Lufthansa-Piloten verdienen so viel wie Kanzlerin Merkel

Lufthansa-Piloten sind Top-Verdiener. Ihr Gehalt kann im Verlauf der Karriere so gross werden, wie das der deutschen Bundeskanzlerin. Da können Swiss-Piloten nur staunen.

Spitzenverdiener der Branche: Streikende Lufthansa-Piloten gestern am Flughafen Frankfurt.

Spitzenverdiener der Branche: Streikende Lufthansa-Piloten gestern am Flughafen Frankfurt.
Bild: Keystone

Die Lufthansa-Piloten gehören zu den Spitzenverdienern ihrer Branche. Das geben sie unverhohlen zu. Trotzdem wollten sie mit dem gestrigen Streik mehr Lohn erzwingen, was ihnen ja jetzt auch zu gelingen scheint. Offiziell fordern die Piloten 6,4 Prozent mehr Gehalt.

Das Anfangsgehalt eines Piloten bei Lufthansa im Konzerntarifvertrag der Lufthansa liegt nach Angaben der Gesellschaft bei rund 91'000 Franken brutto im Jahr. Zum Vergleich: Ein Swiss-Regionalkapitän im fünften Dienstjahr verdient 90'000 Franken. So steht es im Gesamtarbeitsvertrag von 2007.

Blanker Hohn

Nach dem Aufstieg zum Kapitän können die Lufthansa-Piloten nach Angaben aus Luftverkehrskreisen mit einem Anfangsgehalt von 161'000 Franken rechnen, das bei einem erfolgreichen Berufsleben im Cockpit auf mehr als 366'000 Franken anwachsen kann. Das entspricht in etwa dem Lohn der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dazu gibt es noch einen Bonus, der vom Erfolg des Unternehmens abhängig ist und bis zu einem zusätzlichen Monatsgehalt betragen kann. Die Piloten haben zusätzlich Anspruch auf umfangreiche Sozialleistungen und eine Betriebsrente. Die Premium-Piloten der Lufthansa-Flotte verdienen deshalb so viel, weil sie dem Konzerntarifvertrag unterliegen.

Gegenüber Piloten anderer Lufthansa-Tochtergesellschaften wie der Swiss, AUA oder Air Bruxelles ist das blanker Hohn. Dort kämpfen so manche um ihre Existenz. Da tun sich innerhalb des Konzerns riesige Gräben auf. Gerade bei den Einstiegsgehältern sind die Unterschiede massiv. Aber auch absolut gesehen bleibt der Abstand bis zum Berufsende sehr gross.

Unterschied von 30 Prozent

Doch es ist nicht nur das Gehalt, es gibt gleich mehrere Punkte, die im Vergleich schlechter sind. Der Geschäftsführer der Schweizer Pilotenvereinigung Henning Hoffmann sagt in einem Interview mit «Focus»: «Wir müssen die Krankenversicherung komplett selbst bezahlen – in Deutschland übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte. Dann ist unsere Rentenversicherung nicht so gut. Wenn man alles zusammenzählt, kann man sicher von einem Unterschied von 30 Prozent sprechen.»

Die Lufthansa-Piloten betonen dann auch gerne, dass es ihnen beim Streik nicht primär um eine Lohnerhöhung, sondern hauptsächlich um eine Arbeitsplatzgarantie gehe. Sie befürchten, dass immer mehr Flüge von den günstigeren Konzerntöchtern übernommen werden.

Zeit für Verhandlungen

Gestern Abend hatten sich die Sozialpartner vor dem Frankfurter Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt. Der eigentlich bis Donnerstag geplante Streik wurde nach nur einem Tag bis zum 8. März ausgesetzt, so dass nun genug Raum für neue Verhandlungen ist.

Es soll über Gehälter und Arbeitsbedingungen von rund 4500 Piloten im Kernbereich des Konzern geredet werden. Die Lufthansa-Piloten dürfen sich wahrscheinlich über eine Lohnerhöhung freuen. (bru)

Erstellt: 23.02.2010, 11:00 Uhr

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31 KOMMENTARE

Wellington da Souza

13.04.2010, 21:25 Uhr

Irgendwie geht mir persönlich dieses Gerede vom hohen Lohn auf den Wecker. Die Swiss Piloten (und andere) sollen mehr verdienen. Ich bin gerne bereit dafür etwas mehr zu zahlen. Gemessen an den Flugmeilen merkt man das kaum. Aber nur best ausgebildete Piloten sind gut genug. Ich fliege viel und mit vielen Gesellschaften, aber sicher nicht mit solchen, die Stehplätze einführen wollen. my life !!


