Wirtschaft

Schwellenländer verhelfen Nestlé zu Wachstum

Aktualisiert am 20.04.2012

Nestlé hat im ersten Quartal seinen Umsatz um 5,6 Prozent gesteigert. Dies vor allem dank dem Wachstum in den Schwellenländern. In den Industrieländern stehen die Zeichen eher auf Stillstand.

Konnte den Umsatz steigern: Nestlé, im Bild CEO Paul Bulcke. (19. April 2012)
Bild: Keystone

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Die Schwellenländer und das Geschäft mit den Kaffeekapseln haben Nestlé (NESN 66.95 0.37%) im ersten Quartal 2012 zu Wachstum verholfen. Der weltgrösste Lebensmittelkonzern steigerte seinen Umsatz um 5,6 Prozent auf 21,4 Milliarden Franken. Insgesamt wuchs Nestlé organisch um 7,2 Prozent, davon machten 4,4 Prozent Preiserhöhungen aus, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Mit dem Quartalsergebnis übertraf Nestlé die Erwartungen der Marktbeobachter leicht, die im Durchschnitt mit einem Wachstum um 6,9 Prozent gerechnet hatten.

Die Aktien verloren bis nach 10.30 Uhr dennoch 0,6 Prozent, bei einem konstanten Gesamtmarkt. Am Vortag hatten die Nestlé-Aktien allerdings ein Allzeithoch erreicht. Nicht überall auf der Welt stieg die Nachfrage nach Nestléprodukten wie Tiefkühlpizza, Schokoriegeln oder Kaffee gleich stark: In den Schwellenländern wuchs Nestlé organisch - das heisst ohne Wechselkurs- und Akquisitionseffekte - um 13,0 Prozent.

Wertvolles Wasser

Eine wichtige Rolle spielte das speziell auf die Schwellenländer ausgerichtete Trinkwasser «Pure Life», das ein zweistelliges Wachstum erreichte. Insgesamt legte das Wassergeschäft von Nestlé organisch um 8 Prozent zu und generierte einen Umsatz von 1,6 Milliarden Franken.

In Südamerika trieben vor allem Mexiko und Brasilien das Nestlégeschäft an. Die Regionen China, Südasien inklusive Indien, Afrika und der Mittlere Osten wuchsen ebenfalls alle im zweistelligen Bereich. In der gesamten Zone Asien, Ozeanien und Afrika erwirtschaftete Nestlé einen Quartalsumsatz von 4,6 Milliarden Franken, das ist mittlerweile eine Milliarde mehr als in Europa.

Diese Tendenz dürfte anhalten: In den meisten dieser «aufstrebenden Märkte» ortet Nestlé gute Wachstumschancen. Anders in den Industrieländern Europas und Nordamerika: Deren Märkte wuchsen im ersten Quartal bloss um 3,1 Prozent - vielerorts vor allem dank Preiserhöhungen. Das Konsumentenvertrauen sei in den Industrieländern schwach, sagte Konzernchef Paul Bulcke gemäss Mitteilung.

Wachstumstreiber Nespresso

Ungültig sind solche Analysen allerdings für Nestlés Kapselkaffee Nespresso, der seinen Siegeszug in allen Weltregionen gleichermassen fortsetzte und um 20 Prozent zulegte. Bis Ende Jahr will der Konzern das Netz an Kaffee-Boutiquen auf mindestens 300 Geschäfte ausbauen.

Gegen Nespresso-Kopien will sich Nestlé weiterhin entschieden zur Wehr setzen. Das europäische Patentamt habe soeben die Patente Nespressos bestätigt, sagte Roddy Child-Villiers, Investor-Relations- Verantwortlicher bei Nestlé, in einer Telefonkonferenz am Freitag. Dies werde dem Unternehmen im Fall weiterer Prozesse gegen Konkurrenten helfen, die Patente durchzusetzen.

Quasi im Schatten von Nespresso reift zurzeit die zweite grosse Kaffeemarke Nestlés, Dolce Gusto, weiter: Nestlé sei mit dem Produkt bereits in 60 Märkten präsent, sagte Child-Villiers. Dolce Gusto sei «die am schnellsten wachsende grosse Nestlé-Marke». Im norddeutschen Schwerin entsteht zurzeit eine neue Dolce-Gusto-Fabrik für 265 Millionen Franken.

Starker Franken

Als Wachstumsbremse erwies sich weiterhin der starke Schweizer Franken, der die Erträge um 4,6 Prozent schmälerte. Nestlé kauft mehrheitlich in Euro und Dollar ein, bezahlt die Dividenden aber in Franken aus.

Dies sei zwar eine «grosse Herausforderung», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck an der Generalversammlung vom Donnerstag in Lausanne. «Aber wir hängen am Schweizer Franken», begründete er den Entscheid, den Franken als Konzern- und Rechnungswährung beizubehalten.

Für das Gesamtjahr erwartet Nestlé weiterhin ein Wachstum zwischen 5 und 6 Prozent. Child-Villiers geht davon aus, dass die Inputkosten unter anderem für Kaffee, Kakao oder Karton fürs ganze 2012 im tiefen bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Bei konstanten Wechselkurse rechnet das Unternehmen zudem mit einer Margenverbesserung. (wid/sda)

Erstellt: 20.04.2012, 08:13 Uhr

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