Wirtschaft

Petroplus steht vor der Pleite

Aktualisiert am 29.12.2011

Nach der Sperrung einer Kreditlinie von 1 Milliarde Dollar kämpft der Raffineriebetreiber Petroplus ums Überleben. Ein Analyst spricht von einer «gravierenden Situation».

Ölvorräte auf einem Minimum: Die Raffinerie von Petroplus in Cressier.

Ölvorräte auf einem Minimum: Die Raffinerie von Petroplus in Cressier.
Bild: Keystone

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Im Moment bleibt dem Unternehmen die Hoffnung auf einen Verhandlungserfolg mit den Banken und die Hilfe durch die französische Regierung. «Die Situation ist sehr gravierend: Petroplus (PPHN 0.03 -40.00%) brauchte Ende des dritten Quartals 1,5 Milliarden Dollar zur Aufrechterhaltung des täglichen operativen Geschäfts - im Moment hat das Unternehmen nur 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung», erklärte Analyst Martin Schreiber von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Es sei allerdings unklar, wo das Unternehmen genaue stehe und wie gross der Liquiditätsbedarf im Moment sei, gab Schreiber zu bedenken. «Mit Produktionskürzungen, Investitionsstopps und dem Aufschub von Lieferantenzahlungen kann das Unternehmen versuchen, in den nächsten Wochen über die Runden zu kommen», sagte er.

Teufelskreis

Die Massnahmen könnten aber einen Teufelskreis auslösen, warnt Branchenexperte Schreiber. Würde Petroplus auf diese Weise Vereinbarungen für den Erhalt von Krediten (Covenants) verletzen, zöge dies die komplette Blockierung der Kredite und damit eine Insolvenz nach sich. Das Einfrieren von Krediten beeinträchtigt den Einkauf von Rohöl bereits jetzt akut. Laut Finanzchef Joseph Watson hat Petroplus nur noch Vorräte für wenige Tage.

Petroplus, eine Firma mit niederländischen Wurzeln mit Sitz in Zug, betreibt neben einer Anlage in Cressier (NE) vier Raffinerien in Frankreich, Deutschland, Belgien und Grossbritannien. Das Unternehmen steht schwierigen Marktbedingungen gegenüber und schreibt seit 2008 rote Zahlen.

Möglicher Verkauf von Raffinerien

Laut Analyst Schreiber ist die Anlage in Cressier die drittwichtigste für Petroplus. Er geht daher davon aus, dass eine Drosselung der Produktion die Anlage im Kanton Neuenburg nicht als erstes voll trifft. Die Neuenburger Regierung spricht derweil von einer «ernsten, aber nicht katastrophalen» Situation.

Für Volkswirtschaftsdirektor Thierry Grosjean ist das wahrscheinlichste Szenario, dass Petroplus Anlagen verkauft. Das müsse aber nicht zwingend Cressier sein, wo 250 Mitarbeiter tätig seien. Auch wenn die Raffineriebranche mit dünnen Margen in einer schwierigen Lage sei, könnte die Anlage Cressier von ihrer Fähigkeit, 68'000 Barrel Rohöl pro Tag zu verarbeiten, profitieren, sagte Grosjean der sda. Ausserdem stehe in Cressier neben der Anlage in Collombey VS die einzige Raffinerie der Schweiz.

Da Cressier im dritten Quartal zusammen mit Raffinerie in Petit- Couronne (Nordfrankreich) aber die tiefste Rentabilität der Petroplus-Standorte aufwies, sind sich Branchenkenner bezüglich der Zukunft der Neuenburger Produktionsstätte weniger sicher als Grosjean. Die Anlage stammt von 1966 und gehörte früher Shell.

Aktie steigt

Hilfe bei den Verhandlungen hat inzwischen das französische Finanzministerium angeboten und am Mittwoch verlautbaren lassen, dass einige Banken unter Umständen zumindest einen Teil der Kreditlinien wieder freizugeben bereit seien. Gewerkschaften hatten gefordert, dass der Staat bei den Banken vorstellig werde.

In vergleichbaren Situation haben Kreditnehmer laut ZKB-Experte Schreiber allerdings Mühe, die Banken zu erweichen: «Erschwerend für Petroplus ist im Moment, dass Banken üblicherweise Kredite nicht wieder freigeben, die sie kurz davor eingefroren haben», sagte er.

Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's senkten am Donnerstag ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit von Petroplus. Moody's stufte das Unternehmen von «B2» auf «Caa1» herunter. S&P senkte das Rating von «B» auf «CCC ». Somit sind die Petroplus- Papiere in den Augen beider Agenturen «mit grundlegenden Risiken behaftet». Am Dienstag war der Kurs um 46 Prozent gefallen und verlor am Mittwoch weitere 10 Prozent. Am Donnerstag schloss die Aktie 0,6 Prozent tiefer. (jak/sda)

Erstellt: 29.12.2011, 12:11 Uhr

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