Urs Häni

02.03.2010, 13:01 Uhr

Fr. 90000 nach abgeschlossener Ausbildung sind ein guter Lohn, mehr nicht. Wieviele Langstrecken Flugkapitäne erreichen überhaupt die genannten Höchstsummen? Einige wenige Prozente des Gesamtpilotenbestandes. Zweitens geht es auch um die Job Auslagerung an ausländische Gesellschaften. Ferner trägt Pilot im Gegensatz zu vielen besser verdienenden Bänklern Verantwortung.


Emanuel Meier

24.02.2010, 10:31 Uhr

@Erb: Ich bin kein Pilot, sondern Elektro-Ingenieur ETH. Ich rede selten mit mir selber, aber kenne Finanzmathematiker, die weit mehr verdienen als Piloten. Versuchen Sie bitte einmal die Pilotenaufnahmeprüfung der Lufthansa zu durchlaufen. Wir reden danach wieder...Es gibt einen Grund, wieso selten ein Lufthansa Unglück geschieht!


Emanuel Meier

24.02.2010, 10:28 Uhr

@Bänziger: Ein Simulator ist zum Glück nicht vergleichbar mit der Realität. Zudem transportieren Sie im LKW keine Personen (Bus!), mit Verlaub. Ich habe übrigens auch schon LKWs gebremst...zugegeben, keine 40t. @Zahnd: Wichtig ist aber genau, dass die Routine eben durchbrochen wird. Immer aufs neue, um sicher zu sein! Und die Lufthansa hat nicht die höchsten Pilotenlöhne, so nebenbei bemerkt.


Rolf Bänziger

24.02.2010, 09:16 Uhr

@Meier: soeben habe ich mit meinem Flugsimulator eine A380 in Wellington NZ im Sturm sicher gelandet, auf Autopilot! Ich bin LKW Chauffeur (Post) verdiene 4000 netto und habe auch Verantwortung. Ok, die dritte Dimension fehlt,da Sie aber auch Bus/LKW fahren können, genauso wie ich Flugzeuge pilotiere und auch rechnen,bremsen sie mal 40t aus 50 km/h wenn ein Kind unvermittelt auf die Strasse rennt!


majo naef

24.02.2010, 08:51 Uhr

Sorry aber die Piloten haben eine riesen Verantwortung. Wenn die einen Fehler machen stürzen sie mit ab - ohne goldenen Fallschirm.


Beat Zahnd

23.02.2010, 21:55 Uhr

@E. Meier: Pilot ist sicher ein hoch anspruchsvoller Beruf für welchen nur wenige taugen. Fakt ist aber, dass die Bandbreite der Tätikeiten doch eher schmal ist. Es müssen immer wider die selben Aufgaben erledigt werden und die Reaktion bei Ausnahmen ist genau vorgegeben und eingeübt. Und: Piloten in aller Welt können dies auch so gut wie jene der Lufthanse; auch für weniger Lohn


Matthias Erb

23.02.2010, 20:18 Uhr

@Emanuel Meier: Leider bestätigen Sie exakt das Bild vieler Piloten, welche die Bodenhaftung verloren haben und Ihre Berufsgruppe in Verlegenheit bringen...mathematische Leistungen...ich bin mehr als vertraut mit den "mathematischen Leistungen", die im Cockpit nötig sind ...setzen Sie sich mal mit Engenineuren und Finanzmathematikern zusammen und wiederholen Sie Ihr Statement....


Naomi Lalseo

23.02.2010, 17:44 Uhr

Im Gegensatz zu Merkel muss jeder Pilot mehrmals im Jahr beweisen, dass er noch immer über die nötige Leistungsfähigkeit verfügt, den Job sicher auszuführen. Diese Checks täten andern Berufsgruppen auch gut. Ein Normalbürger wäre völlig überfordert. Dazu kommt, dass bei schwerwiegenden Fehlern die Lizenz weg ist, also Berufsverbot. Politiker reden von Verantwortung aber es passiert ihnen nichts


Emanuel Meier

23.02.2010, 15:17 Uhr

Es stellt sich zudem noch die Frage: Verdient nicht allenfalls Merkel zuviel;-)


Emanuel Meier

23.02.2010, 15:15 Uhr

@ P. Dinichert: Ein Buschauffeur, mit Verlaub, kann den Bus jederzeit anhalten, wenn er ein Problem hat. Er arbeitet nicht in 3 Dimensionen. Zudem hat ein Pilot mathematische Leistungen während eines Fluges zu und davor sowie danach zu erbringen, welche die meisten "Normalbürger" nicht einmal ansatzweise verstehen würden. Busfahren kann jeder, fliegen eben nicht!!


