Wirtschaft

Lufthansa-Streik: Swiss springt ein

Aktualisiert am 21.02.2010

Die Swiss reagiert auf den möglichen Streik von 4000 Lufthansa-Piloten. Die Schweizer Airline erhöht morgen ihre Flugkapazitäten um gut 20 Prozent.

Die Swiss hebt auch morgen ab: Der Lufthansa-Streik wird voraussichtlich mehrere tausend Flüge betreffen.

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Bild: Keystone

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«Wir erhöhen die Kapazitäten um 15 bis 20 Prozent im Nachbarschaftsverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz», sagt Swiss-Sprecher Jürg Dinner im «Sonntag». Auf der Strecke Zürich-Frankfurt würde die Swiss zum Beispiel mit einem A320 fliegen anstatt mit einem Jumbolino, der nur 97 Sitzplätze bietet – 61 weniger als der A320.

«Falls die Flugkapazitäten nicht ausreichen, würden wir allenfalls auf den Zugtransport ausweichen», sagt Swiss-Sprecher Dinner. «Wir empfehlen den Passagieren, sich rechtzeitig bei den Airlines über den Status ihres Fluges zu erkundigen», sagt Flughafen-Zürich-Sprecherin Sonja Zöchling gegenüber dem «Sonntag». Die Swiss hat deshalb das Personal im Callcenter aufgestockt.

Per Flug nach Zürich umgeleitet

Vom Streik betroffen wären die von der Lufthansa (LHA 8.536 0.67%) operierten Flüge ab Genf: «In Genf käme es bei einem Streik wohl zur Annulation von täglich 5 Flügen nach München und 5 Flügen nach Frankfurt», sagt Swiss-Sprecher Jürg Dinner. «Die betroffenen Passagiere werden per Flug nach Zürich umgeleitet und können von dort an ihren Zielort weiterfliegen.»

Die Flüge ab und nach Basel sind gemäss des Lufthansa-Sonderflugplans vom Streik nicht betroffen. Würde sich daran etwas ändern, müssten die Reisenden per Zug nach Zürich fahren und von dort aus weiterfliegen. Die SBB sind laut Sprecher Renzo Cicillini mit der Swiss in Kontakt und würden je nach Entwicklung reagieren.

Fronten verhärtet

Trotz letzter Einigungsbemühungen vom Wochenende steht die Lufthansa vor dem vermutlich grössten Arbeitskampf ihrer Geschichte. Zwar telefonierte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber gestern mit dem Vorsitzenden der Pilotengewerkschaft Cockpit, Winfried Streicher. Die von der Fluggesellschaft gestellten Vorbedingungen für Gespräche lehnte Cockpit aber ab. Die Piloten haben zu einem viertägigen Streik aufgerufen, der am Montag um Mitternacht beginnen sollte. Zwei Drittel der Lufthansa-Flüge müssen deshalb gestrichen werden.

Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther bestätigte den telefonischen Kontakt zwischen Mayrhuber und Streicher. Die Fluggesellschaft sei dialogbereit, wenn Cockpit vorab bestätige, «von Forderungen, die die unternehmerische Freiheit unzulässig beschränken, wie Markennutzung und Auslandsbeteiligungen, abzurücken und nicht erneut zum Gegenstand der Verhandlungen zu machen».

Darüber hinaus konkretisierte die Fluggesellschaft das Angebot einer Arbeitsplatzgarantie für die Piloten. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Wir sind bereit, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2012 zu geben.» Die Zeitung schrieb weiter, die Garantie könne bis 2013 oder 2014 verlängert werden.

Die Vereinigung Cockpit erklärte, sie stehe vorbedingungslosen Gesprächen jederzeit offen gegenüber, sehe sich aber nicht in der Lage, die Vorbedingungen der Lufthansa Konzernführung zu akzeptieren. Diese stellten bereits bestehende Tarifverträge mit der Fluggesellschaft in Frage.

«Schwere Belastungen für die Luftverkehrswirtschaft»

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte die Tarifparteien zu Verhandlungen aufgerufen, um den Streik doch noch abzuwenden. «Ein vernünftiger Kompromiss muss her, um Schaden von der deutschen Volkswirtschaft abzuwenden, sagte der CSU-Politiker der «Bild am Sonntag». Zugleich warnte er vor schweren Belastungen, die im Fall des Arbeitskampfs auf die Luftverkehrswirtschaft zukämen. «Dieser Streik kommt zu einer Unzeit. Es kann nicht sein, dass die grösste deutsche Flotte vier Tage lang fast komplett am Boden bleibt.» Für die Reisenden sei das eine Zumutung - und für die Luftverkehrswirtschaft ein weiterer schwerer Schlag. «Und obendrein ein Imageverlust für eine der renommiertesten Fluglinien der Welt», fügte der Minister warnend hinzu.

Die Vereinigung Cockpit hat 4.500 Piloten zum Streik aufgerufen, neben dem Passagiergeschäft der Lufthansa und Germanwings ist auch die Frachttochter Lufthansa Cargo betroffen. Die Lufthansa, die die direkten Kosten des Ausstands auf 100 Millionen Euro schätzt, hat den Ausstand als unverhältnismässig bezeichnet.

Sicherung der Arbeitsplätze

Den Piloten geht es vor allem um die Sicherung ihrer Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern. Nach Darstellung der Gewerkschaft werden diese zunehmend in billigere Gesellschaften verlagert. Ursprünglich wollten die Piloten zudem 6,4 Prozent mehr Gehalt - bei einem Stopp der Auslagerung ihrer Jobs sind die Piloten aber auch zu einer Nullrunde bereit.

Dies wiederum ist dem Konzern zu wenig. Der Beitrag reiche nicht aus, «um die erforderlichen nachhaltigen Kostenverbesserungen für eine starke Stellung im Wettbewerb zu sichern», schrieben die Lufthansa-Vorstandsmitglieder Christoph Franz und Lauer im Januar an die Piloten. Franz verwies am Wochenende noch einmal darauf, dass es noch nie einen Stellenabbau im Lufthansa Passage Cockpit gegeben habe und dies auch derzeit nicht geplant sei. (bru)

Erstellt: 21.02.2010, 16:22 Uhr

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