Wirtschaft

Professoren zerzausen die Positionen der Grossbanken

Von Bruno Schletti, David Vonplon. Aktualisiert am 25.03.2011 37 Kommentare

Die Forderung nach Gleichbehandlung mit den ausländischen Konkurrenten sei absurd. Dies sagen führende Ökonomen.

Stellen «absurde Forderungen»: Oswald Grübel, CEO der UBS und Brady Dougan, CEO der CS.

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Bild: Keystone

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Die Vorschläge des Bundesrates, das Bankengesetz an die Erfahrungen der Finanzmarktkrise anzupassen, stösst bei den Grossbanken auf wenig Verständnis. Sekundiert von der Bankiervereinigung und dem Wirtschaftsverband Economiesuisse, verwahren sie sich gegen jede Verschärfung jener Vorschläge, welche die vom Bundesrat zuvor eingesetzte Expertenkommission ausgearbeitet hat. Und laut erschallt der Ruf, den Schweizer Banken möglichst Regeln zu ersparen, die weiter gehen als die noch nicht ausformulierten Vorschriften für ihre ausländischen Konkurrenten.

Schweiz bietet viele Vorteile

Diese Forderung kommentiert Martin Janssen, Zürcher Professor für Finanzmarkt-Ökonomie, kurz und knapp: «Das ist absurd.» Es gehe nicht, die gleichen Rahmenbedingungen wie im Ausland zu verlangen und gleichzeitig alle Vorteile dieses kleinen Landes zu geniessen, insbesondere die politische Stabilität. «Wegen dieser Vorteile sind die Grossbanken überhaupt hier», sagt Janssen. Das Problem sei, dass eine UBS (UBSN 11.15 -0.89%) im Vergleich zur Grösse des Landes zehnmal grösser sei als die Deutsche Bank. «Da kann man doch nicht Gleichbehandlung verlangen.» Gerade der Fall Irland zeige das Problem: «Dort haben drei Banken, die viel kleiner sind als die Schweizer Grossbanken, das Land gegroundet.»

Janssens Kollege Urs Birchler bläst ins gleiche Horn: «Wie streng die Auflagen für systemrelevante Banken im Ausland sind, ist für den Schweizer Finanzplatz nicht entscheidend. Der Standortvorteil eines gesunden Finanzplatzes Schweiz – mit gesunden Bundesfinanzen – ist viel grösser als das vermeintliche Handicap wegen ein paar Prozentpunkten mehr Eigenmittel für die Grossbanken.»

Die Nobelpreisträger Franco Modigliani und Merton Miller hätten längst nachgewiesen, dass es nicht entscheidend sei, wie man ein Unternehmen finanziere, sagt Janssen. Es gebe keinen Grund, weshalb man von den Banken nicht einen grösseren Anteil an Eigenkapital verlangen könne. Viele kleine Regionalbanken hätten einen hohen Anteil an Eigenkapital und lebten gut damit. «Wenn kleine Banken mit viel Eigenkapital überleben, die Grossen damit aber ein Problem haben, stimmt doch etwas nicht. Dann müssten doch die grossen Banken sich selber aufspalten, wie das übrigens jetzt auch aus der UBS zu hören ist.» Wenn aber die Entschädigung der Manager an die Eigenkapitalrendite gekoppelt sei, hätten diese ein Interesse, das Geschäft mit wenig Eigenkapital zu betreiben. Aus Sicht der Schweiz mache das aber keinen Sinn.

Schielen auf Inlandkonkurrenz

UBS und Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) schielen aber nicht nur auf die Konkurrenten im Ausland. Neu beschwören sie auch Wettbewerbsnachteile im Inland. «Die Zusatzauflagen für Grossbanken verschieben die Wettbewerbsverhältnisse in der Schweiz und im Ausland», schreibt die UBS. Und die Credit Suisse bestreitet, dass die Wettbewerbsvorteile der Grossbanken, bedingt durch ihre faktische Staatsgarantie, belegbar seien.

Auch da melden die Professoren Widerspruch an. Birchler sagt: «Es besteht in der Forschung durchaus Evidenz, dass systemrelevante Banken von der impliziten Staatsgarantie profitieren, weil sie sich günstiger refinanzieren können.» Und Janssen verweist auf die Unterschiede zur Staatsgarantie der Kantonalbanken und zur Bundesgarantie von Postfinance: «Sowohl bei den Kantonalbanken wie bei Postfinance wird die Garantie des Staates abgegolten. Bei den Grossbanken ist das nicht der Fall.» Der Steuerzahler werde, ohne wählen zu können und ohne je dafür entschädigt worden zu sein, im Krisenfall zur Kasse gebeten. Der zweite Unterschied: «Die Grossbanken können die Schweiz grounden. Eine Kantonalbank kann nicht einmal ihren eigenen Kanton ins Verderben reissen. Zudem könnten die Stimmbürger der Kantone die Staatsgarantie widerrufen, wenn sie wollten. Bei den Grossbanken ist das wegen der schieren Grösse nicht möglich.»

Die beiden Professoren glauben auch nicht daran, dass sich strengere Eigenkapitalbestimmungen für die Grossbanken negativ auf die Schweizer Wirtschaft auswirken werden. Er könne das nicht nachvollziehen, sagt Birchler: «Einzelne Banken überschätzen die Kosten höherer Eigenmittel und unterschätzen deren langfristige Vorteile. Eigenmittel fördern das Vertrauen in die Bank und sind auch ein Wettbewerbsvorteil.»

Irritation bei der Credit Suisse

Bei der Credit Suisse fühlt man sich missverstanden. Man stehe voll und ganz hinter den Vorschlägen der Expertenkommission, sagt ein Sprecher. Sollte die Vernehmlassungsantwort der CS als leichtfertige politische Polemik wahrgenommen werden, sei dies eindeutig nicht der Fall. Man bemühe sich, eine konstruktive Meinung einzubringen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2011, 23:25 Uhr

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37 Kommentare

Rolf Meierhans

25.03.2011, 12:07 Uhr
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@Carlo Quirici: "erfolgreiche Führungskräfte in der globalen Finanzindustrie" Muss schon sagen, selten so herzhaft gelacht!! :-) Antworten


Hans Peter Layer

25.03.2011, 13:21 Uhr
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Andy Wöllner: ich nehme an, Ihr Statement schliesst auch einen Professor wie Mörgeli mit ein? Bei diesem "Staatsschmarotzer" fehlt, wie Sie selbst erwähnen, jegliche "Substanz". Hinter den Aussagen der beiden Professoren kann ich voll stehen. Schlafen wir nicht ein! Die Einlullungsmaschine der SVP und FDP läuft bereits auf Hochtouren. Antworten



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