Wirtschaft

«Rund 330 Millionen haben wir wegen des Frankenkurses verloren»

Interview: Bernhard Fischer. Aktualisiert am 20.03.2012 8 Kommentare

Kuoni-Chef Peter Rothwell spricht mit DerBund.ch/Newsnet über die Herausforderungen für den Touristiker im Jahr 2012, die Nachwirkungen der Griechenland-Krise und nach wie vor boomende Kreuzfahrten.

«Im letzten Sommer hatten wir kein Glück mit dem arabischen Frühling und den Erdbebenkatastrophen in Japan und Neuseeland»: Kuoni-Chef Peter Rothwell im Interview.

«Im letzten Sommer hatten wir kein Glück mit dem arabischen Frühling und den Erdbebenkatastrophen in Japan und Neuseeland»: Kuoni-Chef Peter Rothwell im Interview.
Bild: Keystone

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Herr Rothwell, wird der Sommer 2012 für die Touristiker besser sein als 2011?
Das hoffen wir. Im letzten Sommer hatten wir kein Glück mit dem arabischen Frühling und den Erdbebenkatastrophen in Japan und Neuseeland. Die Unsicherheiten in Nordafrika halten im Übrigen nach wie vor an. Wir hoffen, dass wir mit solchen externen Ereignissen in diesem Jahr nicht mehr kämpfen müssen. Allein dadurch könnten wir dieses Jahr profitieren.

Was stellen Sie sich denn vor?
Wir weisen für 2011 rund 5,6 Milliarden Franken Umsatz aus inklusive der Akquisition von GTA auf das Jahr gerechnet. Diese Zahl wird vom Frankenkurs aber leider stark beeinflusst. Wir setzen in Franken zwar nicht so viel um, aber wir konsolidieren in dieser Währung. Rund 330 Millionen Franken haben wir allein wegen des ungünstigen Frankenkurses verloren. Die Nachfrage für Griechenland ist wegen der Negativschlagzeilen noch verhalten. Das werden wir 2012 stärker zu spüren bekommen als im Vorjahr. Die Reisezahlen für Ägypten werden sich wohl nur langsam erholen, aber das betrifft mehr die Winter- als die Sommersaison. Das Wichtigste für dieses Geschäft wäre aus unserer Sicht, dass die negativen Schlagzeilen und die abschreckenden Bilder nachlassen.

Und wenn das nicht passiert?
Für unser Angebot für Ägypten-Kulturreisende könnte das ein Problem sein. Denn auch das Ausweichen auf Jordanien ist für diese Zielgruppe aus regionalpolitischen Gründen nicht so einfach. Von Tauchern und Strandtouristen hingegen registrieren wir bereits jetzt wieder ein höheres Buchungsaufkommen in dieser Region.

Wie läuft das Geschäft mit den Kreuzfahrten?
Die sind auf dem Niveau von 2011, und die bieten wir vor allem in der Schweiz an. Kreuzfahrten boomen seit Jahren, auch wenn Buchungen mit dem vom Kreuzfahrtunglück heimgesuchten Betreiber Costa Concordia zurückgegangen sind und klar unter dem Vorjahr liegen. Kurzfristig gab es eine geringere Nachfrage. In diesem Jahr werden wir die Zahlen aber wieder übertreffen.

Im Geschäftsbericht performt Südeuropa am schwächsten. Woran liegts?
Unser grösstes Geschäft in der Einheit Südeuropa machen wir in Frankreich. Von dort haben die Reisen nach Nordafrika stark abgenommen. Mit unseren Reiseveranstaltern in Südeuropa wie in Spanien und Italien haben wir vor allem das Problem, dass sie im Verhältnis zum gesamten weltweiten Geschäft klein sind und oft unter der für uns betriebswirtschaftlich relevanten Grösse liegen. Das macht es schwer für uns, in diesen Regionen umsatzmässig vom Fleck zu kommen. In Skandinavien hingegen läuft das Geschäft über unsere Reiseveranstalter sehr gut.

Das Eigenkapital ist um mehr als 200 Millionen Franken gestiegen. Eine gute Grundlage für weitere Zukäufe?
Kuoni (KUNN 298.5 2.23%) war immer ein Unternehmen, das stark über Akquisitionen gewachsen ist. GTA (Gullivers Travel Associates) war die grösste Übernahme in unserer Firmengeschichte. GTA war immerhin halb so gross wie wir, diese Übernahme müssen wir erst verdauen. Aber die Integration verläuft gut, und wir stehen wieder vor der Frage, was wir als Nächstes tun. Wir schauen uns in ähnlichen Geschäftsfeldern um, wie wir sie schon mit dem Kauf von GTA zu besetzen versuchen. Wir können jedoch ausschliessen, einen klassischen Reiseveranstalter in Europa zu kaufen.

Liegen die Übernahmeziele vorwiegend in Asien?
Wir prüfen für diese Region derzeit unterschiedliche Geschäftsmodelle. Immer mehr Asiaten haben die Möglichkeit zu reisen. Daran wollen wir teilhaben.

Die Kooperation mit lokalen Reiseveranstaltern in Asien bietet also die aussichtsreichste Perspektive für 2012?
Das Asien-Geschäft wächst. Ein Viertel bis zu einem Drittel unseres Umsatzes kommt aus Asien und dem Mittleren Osten. Die Hälfte unseres Vermittlergeschäfts, Business-to-Business mit Reiseveranstaltern, Reisebüros und Onlineplattformen, haben wir in dieser Region. Das Geschäft dort wächst wesentlich schneller als in Europa. In absoluten Zahlen machen wir mit Europäern aber immer noch 64 Prozent unseres Umsatzes. Der Rest kommt aus Nord- und Südamerika. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2012, 17:50 Uhr

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8 Kommentare

giovanni bernasconi

20.03.2012, 22:20 Uhr
Melden 28 Empfehlung 0

.... und wie viele Hunderte Millionen durch den starken Franken verdient?
Das wird hier verheimlicht!
Antworten


Donald Caprez

21.03.2012, 00:06 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

Mir geht das Gejammere sowas auf den Geist! Wieviele sind wohl Aufgrund des starken CHF ins Ausland gereist? Ach ja, darüber jammert ja bereits unser Tourismus. Antworten



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