Maschmeyer verlässt Swiss Life sofort
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 08.12.2011 46 Kommentare
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Überraschend ist, dass man sich beim grössten Schweizer Lebensversicherer überrascht zeigt. Schon als Carsten Maschmeyer 2008 sein Finanzprodukt AWD an die Swiss Life verkaufte, als Grossaktionär beim Lebensversicherer einstieg und sich als Folge davon 2009 in den Verwaltungsrat wählen liess, galt der Deutsche als illustre Persönlichkeit. Inzwischen ist Maschmeyer mit seiner neuen Liebe, der Schauspielerin Veronica Ferres, gern und oft gesehener Gast in den bunten Spalten der Boulevardpresse. Und vor allem sieht er sich in der deutschen und der österreichischen Öffentlichkeit mit happigen Vorwürfen konfrontiert.
Ob all das dem seriösen Image der Swiss Life zuträglich ist, ist ein viel diskutiertes Thema. Die Verantwortlichen des Versicherers liessen entsprechende Fragen zumindest öffentlich stets an sich abperlen. Eben erst antwortete Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig auf eine entsprechende Frage in der «SonntagsZeitung»: «Herr Maschmeyer bringt einen grossen Erfahrungsschatz ein. Er ist ein Entrepreneur mit sehr viel unternehmerischem Gespür.»
Im Fokus der Justiz
Nun geht er Knall auf Fall. In der Medienmitteilung von gestern lässt er sich mit den Worten zitieren: «Ich möchte mit diesem Entschluss den unberechtigten Angriffen auf meine Person und auf AWD den Boden entziehen.» Ob die Vorwürfe unberechtigt sind, werden voraussichtlich die Gerichte entscheiden. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 20 ehemalige und derzeitige Manager von AWD wegen Verdachts auf gewerbsmässigen Betrug (TA vom 1. Dezember). Zuoberst auf der Liste steht der Name Maschmeyer. Den Managern wird vorgeworfen, dass sie Kunden absichtlich und systematisch falsch beraten hätten. Dabei geht es um einen Streitwert von rund 50 Millionen Franken.
Auch in Deutschland ist der Druck auf AWD und damit auf die heutige Besitzerin Swiss Life gross. Spezialisierte Anwälte sammeln AWD-Kunden, die sich geschädigt fühlen. Die Swiss Life hat kürzlich die Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten erhöht. Maschmeyer hofft, durch seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life die öffentliche Debatte zu versachlichen. Darauf hofft man auch bei der Swiss Life, wie Sprecher Christian Pfister sagt. Er betont aber, dass seitens der Swiss Life keinerlei Druck auf Maschmeyer ausgeübt worden sei. Dieser habe persönlich so entschieden.
2008 von der Swiss Life übernommen
Maschmeyer tritt nicht nur per sofort aus dem Verwaltungsrat zurück. Er verkauft auch fast die Hälfte seiner Swiss-Life-Aktien – 700'000 von gut 1,6 Millionen Stück. Das heisst: Er reduziert seinen Anteil am Versicherer von 5,05 Prozent auf unter 3 Prozent. Dem Vernehmen nach wird er die Transaktion nicht am Markt abwickeln, sondern als Paket an einen Käufer abstossen. Wer die Titel übernimmt, ist offen. Die 700'000 Aktien hatten gestern nach Börsenschluss einen Marktwert von knapp 65 Millionen Franken.
Maschmeyer gründete AWD 1988 in Deutschland als unabhängigen Verkäufer von Finanz- und Versicherungsprodukten. Die Kundenberater verdienten allerdings an den von ihnen verkauften Produkten auf Provisionsbasis mit. Ab 2007 kämpfte AWD zunehmend mit Problemen und wurde 2008 von der Swiss Life übernommen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.12.2011, 20:55 Uhr
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46 Kommentare
Die Swisslife ist gut beraten wenn sie sich nicht nur von Maschmeyer distanziert sondern gleich auch von den Leuten die ihn zur Swisslife geholt haben. AWD geniesst einen sehr negativen Ruf im Kreise der seriösen Aussendienstleistenden. Einige Versicherungskonzerne haben begonnen die Verkaufsberatung von AWD zu übernehmen. Eine fragwürdige Praxis und noch nicht das Ende der Fahnenstange! Antworten
Jetzt wird die SwissLife doch noch von der Realität eingeholt. Statt Geld verdienen, werden sie mit dieser Uebernahme noch viel verlieren, sicher auch Kunden. Bedenklich v.a. da es sich um unseren grössten Pensionskassenverwalter handelt. Die Renditen für die Versichertern werden also noch kleiner werden. Antworten
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