Wirtschaft

Petroplus-Raffinerie in Cressier gerettet

Aktualisiert am 03.05.2012

Für einen unbekannten Preis verkauft Petroplus die Ölraffinerie im neuenburgischen Cressier an die Varo Holding. Damit kann der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Neue Besitzverhältnisse nach der Insolvenz: Die Raffinerie Petroplus in Cressier. (27. Dezember 2011)

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Die Ölraffinerie in Cressier NE muss doch nicht schliessen. Die bisherige Besitzerin, die insolvente Petroplus- Gruppe, verkauft die Tochterfirma an die Varo Holding, ein Gemeinschaftsunternehmen des Rohstoffhändlers Vitol und der Investmentgesellschaft AtlasInvest.

Varo beabsichtige, den Betrieb der Raffinerie wieder aufzunehmen und fortzuführen, teilte die unter Leitung von Sachwaltern stehende Petroplus am Donnerstag mit. Der Betrieb soll nach Abschluss des Verkaufs im zweiten Quartal 2012 wieder aufgenommen werden.

Neuenburgs Wirtschaftsdirektor Thierry Grosjean zeigte sich heute Morgen an einer eilig einberufenen Medienkonferenz erfreut über die gute Nachricht. «Heute Morgen um 3 Uhr 40 war das Abkommen unterzeichnet», sagte er. Endlich wisse man, wie es mit der Raffinerie weitergehen werde.

Der Deal muss noch von den Nachlassrichtern am Kantonsgericht Zug und am Tribunal régional du Littoral et du Val-de-Travers sowie weiteren Behörden genehmigt werden. Der Verkauf der Petroplus Refining Cressier S.A. umfasst die damit verbundenen Schweizer Verkaufs- und Logistikanlagen.

Dies sind die Petroplus Tankstorage AG sowie die Betreibergesellschaften für die Zubringerpipeline für Cressier Société Française du Pipeline du Jura sowie Oléoduc du Jura Neuchâtelois SA.

Alle Angestellten übernommen

In Cressier waren zuletzt rund 260 Angestellte in Kurzarbeit beschäftigt, um Entlassungen zu vermeiden. Diese Angestellten würden alle vom neuen Besitzer übernommen, sagte Sachwalterin Brigitte Umbach-Spahn von der Kanzlei Wenger-Plattner auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Ein Stellenabbau sei zur Zeit nicht vorgesehen, bestätigte ein Vitol-Sprecher.

Der Verkaufsprozess war Mitte Februar eingeleitet worden. Es habe mehrere Interessenten für die Raffinerie gegeben, sagte Umbach-Spahn weiter. Der Verkaufspreis werde nicht bekannt gegeben.

Beim neuen Besitzer Varo spannen der weltgrösste Ölhändler Vitol mit Sitz in Genf und der Mitgründer von Petroplus, Marcel Van Poecke, dem AtlasInvest gehört, zusammen. Vitol ist mit einem Umsatz von 297 Milliarden Dollar im Jahr 2011 das umsatzstärkste Unternehmen der Schweiz noch vor dem Zuger Rohstoffriesen Glencore (186,2 Milliarden Dollar).

Vitol hatte kürzlich auch Interesse an den Petroplus-Anlagen in Deutschland und Grossbritannien gezeigt. Denn angesichts von schmaleren Margen im Ölhandel und drohenden strikteren Regulierungen des Derivatehandels zeigen Ölhandelsgesellschaften zunehmendes Interesse an Raffinerien. Vitol besitzt unter anderem Raffinierieanlagen im Arabischen Emirat Fujairah.

Geldnot

Petroplus war Ende Dezember in arge Schwierigkeiten geraten. Das Unternehmen mit Sitz in Zug konnte Schuldverschreibungen und Anleihen im Wert von 1,75 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen, weshalb Banken noch nicht bezogene Kredite in der Höhe von 1 Milliarden Dollar einfroren.

Petroplus konnte daher kein Rohöl zur Verarbeitung mehr kaufen. Deshalb mussten mehrere Raffinerien den Betrieb herunterfahren. Über die Gruppe und ihre Gesellschaften wurde die Nachlassstundung verhängt. Auch bei Petroplus-Raffinerien in Deutschland, Frankreich und Belgien wurden Konkursverfahren in den jeweiligen Ländern eingeleitet.

Am Vortag gab der in Genf ansässige Rohstoffhändler Gunvor bekannt, die Petroplus-Raffinerie in Antwerpen gekauft zu haben. Die Transaktion werde in den nächsten 6 bis 8 Wochen abgeschlossen. Gunvor beabsichtige, den im Februar eingestellten Betrieb sobald als möglich wieder aufzunehmen.

Bei der Petroplus-Raffinerie Petit-Couronne in Frankreich wurde in der letzten Woche die Angebotsfrist für Kaufinteressenten erneut verlängert, diesmal bis zum 25. Mai. Drei Gesellschaften hätten ihr Interesse an der Raffinierie bekundet, sich aber nicht in der Lage gesehen, bis zum Ablauf der bereits mehrfach verlängerten Frist am 30. April ein gültiges Angebot einzureichen. (rbi/sda)

Erstellt: 03.05.2012, 13:41 Uhr

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