So umschiffen die Banken die neuen Bonusregeln
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.12.2010 41 Kommentare
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Nichts werde in der Finanzbranche mehr so sein, wie zuvor, hiess es noch vor kurzem. Immerhin hat das Verhalten führender Investmentbanken die Welt an den Rand einer schweren weiteren Depression geführt, die nur dank dem Einsatz von Steuergeldern und der Notenpresse der Zentralbanken verhindert werden konnte. Die Nachbeben der Krise beschäftigen die Weltwirtschaft hingegen nach wie vor.
Jetzt, zwei Jahre später, zeigt sich: Bei den Banken hat sich wenig geändert. Sie lassen die Versuche der Politiker und Aufsichtsbehörden, ihr Geschäft zu entschärfen, nach Möglichkeit ins Leere laufen. Das jüngste Beispiel: der Versuch europäischer Bankaufsichtsbehörden, Boni zu besteuern, beziehungsweise deren Bar-Anteil zugunsten langfristiger Aktienpläne zu verringern, um die Banker davon abzuhalten, kurzfristigen Profiten auf Kosten der längerfristigen Stabilität nachzujagen.
Damit alles bleibt, wie es immer war
Wie die «Financial Times» heute schreibt, gehen die international tätigen Investmentbanken mit Sitz in Europa zunehmend dazu über, ihre Zahlungssysteme regional so anzupassen, dass zwar die Regeln streng genommen eingehalten werden, die hohen Zahlungen aber nach wie vor möglichst so vorgenommen werden können, wie zuvor. In Europa, wo das «Comittee of European Banking Supervisors» (CEBS) und die britische «Financial Services Authority» (FSA) neue Regeln einführen, die unter anderem von den Banken verlangen, ihren Bar-Anteil an den Boni auf 20 Prozent zu beschränken, gehen diese dazu über, die Fixsaläre entsprechend zu erhöhen. Neben den US-Investmenthäusern JP Morgan und Goldman Sachs, nennt die «Financial Times» explizit auch die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) und Credit Suisse, (CSGN 19.09 -1.39%) die an Plänen arbeiten würden, um für ihre von der neuen Regulierung erfassten EU-Beschäftigten gesonderte Zahlungsstrukturen auszuarbeiten.
Die Zeitung zitiert auch führende Banker – wenn auch nicht namentlich – die den europäischen Behörden offen Naivität vorwerfen, wenn diese glauben würden, die Investmenthäuser würden die neuen Regeln weltweit einhalten. Indem die Banken nun die Regeln die Fixlöhne anheben müssten, hätte das den eigentlich unerwünschten Effekt, dass die Leistungsanreize verloren gehen würden. Wie die jüngste Geschichte allerdings zeigt, waren diese Leistungsanreize ohnehin weder im Sinne der Volkswirtschaften, in denen die Investmentbanken tätig waren, noch in jenem ihrer Aktionäre. Darauf wiesen unabhängig voneinander selbst die wichtigsten Finanzaufseher der Schweiz hin: Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand und Finma-Chef Eugen Haltiner. Die einzigen klaren Gewinner im Investmentbanking waren bisher einzig die Investmentbanker selbst.
«Der Druck auf dem Markt war gross»
Von Universalbanken wie der Credit Suisse und der UBS wird argumentiert, ein eigenes Investmentbanking sei notwendig, um den reichen Kunden in der Vermögensverwaltung die ganze Palette an Dienstleistungen anbieten zu können: Dazu gehört der Kauf oder Verkauf von Firmen, der Gang an den Kapitalmarkt oder an die Börse und weitere typische Angebote von Investmentbanken. Die Schweizer Grossbanken hätten zudem ihr entsprechendes Geschäft vom risikoreichen (und für die Banker besonders profitablen) Eigenhandel zum Kundengeschäft umgestellt.
Um Investmentbanker rekrutieren zu können, seien nun mal hohe Zahlungen nötig, lautet das gängige Argument – das sei der Druck des Marktes. Entsprechend argumentiert hat auch Credit-Suisse-Chef Brady Dougan, als er in England beschuldigt wurde, der dort im April ausgelaufenen 50-Prozent-Steuer auf Boni über 25'000 Pfund ausgewichen zu sein. 400 Manager der Bank, deren Boni wegen der Steuer zwar gekürzt worden sind, erhielten darauf eine einmalige Zusatzzahlung als Entschädigung. «Einige unserer Konkurrenten taten am Endes dasselbe, da der Druck auf den Märkten gross war. Das spricht wahrscheinlich nicht für das allgemeine Umfeld in unserer Branche, aber es ist im Grunde das, was passiert ist», rechtfertigte Dougan das Verhalten seiner Bank gegenüber der «Financial Times».
Nur die Credit Suisse und Goldman Sachs haben damals öffentlich gemacht, dass sie wegen der Bonussteuer die Boni tatsächlich kürzen. «Offensichtlich folgten uns darin nicht viele Konkurrenten. Und dann sahen wir, dass wir uns damit einen echten Nachteil eingehandelt haben, weil uns Talente abgeworben haben», sagt Dougan und beleuchtet damit die Anreize, die in der Finanzbranche nach wie vor herrschen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.12.2010, 17:25 Uhr
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41 Kommentare
Eigentlich dürften die "Bankster" das verdienen, das sie wirklich verdienen....Diese "Erpressbarkeit" der Politik, der Welt lässt nur einen Schluss zu. Warum braucht es überhaupt PRIVAT-Banken, die nur durch die Öffentlichkeit überleben? Staaten und Gemeinden können gerade so gut Kredite sprechen& vielleicht lassen sich so noch die Steuern senken :-) Weg mit PRIVATbanken->weg mit FINANZsozialismus Antworten
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