Fritz Nussbaumer

23.02.2010, 13:58 Uhr

Das Verhältnis der Swissair zur Crossais wiederholt sich eben. Nur sind heute die Swisspiloten in der Schuhen der ehemaligen Crossairpiloten. Vermutlich müssen die nun auch die Lufhansapiloten zuerst grüssen. Hauptsache aber ist doch für die Swisspiloten: "sie dürfen fliegen" Oh grausames Schicksal ;-)


Hans Meier

23.02.2010, 13:56 Uhr

Es ist einfach peinlich, wie sich diese Piloten aufführen und die Gesellschaft erpressen! Jeder andere Unternehmer würde solche Leute raus schmeissen umso mehr, als dass es genügend Nachwuchs für diesen Job gibt!


Pascal Dinichert

23.02.2010, 13:17 Uhr

@Emanuel Meier; naja, was verdient denn der Bus Chauffeur? Muss der nicht auch jeden Tag hunderte von Menschen transportieren und hat dadurch eine enorme Verantwortung?


Lidija Jametti

23.02.2010, 12:24 Uhr

In diesem Fall verdienen unsere Bundesräte 2 mal mehr, als Madam Merkel.Wenn man so die Aufgaben einer Kanzlerin in Deutschland gemessen an der Bevölkerungszahl in Deutschland und in der Schweiz vergleicht, dann sind unsere Bundesräte mehr als königlich entlöhnt mit dem Lohn von chf 500.000.-- und Spesen. Das Volk zahlt alles auch die Abzocker.


Hedvika Post

23.02.2010, 11:54 Uhr

Es ist schon wichtig, dass Menschen in verantwortungsvollen Positionen zufrieden sind mit dem Lohn, mit den Arbeitsbedingungen. Doch wie kann man mit 200 000 sFr nicht zufrieden sein? Wo fehlts denn?


Raffael Grassi

23.02.2010, 11:49 Uhr

Jammern auf hohem Niveau - die erste Reaktion, wenn man die Argumente hört. Arbeitsplatzgarantie - in diesen Zeiten ein Luxus, den wohl nur wenige für sich in Anspruch nehmen können. Löhne müssen letztlich bezahlt werden - vom Umsatz, den Kunden bringen - ein Spiel mit dem Feuer, was hier die Piloten treiben - notabene auf Kosten der anderen Angestellten im Lufthansa Konzern.


Emanuel Meier

23.02.2010, 11:45 Uhr

@R. Zürcher: Swissair Piloten verdienten nach ca. 20 Jahren 250'000.-- That's it. Wenn man bedenkt, dass die täglich mehrere hundert Menschenleben sicher transportieren, es keine Notbremsen gibt und v.a. die gesundheit durch ewige Jet Lags stark beeinträchtigt wird und eine Pension mit 55 erfolgt, eine faire Entlöhnung! Nicht jeder kann Pilot werden (versuchen Sie mal die Prüfung!)


Urs Stotz

23.02.2010, 11:27 Uhr

Was kann ein Unternehmen bei solchen Angestellten anderes tun, als sie zu ersetzen? Ein Teil dieser Piloten erhalten Spitzenlöhne, verdienen möchte ich das hier nicht mehr nennen, und dann missbrauchen sie ihre Position noch zum Streiken. Das ist eine Situation, wo Unternehmen keine andere Möglichkeit haben, als sich neue Mitarbeiter zu suchen.


René von Euw

23.02.2010, 11:21 Uhr

Das Ganze erinnert irgendwie an die Swissair selig. Deren Piloten kassierten ähnlich ab, wie heute die Lufthansa-Piloten und gingen mit 55 ihre Pension, die erst noch vollumfänglich von der Swissair bezahlt wurde. Hoffen wir für die deutsche Airline, dass die geldgierigen Herren des Cockpits ihre Arbeitgeberin und deren Töchter (Swiss!) nicht zu einer Bruchlandung führen.


