Wirtschaft

Pensioniert mit 56 Jahren

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 12.12.2011 27 Kommentare

Stefan Lippe, Chef des Versicherungskonzerns Swiss Re, setzt sich mit 56 Jahren zur Ruhe. Das ist eigentlich zu früh – auch angesichts der Demographie.

Tritt ab: Swiss-Re-Chef Stefan Lippe.

Tritt ab: Swiss-Re-Chef Stefan Lippe.

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Frühpensionierung

In der Schweiz lassen sich durchschnittlich 43 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen vor dem Rentenalter pensionieren. (Stand 2008)

Das durchschnittliche Pensionierungsalter hat in den letzten Jahren abgenommen und beträgt heute bei Männern wie Frauen um die 62 Jahre.

Bei den Deutschschweizern (44 Prozent) lassen sich mehr Arbeitnehmer frühpensionieren als bei den Westschweizern und Tessinern (35 Prozent).

Wer einen Abschluss auf Sekundarstufe II, also einen Lehrabschluss, hat, geht häufiger früher (44 Prozent) als Akademiker (40 Prozent). Beim Bund erklärt man sich das so, dass Akademiker «häufig in Berufsfeldern mit grossem Identifikationspotenzial und hoher Arbeitsqualität tätig sind».

Anteil der jeweiligen Alterskohorte, der gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung 2005 bereits frühpensioniert war:

(Lesebeispiel: Von den 59-Jährigen waren 2005 11 Prozent pensioniert.)

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Stefan Lippe, Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Re, (SREN 54.95 0.27%) ist am 11. Oktober 56 Jahre alt geworden. Jetzt, zwei Monate nach seinem Geburtstag, gibt er seinen Rücktritt bekannt: Er verlässt das Amt als Geschäftsführer, um sich zur Ruhe zu setzen, wie das Unternehmen heute Morgen bekannt gab.

Firmenkenner geben sich auf Anfrage zwar «überrascht», dass der Rücktritt so früh kommt. Doch sie halten es für glaubwürdig, dass es nicht zum Streit kam, sondern Lippe wirklich einfach genug hat. «Das ist absolut so», sagt ein Sprecher der Swiss Re. «Herr Lippe hat den Verwaltungsrat am Wochenende über seinen Entscheid informiert.» Man habe den Entscheid akzeptiert, wenn auch «mit Bedauern».

Lippe ist im Februar 2009 als Swiss-Re-Chef angetreten. In den letzten zwei Jahren ist er in den Medien mehrfach als überbezahlt kritisiert worden. So zuletzt gestern Sonntag in einem Ranking der «Sonntagszeitung», welche die Leistung - evaluiert von der Finanzresearchfirma Obermatt – mit dem Salär verglich. Obermatt bewertete Lippes Leistung radikal mit 0 Prozent. Damit schaffte es Lippe angesichts seines Gehalts von knapp 28 Millionen Franken auf den wenig rühmlichen 2. Platz der am meisten überbezahlten Manager des Landes – direkt nach CS-Chef Brady Dougan. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» urteilte im Juli 2010 gar, dass Lippe von allen Chefs der SMI-Unternehmen das schlechteste Lohn-Leistungsverhältnis bringe. Gleichzeitig attestieren ihm Analysten eine gelungene Restrukturierung des Konzerns. «Als er antrat, war Swiss Re extrem unter Druck», sagt Daniel Bischof von Helvea. «Jetzt steht der Konzern in seiner Branche europaweit am stabilsten da.»

Flexible Modelle gesucht

Jetzt tritt Stefan Lippe also nach 30 Jahren bei Swiss Re mit 56 Jahren ab – in einer Zeit, in der darüber gesprochen wird, dass eigentlich alle länger und mehr arbeiten müssten, um einerseits wertvolles Wissen zu erhalten und andererseits die Sozialwerke zu sichern. Bei Swiss Re ist es durchaus üblich, dass man früh in Pension geht. Auf individuelle Arbeitsverträge gehe er öffentlich nicht ein, sagt der Sprecher. Aber: «Generell bietet Swiss Re allen Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich mit 58 Jahren zur Ruhe zu setzen.»

Es habe historisch zugenommen, dass Führungskräfte im Alter von 60 Jahren langsam abtreten, sagt Gunther Schwarz, Berater bei Bain & Company und Experte für Personalstrategien. Ausserdem wünschten sich Arbeitnehmer heute «sehr intensiv» grundsätzlich mehr Flexibilität von ihren Arbeitgebern – beim Einstieg, während der Familienphase, bezüglich Auszeiten oder eben auch bei der Pensionierung.

Mit Engpässen rechnen

Doch aufgrund der demographischen Entwicklung müssten zahlreiche Unternehmen in wenigen Jahren mit Engpässen bei Führungskräften rechnen und darum alles daran setzen, ihre Experten länger im Haus zu behalten. «Es gilt darum, einen Kompromiss zu finden zwischen den Interessen der Arbeitnehmer und jenen des Arbeitgebers.» Der häufigste Weg: Führungskräfte reduzieren ab dem 50. Altersjahr ihr Pensum auf bis zu 50 Prozent, bleiben dafür aber länger beim Unternehmen. Andere scheiden zwar wie üblich mit 60 aus, arbeiten aber mit einem Beratervertrag weiter. «Viele Führungskräfte wollen schliesslich nicht von einem Tag auf den andern nur noch Golf spielen», sagt Schwarz.

Was der abtretende Swiss-Re-Chef nach seiner Pensionierung machen will, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob eine Krankheit oder andere private Gründe ihn zum Rücktritt bewogen haben. Lippe wird zunächst die Suche nach seinem Nachfolger begleiten «und für eine reibungslose Übergabe sorgen», wie das Unternehmen heute schreibt. Seinen Posten werde er irgendwann im Jahr 2012 übergeben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.12.2011, 13:36 Uhr

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27 Kommentare

André Bürgi

12.12.2011, 16:13 Uhr
Melden 86 Empfehlung

Für den Abzocker gilt: geht mit 56 Lenzen in Rente (die Abzocke reicht ja fürstlich)
Für den Büezer gilt: hat gemäss dem Willen der Abzocker gefälligst bis 67 zu malochen - logisch, oder??!!
Antworten


Robin Bergan

12.12.2011, 16:38 Uhr
Melden 83 Empfehlung

Ich gebe es offen zu: bei diesem Gehalt würde ich den Bettel schon nach 3 Monaten Probezeit hinwerfen und mich sofort pensionieren lassen, nach meiner Berechnung hätte ich dann bereits 7 Mio. in der Kasse. (Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, weshalb mir mein Arbeitgeber deutlich weniger bezahlt ;-) Antworten



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