Wirtschaft

Postauto Schweiz nutzt die Euroschwäche aus

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 23.08.2011 3 Kommentare

Die Post-Tochter schrieb Grossaufträge in Euro aus. Auch Genf bürdet so den ohnehin benachteiligten Schweizer Anbietern noch ein Währungsrisiko auf.

Egal, ob es mit dem Euro aufwärts- oder abwärtsgeht: Die Post-Tochterfirma will profitieren.

Egal, ob es mit dem Euro aufwärts- oder abwärtsgeht: Die Post-Tochterfirma will profitieren.
Bild: PD

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Einheimische Lieferanten von Schweizer Verkehrsbetrieben sind bei Aufträgen wegen des starken Frankens massiv benachteiligt. EU-Konkurrenten könnten bei Ausschreibungen für Busse, Züge oder Bahninfrastruktur wegen der Euroschwäche bis zu 30 Prozent günstiger anbieten, klagen Betroffene.

Einzelnen Verkehrsbetrieben reicht das scheinbar noch nicht. Für Aufruhr unter Schweizer Lieferanten sorgt derzeit vor allem die Postauto Schweiz AG, die alle paar Jahre eine dreistellige Zahl von Postautos beschafft. In jüngster Zeit habe die Post-Tochter mehrere Fahrzeugaufträge in Euro ausgeschrieben, heisst es. Ein Sprecher der Post bestätigt dies dem TA: «Seit einiger Zeit werden einzelne Beschaffungen in Schweizer Franken und Euro ausgeschrieben.»

Post will Fünfer und Weggli

Müssen Einheimische in Euro offerieren, sind sie doppelt im Nachteil, weil sie neben höheren Schweizer Kosten das Währungsrisiko übernehmen müssen.

Damit nicht genug: Postauto Schweiz behält sich obendrein zumindest in einem Fall vor, erst bei Auftragsvergabe zu entscheiden, ob sie in Franken oder Euro zahlt. Postauto hat den Fünfer und das Weggli: Egal, wie sich Euro und Franken entwickeln, der Staatsbetrieb ist in der angenehmen Lage, die für ihn günstigere Währung aussuchen zu können. Betroffene Schweizer Firmen wollen sich aus Angst vor Repressalien nicht äussern. Der Branchenverband Swissrail ist über Euroausschreibungen der öffentlichen Hand aber gar nicht glücklich.

Auch Genf nutzt den Euro

«Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Staatsbetriebe wie Postauto Schweiz und andere namhafte Transportunternehmungen, die mit Steuergeldern unterstützt werden, Beschaffungsaufträge in Euro ausschreiben», sagt Swissrail-Präsident Daniel Steiner. «Mit so kurzfristigem Spardenken fügt man der Schweizer Industrie Schaden zu.» Wenn das Beispiel Postauto Schule mache, koste dies in der Schweiz Arbeitsplätze: «Es besteht die Gefahr, dass wir auf der einen Seite eingespartes Geld auf der anderen Seite für Sozialhilfemassnahmen ausgeben müssen.»

Postauto Schweiz ist kein Einzelfall. Die Genfer Verkehrsbetriebe TPG vergaben im Juli einen Auftrag über 87 Gelenkbusse an Mercedes in Stuttgart. Dieser war in Euro ausgeschrieben. Im Herbst wollen die Genfer einen weiteren Grossauftrag ausschreiben, diesmal für Trolleybusse – ob in Euro oder Franken, ist noch nicht entschieden.

Die Schweizer Armee überliess es bei der letztes Jahr bewilligten Beschaffung von 910 Lastwagen den Anbietern, ob sie in Franken oder Euro offerieren. Vergeben wurde der Grossauftrag an Iveco-Magirus in Ulm, sagt ein Armasuisse-Sprecher. Natürlich in Euro. Es gebe keine Schweizer Firmen mehr, die Lastwagenchassis plus Kabinen produzieren. Wenigstens die Aufbauten würden von Schweizer Herstellern geliefert.

In Genf waren einheimische Anbieter beim Gelenkbusauftrag von vornherein chancenlos, wie ein TPG-Sprecher freimütig zugibt: «Damit ein Schweizer Fabrikant den Auftrag für sich hätte gewinnen können, hätte man den Umrechnungssatz auf einem künstlich erhöhten Niveau festlegen müssen.» Was «inkompatibel» mit den internationalen Regeln für Ausschreibungen sei.

Swissrail fordert längere Spiesse

«Andere Länder wie Frankreich und Deutschland nutzen die Schlupflöcher im internationalen Ausschreibungsrecht viel besser als die Schweiz, um ihre heimische Industrie zu schützen», hält Swissrail-Geschäftsführerin Michaela Stöckli dagegen. «Im Minimum müsste bei Ausschreibungen in Euro gelten, dass Offerten aus der Schweiz zu einem deutlich höheren Eurokurs bewertet werden, als Ausgleich für das höhere Schweizer Kostenniveau.»

Ein staatsnaher Grossbetrieb hilft einheimischen Lieferanten bereits, die Euroschwäche zu überbrücken. Damit Schweizer Firmen eine Chance haben, «verwenden wir einen künstlich höheren Kurs von 1.45 bis 1.50 Franken», sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter im TA-Interview im Juli, als der Euro unter 1.20 Franken lag. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2011, 20:55 Uhr

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3 Kommentare

Ronnie König

23.08.2011, 13:39 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Aber dann den CH-Konsumenten ins Gewissen reden? Leute, entweder gilt Solidarität oder vergesst es und schaut was ihr retten könnt vom Lohn. Jetzt werden die Sprüche entlarvt und die Wahrheit zeigt sich knallhart. Antworten


Martin Waeber

23.08.2011, 13:50 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Zitat: "Damit ein Schweizer Fabrikant den Auftrag für sich hätte gewinnen können, hätte man den Umrechnungssatz auf einem künstlich erhöhten Niveau festlegen müssen." Ich glaube mehr braucht man dazu nicht mehr zu sagen. Solchen Unternehmen sollte jegliche öffentliche Unterstützung gestrichen werden. Antworten



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