Schüler gegen den Milchgiganten
Von Erwin Haas, Luzern. Aktualisiert am 21.06.2011 2 Kommentare
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Es war ein Arbeitskampf der anderen Art, den eine Werkschulklasse aus Emmen gestern gegen den Luzerner Milchkonzern Emmi (EMMN 178.5 -1.11%) ausfocht. Um 7.30 Uhr marschierten die 16- bis 17-jährigen Schulabgänger zu zehnt und samt ihrem Lehrer vor dem Hauptsitz der Firma auf und hielten bis 15 Uhr durch. Die Forderung: Genugtuung für ihren Klassenkameraden Fontaine Mutama.
Fontaine, ein 17-jähriger Bursche aus Burundi, der seit seiner Geburt in der Schweiz lebt, hatte in der Emmi-Fabrik in Dagmersellen eine einwöchige Schnupperlehre als Milchpraktiker absolviert und sich bei der Produktion von Quark und Hüttenkäse so geschickt angestellt, dass ihm der Lehrstellenverantwortliche der Frischkäseproduktion eine Anlehrstelle versprach. Doch dessen Chefs sagten dem Jungen ab.Das wollte Fontaines Klassenlehrer Walter Meier nicht auf sich sitzen lassen, zumal er im April auf Anfrage eine Bestätigung erhalten hatte. Auch die Klasse, in der nur drei von elf Schülern eine Lehrstelle gefunden haben, empfand das als ungerecht.
Zuspruch von den Passanten
Mit der Demonstration beharrten sie nicht auf der Lehrstelle, sondern forderten eine Geste der Fairness: «Liebe Emmi, wir möchten, dass Sie sich bei Fontaine und seiner Mutter entschuldigen für das, was Sie als Missverständnis bezeichnen, bitte».Emmi sieht dafür keinen Grund. Das Personalmanagement habe den Fall genau abgeklärt, sagt Pressesprecherin Esther Gerster. Eine mündliche Zusage sei nicht erfolgt, «und wir können uns nicht entschuldigen für etwas, das wir nicht getan haben». Emmi sei in Personalfragen nicht unbedarft, sagt Gerster.
Der Konzern habe Angestellte aus 65 Nationen und rund 100 Lehrlinge. Einige der Anlehrstellen gingen jeweils an Jugendliche, die es besonders schwierig hätten, irgendwo unterzukommen.Von den Passanten erhielten die Schüler mehrheitlich Zuspruch. Und selbst das Luzerner Stadtrauminspektorat drückte ein Auge zu: Die Demonstration wäre bewilligungspflichtig gewesen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.06.2011, 23:19 Uhr
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2 Kommentare
Das ist leider Schweizer Alltag: Nicht-europäische Einwanderer haben (bei gleicher Qualifikation) einfach nicht die selben Chancen wie Schweizer oder andere (weisse) Europäer. Das gilt für alle Schichten, auch für Akademiker. Da nützt alles Schönreden und alle gut gemeinten "Integrations"-Programme nichts, diese dienen in erster Linie den Anbietern, die damit verdienen. Rassismus existiert real. Antworten
Selbst der Lehrer hat ja eine Bestätigung erhalten Sehr glaubwürdig, dass Emmi damit einen Vertrag eingegangen ist. Natürlich kann dem ein Missverständnis zugrunde liegen, und so haben die Demonstranten ja auch nur eine Entschuldigung gefordert, denn die Enttäuschung bei dem Jungen dürfte unendlich sein. Dass Emmi es nötig hat, sich dermassen billig herauszuwinden, zeugt von wenig Charakter. Antworten
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