Organisierte Wut

Im Tessin wurde der erste Verein von Cablecom-Opfern gegründet.

Wie in der ganzen Schweiz treiben Anpassungen beim Angebot der TV-Kanäle und schlechter Kundendienst bei Cablecom auch im Tessin viele Kunden in die Verzweiflung. Und jeder einzelne Kunde fühlt sich ohnmächtig, gegen Cablecom vorzugehen. Nun haben einige Cablecom-Opfer entschieden, sich zusammenzuschliessen und den Verein Associazione Vittime Cablecom mit Sitz in Lugano-Paradiso zu gründen. Dies gab gestern die Mediaconsult in Lugano bekannt.

«Den Anfang machen knapp zehn Kunden aus Paradiso, die sich untereinander kennen und ähnliche Probleme haben», sagte Luca Venturi von Mediaconsult auf Anfrage. Sie bemängeln insbesondere, dass Cablecom nicht auf eingeschriebene Briefe antwortet, häufig sogar – trotz postalischer Bestätigung – am Telefon dementiere, diese überhaupt erhalten zu haben. Statt Antworten auf konkrete Anfragen würden ständig neue Rechnungen verschickt. Dazu komme, dass in einigen Quartieren Paradisos das Empfangssignal sehr schlecht sei. Zudem seien gewisse TV-Kanäle entgegen offiziellen Mitteilungen aus dem Angebot genommen worden. Auch zwischen den vertraglich zugesicherten Download-Geschwindigkeiten im Internet und der effektiven Leistung klaffe häufig eine tiefe Lücke.

Geradezu als Hohn wird es laut dem Opferverein empfunden, dass Vertreter der Marketinggesellschaft Ranger zurzeit im Tessin Kundenbesuche im Auftrag von Cablecom durchführen und dabei versichern, die Probleme könnten durch den Abschluss eines teureren Abonnements gelöst werden.

Fristlose Kündigung gefordert

Hinlänglich bekannt sind die Probleme im Kundendienst. Ob Kabelfernsehen, Digital-Phone oder Internet: Kunden bleiben bei Problemen stets in einer langen Warteschlaufe eines Call-Centers stecken. Bei jedem Anruf hat man mit neuen Kundenberatern zu tun. Wer technische Probleme hat, muss sich mit besonders viel Geduld wappnen: Cablecom hat die technische Assistenz outgesourct. Dabei schreckt sie in gewissen Fällen auch nicht davor zurück, Leitungen zu kappen.

Die Cablecom-Opfer-Vereinigung fordert angesichts der massiven Störungen des Angebots, dass die fristlose Kündigung aller Cablecom-Verträge ermöglicht wird. (Der Bund)

Erstellt: 18.06.2009, 09:07 Uhr

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