Wirtschaft

Milliardärin lebt von 500 Euro im Monat

Aktualisiert am 20.07.2009

Der tiefe Fall der Madeleine Schickedanz: Die einst milliardenschwere Erbin des deutschen Versandriesen Quelle befürchtet den Verlust ihres gesamten Vermögens.

Steiler Abstieg: Madeleine Schikedanz.

Steiler Abstieg: Madeleine Schikedanz.

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Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz muss sparen und macht sich nach der Arcandor-Pleite Sorgen über ein Abrutschen in die Armut. «Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat», sagte die 65-Jährige der «Bild am Sonntag». «Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten.» Zugleich räumte die frühere Milliardärin eigene Fehler ein.

Sie sei nicht abgesichert, sagte Schickedanz: «Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles - Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen. Ich bekäme mit meinen 65 Jahren noch nicht einmal Rente.» Sie hafte mit ihrem ganzen Vermögen und ihren Immobilien. Auch ihr Elternhaus im fränkischen Hersbruck sei gefährdet: «Wenn ich hier wegziehen müsste, würde es mir das Herz brechen.»

Nur noch zum Italiener um die Ecke

Sie spare schon jetzt, wo sie könne: «Wir reduzieren unsere persönlichen Ausgaben, von den Lebensmitteln bis zur Kosmetik und Kleidung. Wenn mein Mann und ich ausgehen, was nur noch selten vorkommt, dann zum Italiener um die Ecke, essen eine Pizza, trinken ein Viertel Rotwein und ein alkoholfreies Bier. Das kostet dann keine 40 Euro.»

Schickedanz sagte der Zeitung, sie habe sehr viel Geld verloren: Ihr KarstadtQuelle-Aktienpaket sei in der Spitze 3 Milliarden Euro wert gewesen. Heute seien es gerade noch 27 Millionen Euro. «Hinzu kommen 170 Millionen Euro Verlust aus meinem Privatvermögen für eine Kapitalerhöhnung bei Arcandor im Jahr 2004 und noch zusätzlich ein dreistelliger Millionenbetrag, um das Unternehmen danach zu stabilisieren».

Auch persönliches Versagen

Die Erbin räumte auch persönliches Versagen ein: «Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle verloren hatte. Und ich hätte schon viel früher Themen wie Internet im Versandhandel und die Zukunft und Veränderung der Kaufhäuser angehen müssen. Das mache ich mir zum Vorwurf.» Die Fehler im operativen Geschäft habe aber das Management zu verantworten. Auf Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff lässt sie aber weiter nichts kommen. Ihm wolle man im Nachhinein alles in die Schuhe schieben. Dabei wäre Karstadt-Quelle ohne ihn schon früher am Ende gewesen, sagte Schickedanz.

Offen räumte sie ein, dass ihr ihre Kinder Vorwürfe wegen des verlorenen Erbes machten: «Meine Kinder glauben, ich hätte mich zu wenig um den Konzern gekümmert.» Das Schicksal der Beschäftigten bei Karstadt und Quelle belaste sie sehr: «Ich weiss, dass ich eine Mitverantwortung für ihr Schicksal habe.»

Gesundheitlich angegriffen

Die Arcandor-Pleite habe sie gesundheitlich angegriffen. «Einen Tag vor der Insolvenz hatte ich Herzrhythmusstörungen. Ich bin zusammengebrochen, bekam keine Luft mehr und konnte nur noch auf allen vieren über den Boden krabbeln. In diesem Moment dachte ich: Ich muss sterben.»

Inzwischen traue sie sich nicht mehr unter Menschen, sagte Schickedanz dem Blatt: «Ich habe den Eindruck, dass alle auf mich starren und hinter meinem Rücken tuscheln und sagen: 'Guck mal, da ist die Schickedanz. Die hat alles verloren.' Das kann ich nur schwer ertragen.» (se/ap)

Erstellt: 20.07.2009, 11:36 Uhr

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