Wirtschaft
Mit Kampfpreisen gegen Easyjet
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 03.09.2012 51 Kommentare
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Easyjet expandiert in der Schweiz, insbesondere in Genf und Basel (wir berichteten). Am Flughafen Genf etwa beträgt der Marktanteil von Easyjet 38 Prozent gegenüber 15,3 Prozent der Swiss. Das bringt diese und andere «klassische» Airlines in Bedrängnis. Nun bietet Swiss seit Mittwoch Oneway-Flüge ab 49 Franken von Genf nach Nizza oder Madrid an. Preise, die sich mit denjenigen von Billigairlines messen lassen. Den Hin- und Rückflug gibt es ab 89 Franken für Madrid respektive 99 Franken für Nizza. Ab Mitte September gelten ähnliche Bedingungen auch für Flüge nach Athen und Prag. Buchbar sind diese Tarife vorerst nur bis Ende Jahr, der Reisezeitraum ist hingegen offen.
Laut Swiss-Sprecher Mehdi Guenin handelt es sich um eine Testphase. «Der Konkurrenzdruck in Genf, insbesondere durch Easyjet, ist gross.» Warum setzt Swiss auf günstige Oneway-Tarife? Der Kunde kann sein Reiseprogramm laut Guenin nun flexibler zusammenstellen. Beispiel: In Genf bietet Swiss bestimmte Flugzeiten. Passt der Hin- oder Rückflug besser ins Reiseprogramm des Kunden, kann er zumindest diesen Flug mit Swiss buchen. «Anders gesagt: Der Kunde bucht besser einen Oneway-Flug bei Swiss als gar keinen», erklärt Guenin. Ausblickend sagt er: «Sollte der Markt positiv darauf reagieren, werden wir uns überlegen, die Oneway-Tarife ab Genf definitiv einzuführen.»
Für Kurt Hofmann, Kenner des europäischen Airlinemarktes, kommen die Genfer Billigtarife der Swiss relativ spät: «Die Mitbewerber fliegen ihr ja nur so um die Ohren!» Nun sei der Druck offenbar so gross geworden, dass sich auch die Swiss anpassen musste. Dies erst recht, weil auch sie inzwischen unter grösserem Spardruck stehe als noch vor wenigen Jahren. Kein Wunder, sagte Markus Schmid, ab 1. September Leiter der Swiss-Geschäfte in der Romandie, jüngst zur «Handelszeitung»: «Zusammen mit unseren Star-Alliance-Partnern (...) möchten wir in Genf wieder die Nummer eins werden. Wir sind auf gutem Weg.»
Billigtarife der Swiss auch bald in Basel?
Auch in Basel ist Easyjet stark verankert. Der Marktanteil betrug Anfang Jahr 46 Prozent gegenüber 4 Prozent der Swiss. Diese hatte jüngst einen Grossteil ihrer Verbindungen von dort abgezogen. Dennoch lancierte sie in Basel im 4. Quartal 2011 eine ähnliche Aktion wie in Genf, führte dies aber nicht weiter. Weshalb? «Man muss verstehen, dass in Basel andere Marktbedingungen als in Genf oder Zürich herrschen», so Guenin. Nach der Testphase habe man festgestellt, dass der Zeitpunkt in Basel nicht optimal gewesen sei.
Sind Billigtarife ab Basel also künftig wieder ein Thema? In einem Kundeninformationsmail wurde jedenfalls ein Flug nach Hamburg für 99 Franken angeboten. Für Guenin ist es «noch zu früh, um sich dazu zu äussern». Man müsse abwarten, wie die Testphase in Genf verlaufe. Aus Hofmanns Sicht hingegen liegt es auf der Hand, dass die Billigtarife der Swiss auch nach Basel kommen – zumindest auf bestimmten Strecken. Der Konkurrenzdruck steige weiter, und darauf müsse Swiss reagieren. «Die Zeichen mehren sich, dass sie im Europaverkehr schlagkräftiger werden will», so der Aviatikexperte aus Österreich.
Zu teure Tickets schrecken Kunden ab
Billigtarife in Genf, vielleicht auch bald wieder in Basel: Müssen dies nun Passagiere ab Zürich quersubventionieren, wo Easyjet kaum präsent ist? Hofmann verneint. «Sie werden kaum höhere Ticketpreise zahlen müssen, um die Billigtarife zu kompensieren.» Das könne sich die Swiss nicht leisten, sonst würden die Kunden davonlaufen. Wie kann die Swiss also den Einnahmeausfall kompensieren? Hofmann zufolge ist der Spielraum der Fluggesellschaft eng. Sie könne, wie auch andere Airlines, nur einen kleinen Teil ihrer Tickets zu so tiefen Preisen anbieten. Und die Effizienz steigern, etwa mit einem engeren Flugplan.
In Österreich beobachtet Hofmann schon seit einer Weile die Tendenz zu Billigtarifen bei «klassischen» Airlines: Der Flughafen Wien sei ein hart umkämpftes Pflaster mit einer grossen Konkurrenz durch Billigflieger. So habe Austrian Airlines schon vor einiger Zeit die Preise auf stark konkurrenzierten Strecken gesenkt – etwa nach Madrid und Barcelona. Trotzdem stellt der Aviatikexperte keine Quersubventionierung durch teurere Tickets anderswo fest. «Auch hier gilt: Sind die Preise zu hoch, wenden sich die Kunden ab.» Ausblickend meint Hofmann: «Die Airlinelandschaft wird sich massiv verändern. Es gibt keine heiligen Kühe mehr, keine Tabus.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.08.2012, 14:19 Uhr
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51 Kommentare
Da sieht man,dass es eben Konkurrenz braucht,damit sich in diesem Sektor etwas bessert. Die Genfer sind ja noch so happy, dass sich Swissair zurückgezogen hat! Ich fliege heute (mit Standort Bern) etwa 3x mehr ab Genf als ZH (viel billiger)! Wenn der Flughafen ZH seine Kosten und Gebühren in den Griff kriegt und eine unabhängige Behörde alle 3 Jahre die Slots versteigert ist das auch in ZH möglich Antworten

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