Sylvia Liatowitsch

23.02.2010, 11:13 Uhr

Aber Rechnen scheint nicht die Stärke dieser Lufthansa Piloten zu sein! Denken Sie, es gebe Arbeitgeber, heute, die sich in dieser Weise einschüchtern liessen? Dieser Verlust muss ja wiederum kompenisert werden, meine Herren Piloten, oder? Gut Flug denn!


Emil Manser

23.02.2010, 11:07 Uhr

Schlussendlich entscheidet der Markt. Die Piloten geben sich jedoch so abgehoben, dass sie das gar nicht merken. Es stellt sich daher eine schleichende Richtigstellung auf Grund der Marktvorgaben ein. Ich meine für einen so repetiven Job, wie die Piloten ihn ausüben sind die Gehälter in den grossen Fluggesellschaften auch unter Berücksichtigung des Sicherheitsaspektes schlicht zu hoch.


Elisabeth Naef

23.02.2010, 11:07 Uhr

Woher nehmen die Kapitäne der Lüfte eine solche Arroganz? War es nicht bei der Swissair auch so, fordern und noch einmal fordern. Ja, und dann ganz tief fallen.


Bernd Trogner

23.02.2010, 11:05 Uhr

Das nenn' ich Jammern auf hohem Niveau!


Rolf Iseli

23.02.2010, 10:52 Uhr

Und nun wohnen alle Kranich Piloten in der CH ? Sonst relativiert sich dann das Supergehalt schnell mal bei ca. 50 % Steuern. Man könnte natürlich bei einer Zwischenlandung in Zürich auch mal ein Konto am UBS Schalter eröffnen....So oder so ziemlich fragwürdig diese Forderungen nach Arbeitsplatzgarantie


Reinhard Mangold

23.02.2010, 10:38 Uhr

"Die Lufthansa-Piloten betonen dann auch gerne, dass es ihnen beim Streik nicht primär um eine Lohnerhöhung, sondern hauptsächlich um eine Arbeitsplatzgarantie gehe. Sie befürchten, dass immer mehr Flüge von den günstigeren Konzerntöchtern übernommen werden." Ironie? Wenn die Piloten im Schnitt 30% mehr Verdienen, kostet ein Pilot ja auch automatisch 30% mehr als die der Tochtergesellschaften!?


rolf zürcher

23.02.2010, 10:37 Uhr

je schlechter es einem land finanziell geht, desto agressiver werden die gewerkschaften.nach der devise : fordern statt arbeiten"; auch die swissair piloten früher wurden verhätschelt und vergoldet.die denken noch immer sie seien was besonderes..


Thomas Hirt

23.02.2010, 10:35 Uhr

Problem: gut verdienende Kapitäne vor der Pensionierung erhöhen die Gesamtkosten. Somit lagert die LH Strecken aus. Das reduziert aber die Gesamtzahl der benötigten LH-Piloten. Bei weniger Pilotenbedarf verlangsamt sich die Karriere und die Beförderung zum Kapitän erfolgt später. So erreichen Copiloten weder die hohen Löhne noch die dicke Rente. Deshalb die Forderung nach Arbeitsplatzsicherheit!


Peter Loosli

23.02.2010, 10:20 Uhr

Darauf gibt es nur eine Antwort : NIE mehr Lufthansa fliegen ! Bei diesen Top-Salären noch 6,4% mehr verlangen ist ein Skandal.


Peter Benz

23.02.2010, 10:04 Uhr

Die LH-Piloten haben anscheinend nicht begriffen, dass die goldenen 60er, 70er und 80er Jahre vorbei sind und damit auch die exorbitanten Löhne. Ich sehe nicht ein, wie ein Flugkapitän über 200'000 oder gar 300'000 Franken verdienen kann und dann mit 58 Jahren pensioniert wird! Meine Freundin ist Flight Attendant und verdient gerade mal 40'000 Franken - und muss noch für alles den Kopf hinhalten!


Tobias Brühwiler

23.02.2010, 09:43 Uhr

Da in Deutschland nur auf der Begründung des Lohnes gestreikt werden kann, wird dieses Argument in den Vordergrund gestellt. NUR: Die Piloten der Lufthansa sind keineswegs doof, und es ist ihnen bewusst, dass nicht nur gefrodert werden kann, sondern auch etwas gegeben werden muss (wissen nicht alle!). Darum würden sie für die Jobsicherheit auf die Ihnen zustehenden 6.4% mehr Lohn verzichten...



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