Jobs aufgehoben, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Damit fallen im Vergleich zu Ende Juni insgesamt 240 Arbeitsplätze weg, nachdem der Personalbestand im laufenden Jahr wegen der Übernahme der Firma Nextira One sowie des Ausbaus des Kundendienst und die Eröffnung neuer Läden deutlich gewachsen war. Anfang Januar hatte Sunrise erst gut 1700 Vollzeitstellen gezählt.

Sozialplan

Für die wegen der Restrukturierung Entlassenen kommt ein Sozialplan zur Anwendung, der in der Vergangenheit mit der Personalvertretung und der Gewerkschaft Syndicom ausgehandelt worden war. Wer seinen Job verliere, werde freigestellt und erhalte bei der Arbeitssuche Unterstützung durch ein spezialisiertes Unternehmen, hiess es.

Als Grund für den tiefen Einschnitt führt Sunrise an, dass man die eingeschlagene Wachstumsstrategie auch bei einem zunehmend härteren Wettbewerb fortsetzen wolle. Dafür müsse Sunrise effizienter werden, sagte Unternehmenssprecher Michael Burkhardt.

Branchenprimus Swisscom hatte Mitte Juni seine Konkurrentinnen Sunrise und Orange mit einer Offensive bei der Handytarifstruktur überrascht, welche die Preise unter Druck setzte. Sunrise musste innert Kürze nachziehen und ihre Tarife ebenfalls senken.

Investitionen nötig

Gleichzeitig stehen erhebliche Investitionen für den Ausbau des Handynetzes auf die neue Mobilfunkgeneration LTE an. Alleine für die Ersteigerung der dafür nötigen Mobilfunklizenzen muss Sunrise inklusive Zinsen für die Ratenzahlung 504 Millionen Franken auf den Tisch legen.

Damit bezahlt Sunrise wesentlich mehr als die deutlich grössere Swisscom, die für ihre Mobilfunklizenzen 360 Millionen Franken an die Bundeskasse überweist. Orange kommt mit 162 Millionen Franken davon.

Zudem verschlingt der Ausbau der Netze Geld: Sunrise werde im nächsten Jahr über 200 Millionen Franken in die Infrastruktur von Fest- und Mobilfunknetz investieren, hiess es weiter.

Die neue Mobilfunkgeneration LTE, die das Unterwegs-Surfen in neue Geschwindigkeitssphären katapultiert, will Sunrise im nächsten Frühjahr in elf Gemeinden und Städten starten. Dazu werden in den nächsten Monaten Schritt für Schritt in der Agglomeration Zürich und in Zug sowie in fünf Wintersportorten erste Pilotnetze in Betrieb genommen.

Ein Interesse an mehr Profitabilität hat auch die Sunrise-Besitzerin CVC. Der Finanzinvestor, der Sunrise vor zwei Jahren nach der geplatzten Hochzeit mit Orange übernommen hatte, will den Telecomanbieter in wenigen Jahren die Börse bringen. Da macht sich eine Gewinnsteigerung nicht schlecht, um Aktionäre anzulocken.

Lob von der Gewerkschaft Syndicom

Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert im Zusammenhang mit dem Stellenabbau bei Sunrise die Wettbewerbskommission Weko, die einem Zusammenschluss mit Orange im Jahr 2010 den Riegel vorschob. Der Preiskampf in der Telekombranche sei hart und Skaleneffekte für Unternehmen in der Grösse von Sunrise nicht möglich. Syndicom habe Verständnis für die Situation, sagte Giorgio Pardini, Leiter des Sektor Telekom/IT bei Syndicom auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Wir bedauern den Abbau ausserordentlich», sagte er.

Doch Sunrise habe glaubwürdig aufzeigen können, dass die wirtschaftliche Situation den Abbau nötig mache. Die Gewerkschaft sei frühzeitig informiert und einbezogen worden, sagte er weiter. Der Stellenabbau bei Sunrise habe dadurch reduziert werden können. Zudem konnte der Sozialplan verbessert werden.

(mw/sda)

Erstellt: 24.10.2012, 10:03 Uhr

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