Wirtschaft

Mygate will aufs Berner Glasfasernetz

Von Hans Galli. Aktualisiert am 27.11.2009

Eine Firma mit Berner Wurzeln hat grosse Pläne mit Fernsehen, Internet und Telefonie. Berner Haushalte können aus einem Dutzend Anbietern auswählen, wenn das Glasfasernetz von EWB ab März 2010 schrittweise in Betrieb gehen wird.

EWB hat ein Testlabor eingerichtet, in welchem die künftigen Angebote auf dem Glasfasernetz geprüft werden. (Adrian Moser)

EWB hat ein Testlabor eingerichtet, in welchem die künftigen Angebote auf dem Glasfasernetz geprüft werden. (Adrian Moser)

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«Wir haben das Fundament für ein Hochhaus gebaut. Heute steht zwar erst ein Gartenhäuschen darauf. Aber schon in wenigen Monaten wird es anders aussehen», sagt Andreas Danuser, der Verwaltungsratspräsident der Firma Mygate. Danusers Aussage ist symbolisch gemeint: Mygate baut keine Häuser. Das junge Unternehmen bietet vielmehr Dienste wie Internet, internetbasiertes Fernsehen sowie Telefonie über das Glasfasernetz an. Mit dem Gartenhäuschen meint er, dass die Firma erst wenige Kunden in der Stadt und im Kanton Zürich sowie in der Ostschweiz angeschlossen hat.

Aus Translumina wird Mygate

Aber Mygate, welche bis gestern noch Translumina hiess, hat grosse Wachstumspläne: Unter anderem will die Firma ihre Dienste künftig auch auf dem Glasfasernetz von Energie, Wasser, Bern (EWB) anbieten.

Das Berner Glasfasernetz befindet sich im Bau. Die Bieler Firma Finecom hat im laufenden Jahr einen Test mit den ersten Kunden durchgeführt. Im ersten Quartal 2010 wird der Kreis der Pilotkunden noch etwas erweitert, wie Peter Zbinden, Leiter Telekom bei EWB, sagt. Am 1. März 2010 wird das Netz dann definitiv in Betrieb gehen – mit vorerst vielleicht fünf oder sechs Diensteanbietern. Mittelfristig rechnet Zbinden mit rund einem Dutzend, wovon drei bis fünf grosse. Sie alle werden beim Fernsehen eine Alternative bilden zur Cablecom.

Mygate will von Beginn an dabei sein, wie Firmenchef Peter Helfenstein und Präsident Danuser gegenüber dem «Bund» bekräftigten. Das Grundangebot besteht aus 30 festen Fernsehsendern sowie 50 weiteren Sendern, welche die Kunden aus 200 Sendern auswählen können. Dazu kommen 40 Radiosender sowie der Telefon- und der Internetanschluss.

In Zürich noch zu teuer

Mygate hofft, dass EWB ein besseres Angebot machen wird als das EWZ. Mit 104 Franken ist der Preis, den Mygate in Zürich von seinen Kunden monatlich verlangt, vergleichsweise hoch. Im Angebot bestehend aus Fernsehen, Telefonanschluss und Internet des Unternehmens ist in der Stadt Zürich aktuell ein Internetanschluss mit einer Bandbreite von 30 Megabit pro Sekunde beim Empfangen sowie von nur 2 Megabit beim Senden inbegriffen. In Dietikon dagegen könne Mygate dank dem Netzpartner Litecom dieselben Dienste mit einer Bandbreite von 30 Megabit in beide Richtungen zu einem Preis von 95 Franken anbieten, sagte Helfenstein. Im Abonnement eingeschlossen ist jeweils die Miete von 9 Franken für die Set-Top-Box. Diese muss von Mygate bezogen werden. So können laut Helfenstein laufend Softwareanpassungen und neue Funktionen aufgeschaltet werden.

Zu den geplanten Angebotserweiterungen gehören auch zeitversetztes Fernsehen, Wunschfilme und der Teleclub. Die Verhandlungen über die Übertragungsrechte seien im Gang, sagte Danuser. «Das ist der schwierigste Teil unseres Geschäfts: Die Technik haben wir selber im Griff, aber die Verhandlungen über die Rechte an den Inhalten sind sehr aufwendig.» Nicht geplant ist laut Danuser erotische Erwachsenenunterhaltung. Mygate hält es diesbezüglich wie die Swisscom, während Finecom derartige Angebote in ihr Wunschfilmprogramm aufnehmen will. Laut Danuser sind dagegen innovative Kombinationen von Internet und Fernsehen in Entwicklung. Für den Fernsehzugang verfügt Mygate über eine eigene Satellitenstation in Zürich (11 Schüsseln). Eine weitere Station im Tessin (15 Schüsseln) ist in Planung.

Auch auf dem Land

Fernziel sei ein gesamtschweizerisches Netz, sagte Helfenstein. Mygate engagiere sich deshalb auch auf dem Land und suche die Zusammenarbeit mit allen Elektrizitätswerken. Besonderes Interesse bestehe an neuen Überbauungen oder auch an Hotels. Sofern erforderlich, beteiligt sich die Firmengruppe über einen Spezialfonds auch am Bau von Glasfasernetzen.

Mygate blickt zudem über die Landesgrenze hinaus: Erste Anwendungen in den Nachbarländern Deutschland und Österreich gibt es bereits. Denkbar ist laut Danuser, dass beispielsweise Auslandschweizern in Asien europäische Fernsehsendungen über das Internet angeboten werden.

Heute beschäftigt Mygate in Bern, Zürich und Chur 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mehrheitsaktionär ist Andreas Danuser. Seit Kurzem sind zwei weitere Schweizer Privataktionäre beteiligt. «Wir haben mehrere 10 Millionen Franken als Vorleistungen investiert. Nun geben wir uns zwei Jahre Zeit, um schwarze Zahlen zu erreichen», sagt er.

Um den weiteren Ausbau zu finanzieren, ist Danuser auf der Suche nach zusätzlichen Geldgebern. Noch ist offen, ob er die Aktienmehrheit behalten wird. «Grundsätzlich besitze ich lieber einen kleinen Anteil an einem grossen Unternehmen als einen grossen Anteil an einem kleinen», sagt er.

Danuser ist in Bern kein Unbekannter. Ausser Mygate besitzt er hier eine Firmengruppe mit über 150 Beschäftigten. Den Anfang machte er mit der Netzwerkfirma Inalp. Diese wurde 2002 in die amerikanisch-schweizerische Partnerschaft Patton-Inalp Networks eingebracht, für welche Danuser heute noch die Rolle des Verwaltungsratspräsidenten wahrnimmt.

Dank der in Niederwangen beheimateten Firmengruppe kann Danuser jederzeit auf das neueste Knowhow zurückgreifen. Wenn seine ehrgeizigen Pläne aufgehen, wird auf dem grossen Fundament ein Mygate-Hochhaus mit internationaler Bedeutung entstehen. Prognosen über die Entwicklung in der Telekommunikation und beim noch nicht einmal gebauten Glasfasernetz sind allerdings äusserst unsicher. (Der Bund)

Erstellt: 27.11.2009, 09:44 Uhr

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