«Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen»
Aktualisiert am 23.02.2009 6 Kommentare
Kritisiert: Maria-Elisabeth Schaeffler.
Die Schaeffler-Gruppe und die IG Metall wollen jetzt gemeinsam für das Überleben des schwer angeschlagenen Autozulieferers kämpfen. Dafür geht das deutsche Familienunternehmen neue Wege. Mit der Gewerkschaft einigten sich die Gesellschafter Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler auf die Einführung der Mitbestimmung und sie wollen die Beschäftigten beteiligen. IG Metall und Schaeffler forderten vor Journalisten zudem Hilfe von Bund und Ländern.
Maria-Elisabeth Schaeffler sagte, der Staat werde für zeitlich begrenzte Überbrückungshilfen gebraucht. Sie hoffe, dass diese Unterstützung nach der Vereinbarung mit der Gewerkschaft nun «leichter falle». Die Gesellschafter erklärten sich in einem gemeinsamen Eckpunktepapier mit der IG Metall erneut bereit, sich «zur Zukunftssicherung des Unternehmensverbundes von einem wesentlichen Teil ihrer Beteiligung zu trennen».
Sicherung der Jobs hat «oberste Priorität»
Am Wochenende hat sich der deutsche Arbeitsminister Olaf Scholz noch skeptisch geäussert. Er kritisierte gar die Familie Schaeffler scharf: «Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen», sagte der SPD-Politiker dem «Tagesspiegel am Sonntag» in Anspielung auf ein Foto, das Frau Schaeffer im Pelzmantel im Nobelskiort Kitzbühel zeigt. Der Staat sei nicht dafür da, für Fehlentscheidungen von Milliardären geradezustehen. «Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand, der sich verspekuliert hat, auch noch einen Reibach auf Steuerzahlerkosten macht.»
Laut Georg Schaeffler gibt es Interessenten. Mit dem Erlös solle die Verschuldung der Gruppe zurückgeführt werden. Neu ist, dass den Mitarbeitern eine Möglichkeit zur Kapitalbeteiligung gegeben werden soll. Wie das genau aussehen soll, wird laut Georg Schaeffler noch geklärt.
Es fehlen rund 6 Milliarden Euro
Auf Nachfragen berichtete Schaeffler, die Eigenkapitallücke der Gruppe, die sich unter dem Druck der Finanzkrise mit der Übernahme des grösseren Wettbewerbers Continental übernommen hatte, liege bei 5 bis 6 Milliarden Euro - je nachdem wie schnell eine wirtschaftliche Erholung erfolge. Man arbeite vehement an einem Sanierungskonzept, betonte er.
IG-Metall-Chef Berthold Huber betonte, seine Gewerkschaft betrachte die Entwicklung bei Schaeffler und Continental mit grosser Sorge. 220'000 Arbeitsplätze weltweit, davon 80'000 in Deutschland, seien von den aktuellen Entwicklungen betroffen. Die Sicherung der Arbeitsplätze habe für die IG Metall «oberste Priorität». Die Gewerkschaft unterstütze die Familie Schaeffler ausdrücklich in ihrem Bemühen, die Unternehmensgruppe aus der Krise zu führen.
Gemeinsam für neue Strategie
Huber sagte, er glaube nicht, dass die Zukunft der Gruppe mit etwaigen Finanzinvestoren sicherer werde. «Die IG Metall hat ein fundamentales Interesse daran, dass die Gesellschafter der Schaeffler-Gruppe in dem neuen Verbund mit Continental als wesentliche Ankerinvestoren tätig bleiben.» Man werde nun gemeinsam an einer Strategie arbeiten, mit der die Standorte gesichert werden könnten.
Gemeinsam werde man alles dafür tun, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe, sagte der Metaller. «Die Tarifverträge gelten bei allen Umstrukturierungen weiter.» Die Schaeffler Gruppe werde zudem so weiter entwickelt, dass die Mitbestimmung der Arbeitnehmer vergleichbar einer Aktiengesellschaft verankert werde. IG Metall und Schaeffler hielten zur Überbrückung der Krise ein Engagement der Länder und des Bundes für erforderlich - «ob über eine Eigenkapitalhilfe, eine Liquiditätssicherung oder eine Bürgschaft», sagte Huber. (se/ap)
Erstellt: 23.02.2009, 17:13 Uhr
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6 Kommentare
Sobald sich der Staat in ein Unternehemen einmischt, das schlussendlich durch Hochspekulation in die Bedrouille geraten ist, ist das gegenüber den Mitbewerbern nicht nur unfair sondern markverzerrend. Auch wenn viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, solche Firmen müssen halt schliessen, damit die gesunden Firmen nicht auch unter Druck geraten. Antworten
Der Schaeffler-Clan fordert vom Staat (Steuerzahler) unverfroren Geld, um ihr Unternehmen, das u.a. durch die grössenwahnsinnige Übernahme des Reifen-Herstellers Continental in bedrohlicher Schieflage ist, zu retten. Auch die Mitarbeitenden will man neu beteiligen - wohl am Verlust! Wie meinte mal BR Willi Ritschard: Es ist viel schwieriger, elegant vom Ross als auf's Ross zu steigen! Antworten
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