Wirtschaft

Lufthansa-Sparprogramm: Unruhe bei Mutter und Töchtern

Aktualisiert am 24.01.2012

Laut einem Pressebericht soll das neue Effizienzprogramm bestimmte Bereiche in Frankfurt zentralisieren. Lufthansa und Swiss schweigen dazu – doch ein Fachmann sieht Potenzial für eine solche Strategie.

Wird die Zusammenarbeit künftig neu definiert? Lufthansa- und Swiss-Maschinen auf dem Flughafen Kloten (Archivbild).

Wird die Zusammenarbeit künftig neu definiert? Lufthansa- und Swiss-Maschinen auf dem Flughafen Kloten (Archivbild).
Bild: Keystone

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Das deutsche Magazin «Wirtschaftswoche» hat auf seiner Webseite gemeldet, dass das Effizienzprogramm, von dem Konzernchef Christoph Franz bereits in der Mitarbeiterzeitung «Lufthanseat» gesprochen hatte, auch eine stärkere Zentralisierung beinhalte – und damit weniger Eigenständigkeit für die Tochtergesellschaften wie Austrian Airlines, Germanwings und Swiss.

Bericht über zahlreiche Sparmassnahmen

Laut dem Bericht ist geplant, Unternehmensbereiche wie beispielsweise den Einkauf, die Personalverwaltung, das Controlling oder die IT stärker zu bündeln und von der Zentrale in Frankfurt aus zu führen. Die Pressestelle der Lufthansa (LHA 8.536 0.67%) in Frankfurt bestätigt diesen Bericht ausdrücklich nicht. «Im Moment sind das Spekulationen, die angestellt werden», sagt Mediensprecherin Claudia Lange, «die Details werden derzeit noch ausgearbeitet.»

Auch bei der Swiss heisst es derzeit: kein Kommentar. «Was das Programm für die Konzerntöchter bedeutet, ist im Moment einfach noch nicht klar», sagt Susanne Mühlemann, Leiterin der Medienstelle. Der Verfasser des Artikels in der «Wirtschaftswoche», Rüdiger Kiani-Kress, beruft sich gegenüber DerBund.ch/Newsnet allerdings darauf, dass er von mehreren Quellen im Lufthansa-Konzern erfahren habe, «was die ungefähr vorhaben». Das Magazin, so der Redaktor, bleibe bei seiner Darstellung.

Experte: Synergieeffekte mit Sparpotential

Eine Zusammenlegung von Unternehmensbereichen könnte durchaus Sparpotential haben, meint jedenfalls Max Ungricht, Chefredaktor der Fachzeitschrift «Cockpit» und langjähriger Kenner des Luftfahrtgeschäfts. Zum Beispiel im Fall der österreichischen Airline AUA, bei der die Stimmung nach einem fünfprozentigen Gehaltsverzicht und anderen Einschnitten bereits auf dem Tiefpunkt ist. «Dort haben die Bemühungen bisher ja wenig gebracht», sagt Ungricht, «es könnte schon Sinn machen, wenn man gewisse Gesellschaften strenger an die Leine nimmt».

Synergieeffekte, mit denen sich Kosten einsparen liessen, sieht der Fachmann durchaus: «Den Einkauf könnte man durchaus noch stärker zentralisieren.» Zum Beispiel bei der AUA, wo Boeing 737-Maschinen künftig mit Jets aus der 320-Familie von Airbus ersetzt werden sollen. Ungricht zufolge wird die Lufthansa die Finanzierung übernehmen müssen. Bei der Swiss dagegen würden die künftigen CSeries-Maschinen von Bombardier aus eigener Kraft finanziert, auch wenn sie von der Lufthansa bestellt wurden.

Daneben sieht Ungricht Sparpotential beim Catering und auch beim Unterhalt und der Wartung von Maschinen. «Diese Arbeiten könnten durchaus noch effizienter durchgeführt werden», sagt er. Denkbar sei beispielsweise, dass gleiche oder verwandte Flugzeugtypen zusammen gewartet würden – zum Beispiel als Folge einer Standortüberprüfung im gesamten Lufthansa-Konzern.

Argumente für Eigenständigkeit der Swiss

Inwieweit die Swiss von einem Sparprogramm betroffen sein könnte, das laut den bisherigen Presseberichten 1,5 Milliarden Euro bringen soll, ist auch für Ungricht schwierig einzuschätzen. Christoph Franz habe Vertrauen zu CEO Harry Hohmeister, der ihm im April 2009 auf dem Chefsessel nachfolgte und seither gute Resultate liefert. «Die Swiss könnte deshalb weitgehend eigenständig bleiben», sagt Ungricht, «nach dem Motto: Never change a winning team.»

Ganz ähnlich sieht das auch Redaktor Rüdiger Kiani-Kress von der «Wirtschaftswoche». Angesichts der drängenden Probleme im Lufthansa-Konzern käme die Schweizer Airline wohl, so meint der Journalist, «als Letzte an die Reihe. Und sie würde das Sparprogramm wohl am wenigsten treffen». Mehr dazu wird in Kürze folgen: Details zum Sparprogramm sollen laut der Lufthansa noch im ersten Quartal 2012 publiziert werden. (raa)

Erstellt: 24.01.2012, 13:32 Uhr

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