Wirtschaft

«Meteo Schweiz könnte uns platt walzen»

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 31.08.2011 21 Kommentare

Das Wetterinstitut des Bundes bereitet den Markteintritt vor. Die privaten Meteodienste fürchten deswegen um ihr finanzielles Überleben. Peter Wick von Meteonews sieht 150 Stellen in Gefahr.

Muss sich im Markt bewähren: Meteo Schweiz, hier im Büro in Genf.

Muss sich im Markt bewähren: Meteo Schweiz, hier im Büro in Genf.
Bild: Keystone

«Ein Markteintritt von Meteo Schweiz wäre für uns eine direkte Konkurrenz»: Peter Wick, Geschäftsführer von Meteonews.

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Meteo Schweiz, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, wird reformiert und entwickelt sich von einer Fachinstitution zu einem «unternehmerischen Wetterdienst», wie Bärbel Zierl, Informationsbeauftragte von Meteo Schweiz, erklärt. Der amtliche Wetterdienst wird sich künftig im freien Markt behaupten müssen. Dafür ist zurzeit die Revision des Meteorologiegesetzes in der Vernehmlassung. Die vollständige Inkraftsetzung ist für Anfang 2014 geplant. Der amtliche Wetterdienst wird spätestens zu diesem Zeitpunkt die erhobenen Wetter- und Klimadaten kostenlos anbieten müssen. Wegen des Wegfalls dieser Einnahmen und zusätzlicher Sparmassnahmen werden Meteo Schweiz jährlich 5 Millionen Franken in der Kasse fehlen.

Für die privaten Anbieter von Wetterdaten würde dies eine Kostenentlastung bedeuten. «Bisher war der Kauf der Daten von Meteo Schweiz ein mittlerer Ausgabenposten. Dieser würde mit dem neuen Meteogesetz wegfallen», bestätigt Peter Wick, Geschäftsführer von Meteonews, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Doch wäre dies auch der einzige Vorteil. Denn um auf dem freien Markt zu überleben, hat Meteo Schweiz die Entwicklung neuer Produkte angekündigt. Versicherungskonzerne, Kraftwerkbetreiber oder Rohstoffhändler werden als neue Kunden angepeilt. «Genaue Wetterinfos sind matchentscheidend», sagt Christian Plüss, seit 1. Mai Direktor von Meteo Schweiz. So stellt sich Plüss beispielsweise als Kunden einen Versicherungskonzern vor, der Daten für eine Ernteausfallversicherung in Nigeria benötigt.

«150 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel»

Peter Wick betrachtet dieses Vorhaben mit grosser Sorge. «Ein Markteintritt von Meteo Schweiz wäre für uns eine direkte Konkurrenz», erklärt er. Auch Meteonews und die anderen privaten Wetteranbieter hätten Kunden in diesem Bereich. «Meteo Schweiz könnte uns damit platt walzen. Insgesamt stehen 150 Arbeitsplätze auf dem Spiel.» Als öffentlich-rechtliche Anstalt profitiere der Wetterdienst von einer Quersubventionierung. Das neue Gesetz würde in die falsche Richtung laufen und sei gefährlich, meint Peter Wick, der gerade mit den anderen privaten Wetteranbietern eine Krisensitzung abgehalten hat. «Wir planen einen Verband, um unsere Interessen zu wahren.»

So fordert Wick eine Einschränkung des Auftrags von Meteo Schweiz. «Der amtliche Wetterdienst soll sich künftig auf die Erhebung von Daten, auf die Forschung und auf eine gewisse Grundversorgung beschränken. Wir sind strikt gegen einen Markteintritt. Dieser soll den Privaten vorbehalten sein.»

Plüss bietet Zusammenarbeit an

Meteo Schweiz betont derweil, dass eine Konkurrenzierung des traditionellen gewerblichen Meteomarktes nicht im Fokus stehe. Im Gegenteil, man wolle sich klar zu den anderen Wetterdiensten abgrenzen, sagt Direktor Peter Plüss. Er ist sogar bereit, mit den Privaten zusammenzuarbeiten. Für Wick ist dieses Szenario jedoch unrealistisch. «Das würde ich als Chef von Meteo Schweiz während der Vernehmlassungsphase des Gesetzes auch sagen. Ich wüsste nicht, was eine solche Zusammenarbeit bringen würde.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2011, 14:23 Uhr

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21 Kommentare

Gianin May

31.08.2011, 17:46 Uhr
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Also, wenn Meteo CH in die Privatwirtschaft einsteigt, müssen alle staatlichen Unterstützungen wegfallen und die Infrastruktur gekauft werden, welche vorher durch den Steuerzahler bezahlt wurde, denn diese gehört dem Staat (dem Volk) und nicht dem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Antworten


Rolf Löber

31.08.2011, 16:56 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Der Bund reisst immer wieder kommerzielle Aktivitäten an sich, die einerseits durch die Privatwirtschaft bestens betreut werden und andererseits durch die Wegnahme viele Arbeitsplätze vernichten. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit: die Passbildfotografie wurde dem Fotofachhandel und den Fotografen entzogen, was zu schmerzlichen Ausfällen führte und Arbeits- wie Ausbildungsplätze vernichtete. Antworten



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