Wirtschaft
Neue Migros-Herkunftsangabe: «Ostjerusalem, israelisches Siedlungsgebiet»
Aktualisiert am 29.05.2012 207 Kommentare
Artikel zum Thema
- Migros und Coop attackieren Nespresso
- Migros Bank mit neuen Verwaltungsräten
- Aldi knackt Migros-Hochburg
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Wie andere Grossverteiler führt auch die Migros eine Reihe von Produkten, die aus den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten stammen. Darunter sind etwa Datteln, Kartoffeln, Früchte, Küchenkräuter oder Soda Club-Geräte. Deren Herkunft soll in Zukunft deklariert werden. Sprich es soll klar gemacht werden, dass die Produkte von Israelis stammen, die ihre Produkte auf Palästinensergebiet vertreiben oder herstellen, wie Migros-Mediensprecherin Monika Weibel gegenüber DerBund.ch/Newsnet klar macht.
Heute stammen solche Produkte gemäss Herkunftsangabe schlicht aus «Israel». Tatsächlich kommen einzelne Artikel jedoch aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind, etwa in der Westbank oder in Ostjerusalem, wie es in einer Meldung des «Migros-Magazins» vom Montag heisst. Die betreffenden Siedlungen werden von der UNO und vom Bundesrat als völkerrechtswidrig beurteilt.
Kritischer Israelitischer Gemeindeverbund
Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), beurteilt die Massnahme der Migros gegenüber DerBund.ch/Newsnet kritisch: «Es ist sehr fragwürdig, wenn die Migros nur Produkte aus der Westbank in dieser Form deklarieren möchte, dagegen Podukte aus anderen Konfliktgebieten keine spezielle Deklaration von der Migros erhalten.»
Bisher konnten die Kunden nicht feststellen, ob die Migros-Produkte aus den illegalen Siedlungen stammen. Darum sollen diese nun mit «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Gaza, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet werden. Die Migros plant, die neue Deklaration Mitte 2013 einzuführen.
Entscheid beim Kunden
«Wir sorgen damit für Transparenz, damit der Kunde selber entscheiden kann, ob er das Produkt kaufen will oder nicht», sagte Migros-Sprecherin Monika Weibel. Die Produkte ganz aus dem Sortiment zu nehmen, ist für den Grossverteiler jedoch kein Thema. «Die Migros verhält sich politisch neutral. Wir wollen den Kunden die Wahl lassen», sagte Weibel. Schliesslich gebe es kein Verbot, Produkte aus Israel zu importieren.
Für die Erklärung von Bern (EvB) ist die Deklaration von Produkten aus den israelischen Siedlungsgebieten grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Es liege in der Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten, darauf zu achten, woher ein Produkt komme, und einen bewussten Kaufentscheid zu fällen, sagte Andrea Hüsser von der EvB auf Anfrage. Allerdings müssten diese beim Kauf ohnehin schon zu viele Informationen verarbeiten. Hüsser sieht die Hauptverantwortung darum bei den Unternehmen, ihre Handelspartner auszuwählen und für eine vertretbare Herkunft ihrer Produkte zu sorgen.
Die Gesellschaft Schweiz-Palästina begrüsst den Entscheid der Migros ebenfalls. Die israelischen Siedlungen seien eines der wichtigsten Hindernisse für einen Frieden zwischen den Palästinensern und Israel, heisst es in einer Mitteilung. Gleichzeitig ruft die Organisation die Konsumenten dazu auf, die Transparenz zu nutzen und keine Güter aus israelischen Siedlungen im besetzten Gebiet zu kaufen.
Krisengebiete ausblenden
Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), hält die von der Migros geplante Deklaration hingegen für fragwürdig. Es sei für den Konsumenten verwirrend, nur Produkte aus einem bestimmten Krisengebiet zu deklarieren und alle anderen auszublenden. Stalder spricht sich dafür aus, die Herkunft aller Produkte exakt anzugeben. «Wer sich politisch interessiert, kann seinen Kaufentscheid darauf abstützen», sagte sie der sda.
Coop ist in Sachen Deklaration nach eigenen Angaben schon weiter als die Konkurrenz. Kräuter aus dem Westjordanland würden als solche bezeichnet, sagte Coop-Sprecher Urs Meier auf Anfrage. Ebenso die Soda Club-Geräte, die ausschliesslich im Westjordanland hergestellt würden. Aber auch Meier betont, dass Coop keine Aussenwirtschaftspolitik betreibe und die Kundschaft nicht bevormunde. (mrs/sda)
Erstellt: 29.05.2012, 12:37 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
207 Kommentare
Ich werde weiterhin und vermehrt Produkte aus Israel kaufen. Was die Migros jetzt drauf schreibt ist mir egal. Alle Israel Boykotteure müssten eher Produkte oder Ferien z.Bsp. aus/nach Ägypten, Türkei, Saudi-Arabien, Malediven, Vietnam und viele andere boykottieren. In diesen Ländern werden Christen, andere Religionen oder Homosexuelle systematisch verfolgt, unterdrückt, gefoltert und ermordet. Antworten
Die Migros darf gerne alle Produkte aus Gaza deklarieren. Nur, seit September 2005 gibt es im ganzen Gaza Streifen keine einzige israelische Siedlung mehr.
Alle 21 zivilen Siedlungen und alle israelischen Miltärinstllationen und Soldaten sind im Verlauf des „Abkoppelungsplans“ von 2005 total geräumt worden.
Antworten
Wirtschaft
- 15:28Immobilienboom zieht vom Zürichsee ins Mittelland
- 12:38«Offenbar geriet die Situation ausser Kontrolle»
- 09:52«Migros gilt in Deutschland als teuer»
- 09:37Minsch übernimmt bei Economiesuisse per sofort
- 08:33Bernanke lässt die Märkte im Ungewissen
- 07:48Grossbritannien: Anklage gegen Drahtzieher im Libor-Skandal
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.
FÜR MEHR «YESSS!» IM ALLTAG!
Erfahren Sie, wie unsere Services das Leben erleichtern. Jetzt Videos schauen: search.ch/diego
Alles für Abonnenten und Abonnentinnen
Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Bitte warten
























